Tag Archive for 'Dirk Zingler'

Drachen, Boot und Rennen

Vom Müggelturm schweift der Blick über den Langen See hinüber zu Villen und Häusern von Rudervereinen vorbei. Herren, die sich nur der Ausübung des reinen Sports verpflichtet sahen, fuhren auf der Regatta-Strecke in Berlin-Grünau ihre Ruder- und Segelregatten, während die Damen sich herausputzten. Wenn die Union-Supporter vom “Eisernen Virus” zu ihrem Geburtstag zum alljährlichen Drachenbootrennen rufen, steht die Szenerie im krassen Widerspruch zur Gründungszeit der Sportanlage. Dann steht neben dem sportlichen Wettstreit vor allem der Spaß im Zentrum.

Schon beim Betreten der Anlage des 8. Union Drachenboot-Fun-Cups sieht es aus, als ob römische Feldherren ihre Lager aufgeschlagen haben. Fast jedes der 33 Teams hat sein eigenes Zelt am Ufer aufgebaut und wartet auf den Start. Auf der zu den Olympischen Spielen 1936 erbauten Tribüne lümmeln sich Unioner im Schatten, während die Drachenboote in der Sonne ihre drei Vorläufe über 200m fahren. Neben den vielen Fanklubs treten auch die Geschäftsstelle, das Nachwuchsleistungszentrum und die Betriebsgesellschaft des Stadions an. Wie viele Fans haben sich auch Teile der sportlichen Leitung die Nacht auf der Autobahn um die Ohren geschlagen, um am Rennen teilnehmen zu können.

Während das Team der Geschäftsstelle im ersten Rennen das Nachwuchsleistungszentrum noch knapp schlagen kann, verliert das Team im zweiten Lauf den Steuermann, der hinterherschwimmt. Präsident Dirk Zingler erklärt das Ergebnis kurzerhand zum Streichresultat und setzt sich im letzten Lauf selbst an die Trommel um den Takt vorzugeben. Einen solchen Wechsel hat die Stadionbetriebsgesellschaft nicht nötig. Ebenso wie auf der Stadionbaustelle hat Sylvia Weisheit auch hier die Männer im Griff und gibt mit einem Lächeln eisern das Tempo vor. Auf das sportliche Ziel beim Drachenbootrennen angesprochen, äußerte der Pressesprecher der Stadionbetriebsgesellschaft nur: “Das ist eine nichtöffentliche Gesellschaft.”

Die lockere und gelöste Atmosphäre auf dem Gelände mit einer schützenswerten Anzeigetafel erinnert an einen Familienausflug. Der Ehrgeiz der meisten Teams lässt sich an der Anfeuerung einer Trommlerin festmachen, die ihre Mannschaft mit “Los ihr Luschen!” ins Boot treibt. Zur Abkühlung wird einfach ins Wasser gesprungen. Und der Aufsichtsratschef Antonio Hurtado bereitet eine Paella zu. Manchmal wird der Blick in die Seele eines Sportvereins erst abseits vom Wettkampf klar.

Bilder: Stefanie Lamm

Sich vermarkten lassen

Die Einladung zur Pressekonferenz von Präsident Dirk Zingler und geladenen aber nicht näher benannten Gästen hätte auch die Checkliste des Vereins sein können. Auf dem Zettel mit den zu erledigenden Dingen steht: “Der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.” Da der Präsident dem Verkauf von Vermarktungsrechten auf der letzten Mitgliederversammlung eine eindeutige Absage erteilt hatte, blieb nur etwas übrig, was man als Unioner bereits kennt: Bauen.

Groß war die Überraschung, als Dirk Zingler die UFA SPORTS GmbH als exklusiven Vermarktungspartner des 1. FC Wundervoll vorstellte. Der Vertrag wird bis 2020 laufen. Zunächst kamen Erinnerungen hoch an die Vorstellung einer strategischen Partnerschaft mit einer Firma, der der Verein mittlerweile nur noch vor Gericht begegnet. Danach Gedanken an Hertha BSC, der sich für eine Vorauszahlung sämtliche Vermarktungsrechte bis 2018 von Sportfive hat abkaufen lassen.

