Neulich in der Köpenicker Altstadt.
Tag Archive for 'Hertha BSC'
Es gibt inzwischen ziemlich viele englischsprachige Texte, die sich mit dem 1.FC Union Berlin beschäftigen. Genannt seien etwa der Wikipedia-Eintrag von Richard Miller, die Blogs ludoeule.posterous.com und unionberlin.com oder die wöchentlichen Beiträge von Jacob Sweetman für den Exberliner. Einige der Genannten schreiben ausschließlich über Union, andere betrachten den Gesamtberliner Fußball. Um große Namen, Arenen und Hummermayonnaise geht es dabei kaum, es kann sich demnach nur um Fußball handeln, vermute ich. Deshalb habe ich Jacob Sweetman gefragt, was ihn eigentlich nach Köpenick gebracht hat. Er hat´s aufgeschrieben, und weil mein Englisch und sein Deutsch von vergleichbarer Brillanz sind, haben wir uns entschlossen, den Text genauso stehen zu lassen. Dass nach allem, was er im Fußball gesehen hat, sein bewegendster Fußballmoment der Blick in die Gesichter der Stadionbauer bei der Wiedereröffnung der neuen Alten Försterei war, versteht ihr sicher auch so.
von Jacob Sweetman
I was at the Alte Försterei on Wednesday for the press conference prior to the first match of the difficult second album, sorry season, in the 2nd division for FC. Union Berlin. The assorted members of the press eyed me suspiciosly. I can see them wondering if this scruffy looking bloke can even speak English, let alone German. What is he doing here?
Well, they may have a good question there. I moved to Berlin three and a half years ago as a drummer for a nominally successful English Rock and roll band who had given up to the dogfight. It was hard work certainly, and financially suicidal, but in Germany we were always treated well and almost, y‘know, respected as musicians so moving to Berlin seemed a pretty straightforward idea, the offer of work making the decision to up sticks easier to make.
Having written for a long time for the fantastic Ipswich Town fanzine „Those Were The Days“- I was 7 days old when Town beat Arsenal in the FA Cup final and have been stuck with them since- journalism always seemed like an excellent dying industry to add to my portfolio after fifteen years of watching record shops in terminal decline from within. It fit‘s perfectly well as someone who derives an almost sexual pleasure from construing tenuous links between the works of Willie Nelson and a bunch of overpaid blokes kicking a ball around. I eventually bullied the excellent Exberliner magazine to make me sportswriter, giving a platform to extemporise all the shit floating around my brain, with the Beatles Bsides and rules for crossing the road meeting up with the sight of Ruud Gullit playing as a very old man sweeper for Chelsea against Town in a league cup match, beautifully pinging pinpoint 50 yard balls to feet like he was a machine.
My frst visit to Köpenick was coincdentally Uwe Neuhaus‘s first league game in charge at Union, a 0-1 loss to Fortuna Dusseldorf in the Regionalliga Nord, my third a last minute 1-0 in a classic Berlin shitstorm of rain in the ultra exposed old Alte forsterei, when the weather was so miserable you couldnt make out the ecer present chimney stacks in the distance that lent the old place so much atmosphere. This was „against modern football“ like so manner baners across Europe were screaming, and I felt immediately at home. The contrasts with the bloated football scene in England where Manchester City would pass through the hands of a reviled dictator and Portsmouth would be led down the road to near extinction by the shady son of an internationally wanted arms dealer. My own team, Ispwich Town, for so long the epitomy of a local club with „roots“ were bought by a billionarie who has still never had his face shown in public- though his name adorns the stadium and the proud blue shirts.
In my time in Berlin I‘ve seen Hertha beat Hoffenheim at a time when they were marauding through the league to finish top at Christmas and I‘ve seen Türkiyemspor‘s triumphant end to last season when they miraculously stayed in the Regionalliga. I sat in front of Werner Lorant at his first game at Tennis Borussia and seen England beat Germany at the Olympiastadion surrounded by increasingly annoyed Dortmunders but nothing comes close to witnessing first hand the tears streaming down the faces of hundreds of ordinary looking men in red plastic builders hats as fireworks ripped the sky apart above the brand new Alte Försterei stadium that they had built themselves. A scene especially poignant to me as having lived in Brighton for ten years I knew how much home really means. The Seagulls‘ will finally have their own stadium a the start of next season for the first time in over 15 years as the old Goldstone Ground was sold off to make space for a Toys R Us.
What I have experienced, and hopefully will continue to, in German football is modern football with more than a wink to the past. As the numbers of English groundhoppers coming over here at weekends multiply like three dicked pigeons, it is strange to reflect on how the home of football has changed and priced out so many of thse who it is supposed to represent in the first place. At Ipswich there is a small movement called Section 6, trying to create a more European atmosphere in the library like silence of Portman Rd with flags and drums. It‘s a huge minority, but as English stadiums grow quieter and pricier it makes me realise how lucky I am here to be involved in such a vibrant football scene, even if my fellow members of the press dont understand a word I‘m going on about.
Groß war das Lamento in der Hauptstadt, als der Abstieg von Hertha BSC feststand. Es sei eine Schande, dass ausgerechnet in Deutschland kein Hauptstadtverein in der obersten Spielklasse vertreten sei. Ganz so, als ob es vorher ein Bundesgesetz gegeben hätte, dass bis 1990 dem Bonner SC einen Stammplatz in der Bundesliga garantierte. Die Mär vom einzigen Hauptsstadtklub stimmt indes auch nur bedingt. Allerdings ist der Verweis auf den zweitklassigen FC Vaduz auch kein erstklassiger Freispruch.