Die Verbindung zu Hertha bestätigt Robert Müller von Vultejus, Managing Director von UFA Sports, als er kurz die Geschichte der Firma erläutert. Vom ehemaligen Präsidenten von Hertha BSC, Bernd Schiphorst, wurde 1988 die UFA Film und Fernsehen GmbH als hunderprozentige Tochter der Bertlesmann Gruppe gegründet, die seit 1994 im Bereich der Sportrechtevermarktung tätig ist. Erster Verein, der sich der Gesamtvermarktung der UFA hingab, war Hertha. Die Firma konvertierte zu Sportfive und wechselte in den letzten Jahren mehrfach den Besitzer. Müller von Vultejus und Philip Cordes, der ebenfalls auf der Pressekonferenz anwesend war, verließen 2007 mit einigen Mitarbeitern Sportfive und gründeten 2008 mit dem erneuten Gesellschafter Bertelsmann Gruppe die UFA Sports GmbH, die mit mittlerweile 25 Mitarbeitern an vier verschiedenen Standorten aktiv ist.

Präsident Zingler steht weiterhin zu seinem Statement gegen eine Zentralvermarktung und will vielmehr mit der Vermarktungspartnerschaft “die Basis dafür legen, dass wir uns dauerhaft im DFL-Bereich etablieren.” Die Frage, die sich die Vereinsführung gestellt habe, sei gewesen, ob man die Wachstumsziele selbst aus dem Verein heraus schaffen kann oder dafür externe Hilfe in Anspruch nimmt. Seit mehreren Monaten seien Gespräche mit verschiedenen Vermarktern geführt worden. Diese seien nicht immer einfach verlaufen, da der Verein seine eigenen Vorstellungen nicht aufgeben wollte. Die eigenen Vorstellungen sind konkret zu benennen: Kein Gesamtverkauf von Vermarktungsrechten, Unveräußerlichkeit des Stadionnamens oder Einflußnahme auf Gestaltung des Stadionheftes. UFA Sports hat sich, wie das auf Marketingdeutsch heißt, zu diesen Vorstellungen bekannt.

Während der Fragen durch die Pressevertreter ging Präsident Dirk Zingler auch auf die Frage nach dem Neubau der Haupttribüne ein. Er hoffe, dass die Gespräche über die Finanzierung in den nächsten Monaten abgeschlossen werden würden. UFA Sports sei daran nicht beteiligt. Sollte die Finanzierung nicht zustande kommen, werde man sich eventuell mit dem Vermarkter zusammensetzen, um eine andere Finanzierung zu realisieren. Alle diese Aussagen sind zwar Balsam auf der Seele der rot-weißen Anhänger, aber wenig konkret. Und vor allem hilft der Seelenbalsam nicht, den Etat nennenswert zu erhöhen.

Die auf zehn Jahre für alle Ligen und unabhängig vom weiteren Stadionausbau angelegte Vermarktungspartnerschaft wird so aussehen, dass die bisher in der Vermarktung tätigen Mitarbeiter der Geschäftsstelle sowie Mitarbeiter von UFA Sports gemeinsam als Firma für den Verein tätig sein werden. Der Sitz wird im Forsthaus in Köpenick sein. Der Vorteil der kurzen Wege liegt auf der Hand und ist eine interessante Strategie für einen Vermarkter, der passend zum Verein Sponsoren akquirieren möchte. Geld soll entsprechend der Tätigkeit als Dienstleister für den Verein mit Provisionen verdient werden, über deren Höhe sich allerdings ausgeschwiegen wurde. Präsident Dirk Zingler betonte auf Nachfrage, ob bereits Geld geflossen sei: “Es wurden keine Rechte verkauft oder auf zukünftige Erträge Einnahmen generiert.” Wie das Commitment von UFA Sports zum 1. FC Union, welches die beiden Vertreter des Vermarkters betonten, genauer aussieht, blieb im Unklaren. Den Verantwortlichen des Vereins ging es vielmehr darum, den Grund der Partnerschaft als den konkreten Inhalt zu vermitteln. So glaubt Zingler, mit UFA Sports schneller und vor allem überregional wachsen zu können. Schaut man sich im Stadion um und liest sich die einzelnen Werbebanden durch, fällt auf, was die Vereinsverantwortlichen umtreibt, wenn sie sagen, dass sie regional gut verwurzelt sind. Es sind die fehlenden überregionalen Sponsoren. Und genau dort wird UFA Sports wohl auch als erstes ansetzen.

Eine Sicherung vor der Verselbständigung der Vermarktung wurde eingebaut, indem die Vermarktungshoheit weiterhin beim Verein bleiben soll. Das bedeutet, dass die jeweiligen Verträge mit zukünftigen Partnern vom Verein unterzeichnet werden und dieser diese Verträge bzw. die darin aufgeführten Preise und Dienstleistungen auch ablehnen kann. Ob der vom Präsidenten angestrebte Transfer von Know-How von der Vermarktungsfirma in den Verein hinein stattfinden wird, wenn alle mit dem Thema befassten Mitarbeiter nicht mehr beim Verein angestellt sind, wird sich zeigen.

Für die Anhänger wird sich mit Sicherheit bis auf einige Werbebanden zunächst gar nicht soviel ändern. Im Gegensatz zur Präsentation der ISP im letzten Jahr wurde dieses Mal viel Wert darauf gelegt, zu vermitteln, worum es geht und was nicht betroffen sein wird. Außerdem wurde ein Partner gesucht, der durch Seriosität und Erfahrung glänzt. Zwar ist die UFA Sports ein junges Unternehmen, dass gerade einmal 18 Monate existiert, doch haben sie bereits Erfolge vorzuweisen. Eine ähnliche Vermarktungspartnerschaft wie jetzt mit dem 1. FC Wundervoll wurde vorher mit dem FC St. Pauli beschlossen. Dort sitzen ebenfalls die Vermarkter direkt vor Ort. Außerdem vermarktet die Firma bis 2011 die Medien- und Fernsehrechte der deutschen U21, besitzt eine Vermarktungspartnerschaft mit dem Deutschen Basketballbund und vermarktet die slowakische Fußballnationalmannschaft.

Mit der jetzt endgültigen Absage an ein schnelles Wachstum des Vereins durch fremde Mittel wird es sicherlich einfacher werden, die Anhänger des Vereins auf der Gratwanderung zwischen Kommerz und Tradition mitzunehmen. Was die Partnerschaft aber tatsächlich in Zahlen für den Verein bringt, wird man erst später bewerten können.

der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.

Reliquien

Es könnte so einfach sein. Man schnappe sich eine der reflexhaften Pressemitteilungen vom “Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft”, Rainer Wendt, mit denen er die Medien des Landes nach jedem Aufruhr versorgt, und seziere sie. Aber das wäre zu simpel, denn diese “Forderungen” sind durchsichtig und folgen lediglich dem Prinzip “Je unsinniger und plaktiver, desto eher werden sie verbreitet.” Sich an Aussagen der Deutschen Polizeigewerkschaft oder der Gewerkschaft der Polizei abzuarbeiten hieße in dem Kontext, demjenigen Aufmerksamkeit zu schenken, der am lautesten schreit. Das kann man anderen wie dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund überlassen, der über Rainer Wendt sagt: “Wenn ich sehe, dass er sich wie ein Innenminister aufspielt und zu allem seinen Senf dazu gibt, platzt mir der Kragen.”

Interessant wird es, wenn sich Personen mit Bedacht äußern, die Entscheidungen so vorbereiten können, dass sie zur Abstimmung kommen können. Ein Beispiel dafür ist Holger Hieronymus, stellvertretender Geschäftsführer der DFL und für den Spielbetrieb verantwortlich. Und der sagt in einem Interview mit dem ZDF (das gesamte fast zehn Minuten lange Gespräch ist sehr sehenswert) folgendes:

Stadion der Zukunft. Sieht das so aus wie in Amerika? Keine Stehplätze mehr, nur noch Sitzplätze, die ja sowas [Anm. d. Red.: gemeint sind die Vorfälle im Olympiastadion beim Spiele Hertha - Nürnberg] minimieren würden?

Ich glaube, und wenn ich mir die Diskussionen, die noch nie so intensiv geführt worden mit der Fanszene wie 2010, ansehe und wir immer wieder darauf hingewiesen haben, dass für den Fall, dass wir keine deutliche Qualitätsverbesserung im Sinne von weniger Ausschreitungen sehen können, dann wird es irgendwann auch an Reliquien gehen, die es in deutschen Stadien immer noch gibt. Das sind Stehplatzbereiche und zehn Prozent Gästetickets. All diese Dinge haben wir bereits in Frage gestellt in der Diskussion mit den Fans. Ich glaube, wir werden über diese Maßnahmen all along reden müssen. Und ich hoffe nicht, dass wir dann eine Stadionstruktur wie in Amerika oder auch in England haben werden. Allerdings müssen die Maßnahmen, die wir uns überlegen, greifen, um dies zu verhindern.