Dafür kann Berlin für sich den Titel “Hauptstadt der Zweitklassigkeit” beanspruchen. Keine andere Stadt hat seit der Einführung der Spielklasse 1974 mehr Vereine in das Unterhaus entsandt. Dabei ist ein Teil dieser sieben Klubs mittlerweile in Spielklassen angekommen, die von den vergangenen Erfolgen wenig ahnen lassen.
Quelle: http://www.fussballdaten.de/zweiteliga/ewigetabelle
Spandauer SV
Viel bleibt dem Spandauer SV nicht. Aber den Titel der schlechtesten Mannschaft der zweiten Liga wird dem Verein niemand nehmen können. 1975 in die 2. Bundesliga Nord aufgestiegen, scheiterte die Mannschaft grandios und holte lediglich zwei Siege in 38 Partien. Ebenso wie Tasmania 1900 den Titel in der Bundesliga wohl für immer behalten wird, bleibt dieser auch beim SSV. Letzte Saison machte Spandau als Skandalnudel in der sechstklassigen Verbandsliga von sich reden, als der Verein wegen ausstehender Verbandsgebühren zeitweise vom Spielbetrieb suspendiert wurde oder im Ligaspiel aufgrund fehlender Spieler einfach der 56jährige Frank Marczewski eingesetzt, der 1976 noch mit dem SSV in der zweiten Bundesliga spielte. Mit zwei Siegen und sechs Punkten stand der Abstieg in die Landesliga fest.
Frank Marczewski mit dem Spandauer SV gegen den 1. FC Union II
SC Charlottenburg
Auch die große Zeit des SC Charlottenburg ist bereits Vergangenheit. Viel bekannter ist mittlerweile die Volleyballabteilung, die beständig mit Friedrichshafen um die Meisterschaft kämpft. Doch Ende der 70er Jahre stieg der SCC mit seiner Fußballmannschaft innerhalb von fünf Jahren vier Mal auf und stand in der Saison 83/84 in der 2. Bundesliga. Es folgte mit einem knappen Rückstand von zwei Punkten der sofortige Abstieg. Da tröstete auch eine positive Bilanz gegen Hertha (Sieg und Unentschieden) nicht. Andreas Köpke wechselte jedenfalls schnell den Verein und spielte ab der nächsten Saison bei Hertha BSC. Zweimal verpasste der SCC kurz darauf in der Aufstiegsrunde den Sprung in Liga zwei. Und ab Ende der 80er ging es bergab.
Heute spielt der SC Charlottenburg in der Landesliga. Einen Aufstieg in die zwei Klassen höhere Oberliga mag man ihm und seinen Anhängern allerdings angesichts solchen Liedgutes nicht wünschen. Die Polizei in Ostdeutschland ist da mittlerweile sehr sensibel:
Wir sind die Jungs vom SCC
wir sind ein stolzer Hieb
Und mancher der uns unterschätzt
schon auf der Strecke bliebRefrain: “Schwarzes C” ist ok
“Schwarzes C” ist ok ja ja ja ja ja
“Schwarzes C” ist ok
wir sind ein stolzer Hieb
Quelle: www.scc-fussball.de
SC Wacker 04 Berlin
Vom Gründungsmitglied der zweiten Bundesliga ist nur noch ein Namensfragment geblieben. Der Verein wurde 1994 nach einem Konkurs aufgelöst und die Mitglieder traten dem Berliner FC Alemannia 90 bei, der seitdem als Berliner FC Alemannia 90 Wacker Fußball spielt. Nach der Gründung der zweiten Bundesliga spielte Wacker drei Spielzeiten in der neuen Spielklasse und gab letztmalig 1978/79 ein einjähriges Gastspiel. Diese Zeit ist identisch mit den Jahren, die Richard Golz in der dortigen Jugendabteilung verbrachte.
Heute geht es dem Verein um das Überleben in der 2. Abteilung der Landesliga, wo man dieses Jahr, Ironie der Geschichte, auf die ehemaligen Zweitligisten Spandauer SV und SC Charlottenburg trifft. Aus administrativer Sicht nicht unglücklich ist man darüber, dass Wacker 04 der Heimatverein von Bernd Schultz, dem derzeitigen Präsidenten des Berliner Fußballverbandes, ist.
SpVgg Blau-Weiß 1890 Berlin
Als sich der gesamte Westberliner Fußball Mitte der 80er Jahre dem Siechtum hingab, hielt Blau-Weiß 90 das Fähnchen hoch. Ab 1984 spielte der Verein im Profifußball. Als Tennis Borussia und Hertha BSC in die Amateurliga abstiegen, gelang dem Verein sogar der Aufstieg in die Bundesliga. Damit einher ging ein legendärer Auftritt im ZDF Sportstudio, als die Mannschaft mit dem Schlagersänger Bernhard Brink mitwippen durfte.
Sportlich in der Abstiegsrunde 1991/92 gerettet, entzog der DFB dem Verein die Lizenz für die neue Spielzeit, was Konkurs und Auflösung des Vereins zur Folge hatte. Die Traditionslinie setzt seitdem der SV Blau-Weiß 90 fort, der derzeit in der Berzirksliga wieder höhere Ziele ausgibt.