Die Diskussion mit den Engländern, die ja als erste versucht haben, das Hooligan-Problem in den Griff zu bekommen und dabei relativ erfolgreich waren. Die Zäune sind wieder weg.

Ja, ich denke der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen aus England sieht so aus, dass wir die Maßnahmen die seinerzeit vorgenommen worden sind, nachvollziehen können. Sie haben letztendlich zu einer Form des Erfolges geführt, dass es zumindest innerhalb der Stadien diese Ausschreitungen in der Form nicht mehr möglich sind.

In diesen Zusammenhang muss die Entscheidung des FC St. Pauli und der Hamburger Polizei gesehen werden, lediglich 500 Sitzplatzkarten personalisiert an Rostocker Anhänger zu verkaufen. Natürlich ist dieses Vorgehen ein Dammbruch. Der Berliner Polizeipräsident Glietsch wollte bereits vor zwei Jahren den Anhängern von Dynamo Dresden die Anreise verbieten und nahm für sich auch das Totalverbot von Partien in Anspruch. Die Dresdner Ultras reagierten mit einem größtenteils eingehaltenen Boykott des Spiels.

Sämtliche Anhänger befinden sich angesichts solcher Forderungen in einer Lose-Lose-Situation. Zunächst wird eine große Drohkulisse aufgebaut und mit Maximalforderungen unterlegt. Anschließend wird ein “Kompromiss” gefunden, der vorher von Verein wie Anhängern rundweg abgelehnt worden wäre. So spricht Paulis Präsident Littmann jetzt nach der Einigung mit der Polizei von der “weitestgehend möglichen Wahrung der Fanrechte“. Natürlich passiert bei einer solcherart zu einem Hochsicherheitsspiel hochgejazzten Partie erwartungsgemäß nichts, was anschließend nur mit dem hohen Sicherheitsaufwand begründet wird. Beweisen kann diese Aussage niemand.

Der 1. FC Wundervoll feierte erst gestern mit einer Kinopremiere erneut den Bau seines fast reinen Stehplatzstadions. Das Stadion an der Alten Försterei besitzt neben 2460 Sitzplätzen 16.540 Stehplätze. Eine Grundbedingung für Präsident Dirk Zingler bei der Planung und für die Mitarbeit der Fans an diesem Stadion war der Erhalt der Stehplätze entsprechend den Kriterien für den Spielbetrieb von DFL und DFB. Die Stehplätze sind ein Selbstverständnis für die Fankultur des Vereins. Maßnahmen wie in England aufgrund der Umsetzung von Vorschlägen des Taylor-Reports wären das Ende der Atmosphäre, die man mit Union verbindet.Aus diesem Grunde befindet sich der Verein in einer Findungsphase, wie mit Anhängern umgegangen werden soll, die sich nicht an die Regeln halten. Bewusst wurde auf plakative Maßnahmen verzichtet und die Diskussion in die Vereinsgremien gegeben. Die bald erwarteten Ergebnisse und ihre Wirksamkeit werden für alle von immenser Wichtigkeit werden. Sie werden das Verhältnis von Verein, Fans, Verband und Sicherheitskräften bestimmen.

Holger Hieronymus hat leider nicht ausgeführt, wie er Reliquie meinte: Gegenstand religiöser Verehrung oder Überbleibsel…

Weiterbauen

Es ist so ruhig rund um das Stadion an der Alten Försterei. Hier und da wird ein bißchen gewerkelt. Der Rasen wird umsorgt. Brötchen gereicht. Fragen gestellt. Und die Spieler trainieren. Beschaulicher Alltag eines Zweitligavereins.

Am Mittwoch ereignete sich im Forsthaus allerdings folgendes: MK Medien Beteiligungsgesellschaft mbH (Michael Kölmel) verlängerte das zum 30. Juni dieses Jahres fällig werdende Darlehen um 15 Jahre. Bei diesem Darlehen geht es um fünf Millionen von insgesamt 15 Millionen Euro, die Kölmel Union geliehen hat, um wieder auf die Beine zu kommen. In der jetzigen Verlängerung wurden erfolgsabhängige Tilgungsziele vereinbart. Interessant ist, dass die MK Medien Beteiligungsgesellschaft das Darlehen ohne zusätzliche Zinsen verlängert hat. Das ist ungewöhnlich und sicherlich nicht nur aus Nächstenliebe geschehen. Die Verlängerung des Darlehens an sich war zu erwarten, da Kölmel ansonsten wie in Jena oder Leipzig seinem Geld hätte hinterschauen können. Aber wieso auf eine Verzinsung verzichten?