Tennis Borussia Berlin
Im Jahr der Gründung der zweiten Bundesliga spielte Tennis Borussia eine Etage höher und lernte das sogenannte Unterhaus nur im Falle des Abstieges kennen. Als die zweite Bundesliga 1981 eingleisig wurde, war der Verein ein Opfer der Reform und seiner vorher schlechteren Plazierungen. Ab da wurde bis auf die Saison 85/86 nur noch drittklassig gespielt.
1993 steigt Tennis Borussia in die zweite Liga auf, obwohl der 1. FC Union den Erfolg sportlich sicher hatte. Union hatte die Lizenzunterlagen mit einer gefälschten Bankbürgschaft erhalten. Darum, auf welchem Wege und unter welchen Umständen diese Informationen zum damaligen Präsidenten von Tebe, Jack White, kamen, ranken sich verschiedene Legenden. Fakt ist, dass White dem DFB die gefälschte Bürgschaft meldete und Tebe anstatt Union in der zweiten Liga antrat. Der Beginn einer tiefen Abneigung der beiden Anhängerschaften. Daran änderte auch der sofortige Abstieg der Charlottenburger nichts.
Ein zweites Intermezzo gab es von 1998 bis 2000, das allerdings mit den finanziellen Ungereimtheiten um die Göttinger Gruppe mit dem Lizenzentzug endete. Seitdem versucht der Klub immer wieder auf die Beine zu kommen. Aber eine solide Finanzierung hat sich seitdem nicht wieder gefunden. Letzte Saison wartete man vergeblich auf von einem nicht näher bekannten “Sponsor” zugesagte Gelder, die bis zum Schluß nicht ankamen. Die kurzfristige Präsentation von Werner Lorant als Sportdirektor half ebenso wenig. Seit diesem Jahr spielt der Verein wieder in der fünftklassigen Oberliga.
Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin
Berlins aktuelle Zweitligisten. Die Rollen sind klar verteilt. Hertha besaß mit Theo Gries einen der erfolgreichsten Torschützen der 2. Liga (123 Tore). Union besitzt mit Theo Gries als Trainer der eigenen U23-Mannschaft einen der erfolgreichsten Torschützen der 2. Liga (123 Tore).
Hertha kann wohl auf das zuschauerreichste Zweitligaspiel verweisen (75.000), als 1997 der 1. FC Kaiserslautern im Olympiastadion gastierte. Dafür verweist Union gerne auf die zuschauerreichste Stadionsanierung (ca. 2.000).
Union ist einer der wenigen Zweitligisten, die im Europapokal spielten (2001/02). Dafür spielte die Hertha deutlich erfolgreicher im Europapokal.
Ansonsten ist zum Verhältnis beider Vereine wenig zu sagen, da diese in ihrer bisherigen Verfassung noch kein einziges Pflichtspiel gegeneinander ausgetragen haben. Das letzte Aufeinandertreffen muss in der Saison 1949/50 in der damals letztmalig ausgetragenen Gesamtberliner Stadtmeisterschaft stattgefunden haben. Kurz darauf wurden die beiden Ostberliner Vereine zurückgezogen und die von Hanne Sobeck trainierte Mannschaft aus Oberschöneweide verließ den Ostsektor.
In die Schwalbe im Prenzlauer Berg kamen zur ersten in dieser Saison vom Journalisten Thorsten Poppe organisierten Sportstunde der Präsident des Berliner Fußballverbandes, Bernd Schultz, und Christian Beeck, Sportdirektor des 1. FC Union Berlin. Das übergeordnete Thema lautete “Derbyzeit in Liga 2 – Chance für den Berliner Fußball?”.
Es wurden sämtliche Themen rund um das Zusammentreffen der beiden Vereine besprochen. Sei es die Stadionfrage, der Verweis auf eine ehemalige Fanfreundschaft während der Teilung Berlins, das unterschiedliche Image der Klubs oder der kleine Platzsturm beim Spiel Hertha gegen Nürnberg im Olympiastadion. Diese Themen und auch die Antworten waren rundum erwartbar und boten für den aufmerksamen Betrachter des Berliner Fußballs wenig Neues.
Dafür entführte Thorsten Poppe vor dem Gespräch die Zuschauer in eine Zeit, als im Berliner Fußball im Profibereich noch gegeneinander gespielt wurde. Bei Ereignissen wie den von ihm erwähnten Bundesligaduellen von Tennis Borussia gegen Hertha BSC stellte sich ein bißchen das Gefühl von “Opa erzählt vom Krieg” ein. So unwirklich und unvorstellbar klingt solch ein Aufeinandertreffen heute.
Die Chance für den Berliner Fußball selbst, der gerade gestern durch eine Gerichtsentscheidung wieder einmal zurückgeworfen wurde, konnte allerdings nicht herausgearbeitet werden. Natürlich betonten beide Gäste, dass sie auf eine gesunde Rivalität hofften. Bernd Schultz bat zusätzlich die Medien, keine Ost-West-Geschichten zu konstruieren. Ansonsten sah man, dass sowohl der Sportdirektor von Union als auch der Präsident des Berliner Verbandes sich gut verstanden. Es war insgesamt eine sehr kuschelige Atmosphäre. Unverständlich, dass es Hertha nicht möglich war, jemanden aus der Geschäftsstelle zu schicken, der den Gegenpart hätte geben können.
Der Berliner Fußball krankt aber nicht oben im Profibereich, auch wenn es verständlich ist, dass sich der Präsident einen Erstligisten als Aushängeschild wünscht. Im Nachgespräch machte Schultz auch deutlich, dass gerade die Regionalliga in ihrer bestehenden Form keine Zukunft haben wird. Alternative Modelle, die sowohl den Profibereich und dessen Wunsch nach Wettkampfpraxis seiner Nachwuchsmannschaften als auch die Sehnsucht nach einer attraktiven Liga durch die normalen Mannschaften befriedigen, seien allerdings bisher noch nicht gefunden. Fakt sei aber, dass zumindest die Anzahl der zweiten Mannschaften begrenzt werden müsse. Auch der Frauenfußball führe in Berlin ein stiefmütterliches Dasein. Dem stellte Schultz allerdings eine sehr gute Entwicklung im Mädchenbereich gegenüber.
Die nächste Sportstunde findet am 9. September um 21 h in der Schwalbe (Stargarder Straße 10, Prenzlauer Berg) statt. Als Gast wird Andreas Rettig (Geschäftsführer des FC Augsburg) vor Ort sein. Das Thema lautet: “Die Entwicklung der Bundesliga im wirtschaftlichen und sportlichen Vergleich mit den europäischen Top-Ligen”.
Mitschnitt des ersten Teils der Diskussion mit Schultz und Beeck (35 Min)
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Bemerkung: Leider ist der Akku im Aufnahmegerät leer gewesen, so dass der zweite Teil nicht gespeichert wurde.
OK. Dann stelle ich mich also dieser Herausforderung. Als gäbe es davon im Leben nicht eh schon mehr als genug, musste ich natürlich zusagen. Ich, als Herthaner und Westberliner, der die Wende vor allem mauersteineklopfend erlebt hat und dementsprechend wenig Sinn für ein geteiltes Deutschland hat, habe nun den Salat. Ich habe mich also dazu bereit erklärt auf diesem – nennen wir es – eisernen Ostblog einen Beitrag zu schreiben. Einen Beitrag über die Berliner Geschwister, die da wären: Die große Schwester Hertha und der kleine eiserne Bruder David.
Nein. Ich werde nichts über Derbies in der zweiten Liga schreiben. Das ist ein Thema für Zeitungen, die große Buchstaben, viele Fotos und vor allem Meinungen in die Welt hinausposaunen. Außerdem wird es zwischen Union und Hertha erst dann ein richtiges Derby geben, wenn sich die beiden Teams in der ersten Liga duellieren. Also in der kommenden Spielzeit. Bis dahin werden Berliner Derbies nicht unbedingt mein Thema sein.
Ja. Dann schreibe ich doch lieber etwas über Innerberliner Verhältnisse. Allerdings kann ich auf Grund meines noch recht überschaubaren Alters wenig bis gar nichts mit dem ganzen Nostalgie-Gedöns anfangen, der vor der Wendezeit liegt. Ich weiß, dass es da mal eine Freundschaft zwischen den Eisernen und den Blau-Weißen gegeben haben soll. Heute weiß ich davon allerdings nichts mehr. Ich sehe, höre und lese wenig von dieser Freundschaft, außer dass es sie mal gegeben haben soll. Gott hab’ sie selig, die DDR, die Wende, die Nostalgie und die alte Freundschaft. Sicher war nicht alles schlecht, aber wen interessiert das heute noch?
Wenn ich also etwas über das Verhältnis von Union und Hertha schreibe, dann muss ich einiges vorweg stellen. Neben der oben geschilderten Ignoranz gegenüber der Vergangenheit, bin ich im höchstem Maße subjektiv. Ich schreibe über meine Wahrnehmung und meine Einschätzungen, die ich weder belegen kann noch will und die alle anderen gerne anders sehen dürfen. Nur zu, Widerspruch ist erwünscht.
Wer meine textliche Vergangenheit unter blau-weißer Flagge kennt und wer mein Geschreibe des letzten Jahres zur Kenntnis genommen hat, weiß sicherlich, dass ich der alten Dame und ihren Fans recht kritisch gegenüber stehe. Ich stehe zu ihr. Keine Frage. Aber ich mache sicherlich nicht alles mit und schreibe das dann auch. Soviel zur Vorrede.
Seit einem Jahr nun spielt da ein Berliner Vorort-Verein in der zweiten Liga und man kann ihn irgendwie nicht mehr ignorieren. So denken viele Nicht-Eiserne über Union. Immerhin spielen sie zweite Liga. Das ist zwar noch nicht Europapokal, aber auch nicht ganz unbedeutend. Nach dem Abstieg der Hertha kommt man um die Unioner endgültig nicht mehr herum. So wie man den jüngeren Bruder eben auch nicht ständig ignorieren kann. Er gehört dazu, ob man will oder nicht.
Sie sind ja auch irgendwie putzelig. Diese ehrlich arbeitenden Ossis. Da bauen sie auf HartzIV-Kostenstelle ihr Stadion in Handarbeit um. So denken die meisten blau-weißen Wessis, die sich ihr Stadion einfach direkt von der Stadt haben aufmotzen lassen. Das Reflexionsniveau unter Fußball-Fans scheint grundsätzlich unterdurchschnittnlich zu sein. Denke ich. Macht aber nichts, da lässt es sich einfach besser pöbeln.