Auf der Mitgliederversammlung wurde der Stadionbau als identitätsstiftend und zukunftsweisend für den Verein gefeiert. Zusätzlich sorgte die auf den ersten Blick sehr positive Bilanz für gute Stimmung. Aber zur Zukunftsfähigkeit des Vereins gehört die Frage nach dem Schuldenabbau und dem weiteren Ausbau des Stadions dazu. Zehn Millionen Euro des Darlehens von Kölmel sind mit Rangrücktritt verbunden, werden also erst fällig, wenn Gewinn erwirtschaftet wird. Ob zwischendurch dafür weitere Zinsen anfallen, ist nicht bekannt. Durch diese Vereinbarung hat sich der Verein Luft verschafft. Spielraum für Investitionen im sportlichen Bereich, wie es zum Beispiel die Berliner Morgenpost sieht, sind nicht vorhanden. Es gab ja kein Geld geschenkt, sondern es muss nur später zurückgezahlt werden. Und die Vorstellung, Union hätte fünf Millionen Euro bereits zur Rückzahlung geparkt und könne sie jetzt anderweitig verwenden, ist schlichtweg naiv.

Präsident Dirk Zingler sprach auf der Mitgliederversammlung vom Bau der neuen Haupttribüne inklusive Funktionsgebäude. Baubeginn soll 2010 sein. Vor der Mitgliederversammlung gab es die Spekulation, Kölmel könnte sich von seinem Darlehen verabschieden und dafür in die Stadionbetreibergesellschaft einkaufen, wie es eigentlich mit der ISP vorgesehen war. Und damit ließe sich die Haupttribüne finanzieren. Dem erteilte Zingler eine klare Absage. Grundtenor: Die Gewinne sollen dem Verein zufließen. Daher sollte eine separate Vereinbarung mit Kölmel zum Darlehen erreicht werden und ein Investorenpool, dem sich Kölmel anschließen könne, den Neubau der Haupttribüne finanzieren. Auf der präsidialen To-Do Liste steht jetzt hinter Darlehen: ✔. Wenn sich hinter “Investorenpool finden” ein ebensolches Häkchen findet, können die Bagger wieder rollen.

Wie es geht

„Das Mittel der Repression, des Stadionverbots, ist für uns kein Mittel zur Lösung von Problemen, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind. Wir sind davon überzeugt, dass unser Weg der Kommunikation der richtige ist, denn nur er schafft Verständnis für die Belange der Fans und des Vereins. Nur wer erkennen kann, welchen Schaden er mit seinem Verhalten anrichtet, wird zu der Einsicht gelangen, dass er sein Verhalten ändern muss. Das Stadionverbot ist aber der letzte Schritt, wenn wir unmittelbar Schaden vom Verein abwenden müssen. Genau dann müssen und werden wir ihn auch gehen. Keine der Maßnahmen alleine ist geeignet, die Probleme, die in letzten Wochen aufgetreten sind, zu lösen. Beides zusammen – Kommunikation wenn möglich, Repression wenn nötig – ist in unseren Augen der richtige Weg.“

Präsident Dirk Zingler als Reaktion auf die Vorkommnisse der letzten Zeit.

Spannend wird sicherlich sein, zu sehen, was konkret passiert und wie die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden. Interessant wird auch die Wahrnehmung durch die unterschiedlichen Fangruppen sein, die sich bereits intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Auf jeden Fall ist es ein Prozess, der die Identität der Fans des 1. FC Wundervoll prägen wird.

Warme Gedanken

Die Kälte und der für den Monat Dezember völlig untypische Schnee haben Berlin im Griff. Trotzdem mehr als 15.000 Zuschauer im Stadion. Die singen und tanzen die Kälte weg. Zumindest die Gedanken daran. In einer unbeheizten S-Bahn geht das nicht. Dafür gab Präsident Dirk Zingler dem Tagesspiegel ein (mal wieder) bemerkenswertes Interview und wärmte damit dem geneigten Unioner das Herz. Schon allein die Antwort auf die zu erwartende Olympiastadionfrage hat bei mir einen festen Platz unter dem Weihnachtsbaum gebucht.

Sie könnten Ihre wirtschaftliche Lage verbessern, wenn Sie nächstes Jahr Ihre Heimspiele gegen Hertha in der Zweiten Liga im Olympiastadion austragen.