Mal davon abgesehen, dass der kleine Nachbar ab und an mit kernigen Sprüchen provozieren möchte, fällt da noch etwas anderes in der Beziehung zwischen Ost-Unionern und West-Herthanern auf. Beide reklamieren ja nur zu gern für sich, der Fußball-Verein für ganz Berlin zu sein. Die kleinen, häßlichen Stiefgeschwister TeBe und Dynamo schreien da zwar immer auf. Aber wen interessiert das schon? Wichtiger ist noch, dass beide – sowohl Hertha als auch Union – es wohl auf absehbare Zeit nicht schaffen werden, der Berliner Gesamtverein zu werden. Und das ist auch gut so, denn Berlin stand immer schon und steht immer noch für Vielfalt.
Noch amüsanter wird es, wenn man sich die eisernen Sticheleien gegen ein leeres Olympiastadion anschaut. Klar, die Kritik und die Hähme sind angebracht. Das Olympiastadion ist doch häufiger zugig, denn euphorisch gefüllt. Allerdings sieht das in der vergleichsweise winzigen Alten Försterei nicht anders aus. Die Zuschauerzahlen der vergangenen Zweitliga-Saison sind nicht unbedingt rühmlich, nicht wahr? (Im Schnitt blieben ein Viertel der Plätze leer). Letztlich sollten beide Vereine bezüglich der Stadionauslastung die Klappe halten. Das wird sonst peinlich, wenn man einmal nach Düsseldorf oder Kaiserslautern schaut…
Aber so ist das halt, wenn groß und klein sich streiten. Hauptsache, der andere steht schlechter da, egal wie blöd man selbst dabei aussieht. Die große alte Dame – quasi die große Schwester des kleinen eisernen Bruders – sie müsste einfach locker bleiben. Kann sie aber nicht. Sie bekommt weitaus mehr Taschengeld, bekommt aber auch als erste Dresche, wenn es nicht so läuft. Schließlich muss sie mehr Verantwortung tragen. Der Kleine dagegen versucht sich immer wieder abzusetzen und anders zu sein, um dadurch aus dem großen Schatten der Schwester heraus zu treten.
Manchmal kann ich mich dem Eindruck nicht entziehen, dass der eiserne Zwerg aus der Berliner Provinz versucht, den Pauli-Mythos nach Berlin zu kopieren. Klar, die David-vs.-Goliath-Thematik passt. Ebenso ist die alte Dame größtenteils so piefig und bieder wie der HSV. Aber der kleine eiserne David kommt halt aus Köpenick. Und bei allem Respekt gegenüber diesem wunderschönen Stadtteil Berlins: Das ist mal eine ganz andere Hausnummer als der Hamburger Kiez. Sagen wir es so: An Piefigkeit ist der eiserne David zusammen mit der alten Dame ganz vorne mit dabei.
Natürlich mögen die Kenner da die feinen Unterschiede erschnüffeln. Ehemals ostdeutsch-piefiges Kleinbürgertum riecht anders als ehemals westdeutsch-piefiges Kleinbürgertum. Das will ja auch niemand wegdiskutieren und es ist ja sogar schön, dass es an jeder Berliner Ecke anders stinkt. Aber sowohl in ehemals Ost als auch in ehemals West war, ist und bleibt die kleinbürgerlich Piefigkeit. Du bist so wunderschön, Berlin!
Was ich an den Image-Kampagnen der großen Schwester Hertha schon seit Jahren kritisiere, ist ja dieses blind-taube Ignorieren der eigenen Identität. Ich bin mir sicher, dass Hertha sich erfolgreich als Marke etablieren könnte, wenn sie sich mehr auf den ihr eigenen Eck-Kneipen-Mief konzentrieren würde. Niemand mit einer echt blau-weißen Seele interessiert sich für play.berlin oder Aus Berlin. Für Berlin. Vielleicht kann man damit ein paar Brandenburger überzeugen. Aber auch nur vielleicht. Wahrscheinlich nicht.
Spielt sich der kleine eiserne und ebenso piefige David aus Berlin-Köpenick jedoch als alternativer Mainstream-Punk (sic!) auf, wird das nicht weniger peinlich als die blau-weiße Großmannssucht der alten Dame Hertha. An die Lernfähigkeit des Charlottenburger Managements glaube ich nicht mehr. Ich habe mich damit abgefunden, dass die alte Dame in meinem Leben wohl gerne etwas anderes werden möchte als sie bleiben wird und werden könnte. Ein Hoch auf die Schizophrenie!
Für den kleinen eisernen David besteht allerdings noch Hoffnung. Vielleicht werden in Zukunft auch ein paar Herthaner raus zur Alten Försterei fahren, weil man dort noch ein gepflegtes Pils bekommt, das man in piefiger Ruhe unter Gleichgesinnten konsumieren kann. In einer kleinbürgerlich engen Welt, in der der Fußball bleibt was er in seinem Kern ist: Ein netter Zeitvertreib, der einem Orientierung und Sicherheit gibt, für ein Leben, das eh aus viel zu vielen Herausforderungen besteht.
Ich hoffe, dass der kleine eiserne David aus den Fehlern seiner großen Schwester Hertha lernt. Falls nicht, bleiben uns die Derbies in der ersten Liga. In der kommenden Saison. Ich freue mich schon!
Im Pokal gelten bekanntlich eigene Gesetze. (In Derbys auch, setze ich mal hinzu). Dieser Satz fürs Phrasenschwein wird oft und gern zitiert, wenn vermeintlich unterlegene Fußballmannschaften den “Giganten” ein Schnippchen schlagen. Ich wünsche mir sehr, dass das Phrasenschwein nicht zuschlägt, wenn unsere Helden am 15.August in Leipzigs Rote-Brause-Arena in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den Regionalligisten Hallescher FC antreten. Ab der zweiten Pokalrunde allerdings, wenn dann hoffentlich rennomierte Klubs im Stadion An der Alten Försterei aufkreuzen, bin ich sehr dafür, dieser Phrase wieder Leben einzuhauchen. Wir brauchen das Geld! ;)
Unser Stadtrivale aus dem Charlottenburgischen kennt das frühzeitige Ausscheiden im DFB-Pokal ja ebenfalls zur Genüge. Nun hätte man, vorausgesetzt beide Klubs überspringen die Hürden der ersten Hauptrunde (die alte Dame muss  immerhin einen weitaus beschwerlicheren Anfahrtsweg ins oberschwäbische Pfullendorf bewältigen), die Chance, in dieser Saison dreimal gegeneinander ran zu dürfen. Also, Strengt euch an!
Zwei Liga-Derbys sind uns aber gewiss. Für mich sind sowieso nur diese Begegnungen von Teams aus derselben Stadt richtige Derbys. Da mich die von vielen inflationär verwendete Begrifflichkeit nervt (das „Brandenburg-Derby“, das „Ost-Derby“, vielleicht schwafelt Herr Reif demnächst auch vom Deutschland-Derby, wenn zufällig Bayern und Schalke in der Champions-League aufeinandertreffen sollten, und warum war eigentlich Holland gegen Spanien nicht das Europa-Derby???) enge ich die Wortwahl sogar noch weitaus strikter ein, als manche Erklärungen es verlauten lassen.”Regionaler Bezug” ist sowieso sehr subjektiv. Was habe ich zum Beispiel mit Cottbus zu tun, wenn immer wieder vom „Berlin-Brandenburg-Derby“ palavert wird? Entfernung allein zählt sicherlich auch nicht. Fragt mal die Bremer, wenn die an die Elbe müssen.
Neenee, 1860 vs. Bayern, oder auch (immer wieder gern und in diesem Jahr in neuer Auflage) der HSV gegen den FC St. Pauli, das sind die richtigen Derbys. Und nun endlich auch der 1. FC  Union Berlin gegen Hertha BSC. Zwar nicht in der 1. Bundesliga, aber immerhin!
Bereits Mitte September,  am 4. Spieltag,  findet das erste Aufeinandertreffen in Köpenick, im Stadion An der Alten Försterei statt. Ausverkauftes rappelvolles Haus dürfte gewiss sein. Leider werden nur knapp 2.000 der Hertha-Anhänger dieses Spiel live verfolgen können, denn mehr gibt der Gästeblock nicht her. Und es ist zu erwarten, dass nicht allzu viele Tickets in den freien Verkauf gelangen, denn unsere Mitglieder und Dauerkartenbesitzer werden hundertpro ihr Vorkaufsrecht ausnutzen.
Das Rückspiel, dann im winterlichen Olympiastadion, wird für uns nach langer Zeit wieder einmal ein mit der S-Bahn zu erreichendes Auswärtsziel. Vorausgesetzt, die fährt dann auch.
Egal,  wir sind erfinderisch und flexibel! Da zu dieser Jahreszeit bestimmt nur wenige mit dem Fahrrad fahren werden, (insgeheim hatte ich ja auf einen fahrradfreundlicheren Ansetzungstermin gehofft, um dann eine rot-weiße Fahrradkarawane gen Westend zu geleiten) könnte man ja auf Schlitten und Skier umsteigen. Oder mit nem Eisbrecher bis Ruhleben. Und zur Not fährt ja auch die U-Bahn noch.     Â
Auf ein spezielles Derby kann ich in meinem weiteren Dasein getrost verzichten. Davon habe ich in den letzten 35 Jahren auch schon etliche, teils sehr dynamische,  erleben müssen, zuletzt im Mai 2006 in Hohenschönhausen. Ich denke aber, das hat sich inzwischen auch rein sportlich erledigt.Â
Wir freuen uns jedoch auf zwei hochkarätige Zweitligaspiele gegen die Hertha!
Und am 22. August, wenn unsere Zweete in der Oberliga Nordost ihr Heimspiel gegen einen Verein aus dem Nordosten Berlins absolviert, dann sind wir alle da und passen auf, dass unser Wohnzimmer schön sauber bleibt. Auch für Gäste gilt: Bitte vor der Türe Füße abtreten!
Der Duden hat sich mittlerweile dem Mainstream angeschlossen und nennt das, was früher ein Fehler war, heute eine Variante. Das ist die professionelle Form des Mechanismus’, dass etwas umso wahrer erscheint, je öfter es gesagt wird.