Mir fällt nichts ein, was uns ins Olympiastadion bringen könnte, außer das DFB-Pokalendspiel.

Baustellen aufmachen, die keine sind

Auf der Mitgliederversammlung verkündete Präsident Dirk Zingler nicht nur erfreuliche Dinge, wie den positiven Bilanzabschluss mit über 400.000 € Gewinn. Er kündigte auch eine Verstärkung der Mannschaft an. Dies solle bereits im Winter geschehen mit Blick nicht nur auf die Rückrunde sondern auch die nächste Saison.
Nun wird der Trainer von der B.Z. wie folgt zitiert:

Neuhaus: „Wir haben eine Menge Gegentore kassiert, da muss man hinten schon überlegen.“ Gesucht werden laut Neuhaus „ein bis zwei Innenverteidiger und ein Torwart“.

Auch die Bild schreibt von Neuhaus ähnliches:

„Nach so vielen Gegentoren muss man sich Gedanken machen.“ [...] „Wir wollen Bundesligaspieler holen, die bezahlbar sind.“

Zwei verschiedene Reporter bringen das gleiche Thema. Und von Uwe Neuhaus wird man nicht behaupten können, dass ihm vor der Presse etwas herausrutscht, was er nicht sagen wollte. Er wird es also bewusst ausgesprochen haben. Nur was will uns der Trainer damit sagen?

Michael Kranz zieht auf seinem Blog “Union-Spion” bei der BZ jedenfalls folgende Schlüsse:

  • Union will die 1. Bundesliga angreifen
  • Glinker verliert seinen Status der Unantastbarkeit und könnte sich bald auf der Bank wiederfinden
  • Neuhaus möchte Druck auf seine Spieler aufbauen

Nichts dagegen, eine sich bietende Chance zu nutzen, aber wie kann ein Verein, der sich gerade strukturell wieder auf den Profifußball einstellt, auch nur ansatzweise mit einem Aufstieg liebäugeln. Das macht auch das Präsidium nicht. Am Saisonziel “Klassenerhalt” wurde nicht gerüttelt. Spricht man über dieses Wort “Durchmarsch”, kommt einem doch schnell das Stichwort Ulm in den Sinn. Der Prototyp eines Vereins, der schnell nach oben kommt und, weil er nicht organisch gewachsen ist, ebenso schnell wieder nach unten rauscht.

Union hat momentan einen Etat von etwas mehr als 11 Millionen Euro. Ganz oben in der 2. Liga tummeln sich Verein mit 21 Millionen Euro Jahresetat. Und so schön es ist, dass der 1. FC Wundervoll mit dem viertniedrigsten Etat sich momentan auf dem viertbesten Platz befindet, so unrealistisch ist es, dass man bestimmte Entwicklungen einfach überspringen könnte. So sprach Präsident Zingler auch während seines Vortrags auf der Mitgliederversammlung davon, dass der Gesamtetat ständig weiter erhöht werden müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zur Antastbarkeit von Jan Glinker. Es gibt derzeit keinen ernsthaften Konkurrenten auf der Torhüterposition bei Union, der einen gesunden Jan Glinker verdrängen könnte. Daran gibt es nichts zu deuteln. Der nominell zweite Torhüter Carsten Busch spielt in der zweiten Mannschaft und ist bereits 29 Jahre alt. Überzeugt hat dieser bei seinen Einsätzen bisher nicht. Christoph Haker als Nummer drei ist gerade 18 Jahre alt und vielleicht zu jung als Nummer zwei. Aber wieso eigentlich nicht? Wozu jemanden als Ersatz verpflichten, wenn es auf der Position nicht brennt. Und das im Winter, wo Spieler unnötig teuer sind. Das vermag auch Michael Kranz in seinem heutigen Artikel “Darum sucht Union einen neuen Keeper” nicht erklären. Seine Argumente sprechen nicht für ein Torhüterproblem. Nicht einmal im entferntesten.

Den Druck auf die Mannschaft erhöhen. Das mag vielleicht sein. Aber wozu über die Medien? In einem Umfeld, wo sich der Verein so bemüht, seine Spieler von den Medien abzuschirmen, um deren Konzentration hochzuhalten.

Der Blick auf die wirtschaftliche Situation von Union ist ein positiver Ausblick in die Zukunft. Mehr noch nicht. Aber das ist eine enorme Leistung, wenn man sich die vergangenen