Samstag Abend. Eine volle Straßenbahn quält sich von der Warschauer Brücke Richtung Prenzlauer Berg. Das Verhältnis Bierflaschen zu Fahrgästen beträgt nahezu 1:1. Eine junge Frau berichtet begeistert von ihrer Auswärtsfahrt nach Hannover. Sie ist Anhängerin von Hertha BSC und hatte bei diesem Ausflug auch vom Ergebnis her viel Freude. Sie klingt überschwenglich und ihr Enthusiasmus wirkt ansteckend. Ihr Gesprächspartner mag die Hertha auch, war allerdings noch nie bei einem Auswärtsspiel dabei. Er überlegt, ob er das Wagnis angehen sollte.
“Wenn die Hertha dieses Wochenende nicht gewinnt, kann man es in der nächsten Saison zunächst erst einmal mit einer Auswärtsfahrt mit der S-Bahn probieren.” Ein Einwurf, bei dem die Hertha-Freundin argumentativ den Stahlhelm aufsetzt und das Maschinengewehr in Stellung bringt. Die Spiele zwischen Hertha und Union würden doch sowieso im Olympiastadion stattfinden und außerdem sei das Unionstadion nicht sicher. Bis vor einem Jahr hätte der Anhänger des 1. FC Wundervoll an dieser Stelle sich nach einem Notausgang umgeschaut und den geordneten Rückzug angetreten. Aber mittlerweile ist vieles anders. Und so wird der Angriff nicht nur verbal abgewehrt, indem auf die Tauglichkeit des neuen Stadions an der Alten Försterei für den gesamten DFL-Bereich hingewiesen wird. Sondern 2010 ist auch das Jahr, in dem rhetorisch zurückgeschlagen werden kann mit scheinheiligen Frage, in welchem Stadion in dieser Spielzeit ein Platzsturm stattgefunden habe. “Alles eigentlich ganz nette Leute, die da auf den Platz gerannt sind”, murmelt die Herthanerin zum Abschluss des Wortgefechts.
Es war im Zuge der medialen Hysterie um den bei Lichte betrachteten harmlos verlaufenen Platzsturm bei Hertha BSC im Olympiastadion, als die Berliner Morgenpost das vielleicht bevorstehende Derby zwischen Hertha und Union als riskant bezeichnet wissen wollte. Solche Texte fallen wohl bei manchen auf fruchtbaren Boden, die meinen, ein Zweitligaabstieg sei nur ein vorübergehender Betriebsunfall und eine Anspruchshaltung ausstrahlen, dass der Verein per sé in die erste Liga und in den Europapokal gehöre. Das erinnert an Union im Jahr 2004. Damals stieg der Verein unnötig aus der zweiten Liga ab in eine Liga, für die er mental nicht bereit war. Bereits ein Jahr später fand man sich in der vierten Liga wieder.
Wir waren in der letzten Woche auf der re:publica 2010 und haben uns unter anderem eine Veranstaltung angesehen, die mit dem Thema “Deutsches Fussball-Bloggen im Jahr der WM” warb. Dort ging es größtenteils um bestimmte Unsicherheiten, denen sich (nicht nur) Fußballblogger ausgesetzt sehen: Dürfen Vereinslogos zur Berichterstattung verwendet werden? Darf während eines Spiels das Fußballfeld photographiert werden? Wie sieht es mit der Einbettung von Videos aus Youtube aus?
Ein Ansprechpartner war der für “Internet” verantwortliche Vertreter der Presseabteilung von Hertha BSC, Robert Burkhardt. Und dieser sprach, dass eine Verwendung des Logos von Hertha aufgrund des Urheberrechtes im Internet nicht genehmigt werde. Der anwesende Rechtsanwalt Thorsten Feldmann relativierte diese Aussage, indem er darauf hinwies, dass der Schöpfer dieses Logos sicher bereits über 70 Jahre tot sei und das Logo damit gemeinfrei. Eine pauschale Untersagung mit Bezug auf das Urheberrecht muss also nicht gegeben sein. Der zweite Punkt ist der, dass die Verwendung eines Logos im Zuge einer Berichterstattung sicher nicht durch das Urheberrecht untersagt werden kann. Unsere Frage, ob der Kicker für seine Print- oder Onlineausgabe um Erlaubnis für das Abdrucken des Logos gefragt hat, wurde verneint. Gegen die Bild-Zeitung, die als Sinnbild des sportlichen Misserfolgs das Logo zertrümmert darstellt, werde nach Auskunft von Robert Burkhardt ebenfalls nicht vorgegangen. Hier gelten also zwei unterschiedliche Maßstäbe. Um Rechtstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen, helfen uns zwei Dinge: Kommunikation mit den entsprechenden Personen, um Rechte zu klären und eventuell auftretende Streitigkeiten auf dem kurzen Weg ohne Anwalt zu klären. Außerdem Sorgfalt bei der Recherche.
Heute war wieder einmal zu beobachten, dass solche Herangehensweise nur funktioniert, wenn sie beidseitig betrieben wird. Die Axel Springer AG ging per Abmahnung gegen das Bildblog vor. Konkret ging es um einen Fehler in der Berichterstattung über eine Rüge des Presserates gegen “Welt Online”, der vom verantwortlichen Redakteur nach eigenen Aussagen nach ein paar Stunden korrigiert wurde. Trotzdem mahnte die Axel Springer AG ab. Die Abmahnung wurde sowohl an den Redakteur als auch an den Verantwortlichen im Sinne des Telemediengesetzes geschickt. Das erweckt den Anschein, als ob dadurch die Anwaltskosten künstlich erhöht werden sollten. Erhält man eine solche Abmahnung und unterschreibt die beigefügte Unterlassungserklärung, so ist man verpflichtet, der Gegenseite die entstandenen Anwaltskosten zu ersetzen. Die Axel Springer AG macht Auslagen in Höhe von 2407,36 € geltend. Zusätzlich zu den eigenen Anwaltskosten des Bildblogs, versteht sich. Ob man sich, anstatt zu zahlen, auf einen Prozess einlässt, kommt angesichts der Macht des Gegenüber der Wahl zwischen Strick und Pistole gleich. Wie gesagt, es geht um ein Problem, das bereits behoben ist und sich im Zweifelsfalle auch mit einem Telefonanruf schnell erledigt hätte. Einen Reim auf diese Vorgehensweise mag sich jeder selbst machen.
Wir, die wir das Textilvergehen bisher als Hobby betreiben, möchten uns auf diesem Weg bei allen Verantwortlichen im Verein bedanken, die uns an vielen Stellen unterstützen und uns auch ihre Zeit widmen, wenn es nötig ist. Das gleiche betrifft auch die festen und freien Journalisten, die uns bei der Informationsbeschaffung nicht vergessen oder für Gespräche zur Verfügung stehen. Ganz besonderer Dank gebührt dabei Mathias Bunkus vom Berliner Kurier, der als Gast im Podcast mit Analysen und Hintergrundberichten für einen erheblichen Mehrwert sorgt. Und nicht zu vergessen die Photographen rund um Union, die uns sehr oft Bildmaterial zur Nutzung im Blog überlassen. Danke.
Uwe Neuhaus trainiert die erste Mannschaft des 1. FC Wundervoll mittlerweile 1.000 Tage. Aus diesem Anlass hat Mathias Bunkus ein langes und lesenswertes Interview geführt, das dankenswerter in voller Länge auf der Website des Berliner Kuriers nachzulesen ist.
Das Gespräch macht bestimmte Positionen des Trainers zum Beispiel bei der Informationspolitik klarer und erläutert auch die Beweggründe hinter solchen Entscheidungen:
Berliner Kurier: Man sagt Ihnen ja einen gewissen Kontrollwahn nach. Sind Sie zu Hause auch so ein Mensch?
Uwe Neuhaus: Kontrollwahn? Gegenfrage: Was wird denn hier so kontrolliert, dass es wahnsinnig erscheint?
Berliner Kurier: Womit wir ganz geschickt den Bogen weg vom privaten Bereich gekriegt haben … (Gelächter beidseitig) … Respekt!
Uwe Neuhaus: Okay, ne Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage, ich sage einfach, ich habe keinen Kontrollwahn. Ich empfinde es als normal, dass man gewisse Dinge regelt. Wir haben Spielregeln, wie man das auch in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft vorgibt. Der eine ist da ein bisschen lockerer, andere sehen das strenger. Ich glaube schon, dass ich irgendwo in der Mitte liege. Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge, die ich versuche zu kontrollieren, auch kontrolliert werden müssen. Wenn ich Spieler habe wie Mosquera, wie Glinker, die ein bisschen sensibel sind, das hinterlässt schon Spuren wenn auf einmal private Geschichten drin stehen. Oder nehmen wir Benyamina, als die angebliche Geschichte mit der algerischen Nationalelf aufkam. Wenn man dann die Zeiträume nach solchen Veröffentlichungen sieht, da vergehen Wochen bis bei denen wieder Normalform herrscht. Die sind mit ihren Gedanken völlig woanders. Da muss ich versuchen, das zu verhindern, diese Auswüchse zu kontrollieren. Das sind Gefahren, die Journalisten nicht sehen, nicht sehen können, vielleicht sogar sehen aber nicht beachten können, die als Trainer für mich aber schon eine Rolle spielen.
Das Gespräch behandelt Fragen nach der persönlichen Entwicklung des Trainers und seiner Zukunft, geht der Neugestaltung der Mannschaft auf den Grund und kommt am Ende zu einem Punkt, der seit Sonnabend wohl aktueller denn je ist: Dem Verhältnis zu Hertha BSC und einem kommenden Stadtderby.
Berliner Kurier: Sie haben jetzt den Ortsrivalen schon angesprochen. Glauben Sie es würde die Situation in der Stadt beleben, wenn es nächste Saison Derbys gibt? Derzeit deutet ja vieles daraufhin.
Uwe Neuhaus: Man kann das Thema ja schlecht ausklammern. Ich meine, ich wünsche niemandem einen Abstieg. Ich kann und werde da auch gar keine Häme entwickeln. Das ist nicht meine Art. Wenn es einer sportlich nicht geschafft hat, dann muss er halt den bitteren Gang in die Liga drunter gehen. Und ich bin überzeugt, wir haben es ja an den Zahlen gesehen, dass Hertha mit 42, Union mit 12 bis 13 Millionen, uns weit voraus ist. Und trotzdem, rein sportlich gesehen, dieses Derby alleine, diese Vorstellung, das hat ja schon was. Da wären Emotionen drin, das würde die ganze Stadt in Bewegung setzen, vom 2-Jährigen bis zum 98-Jährigen jeden faszinieren. Das wären sicherlich zwei ganz interessante Spiele.







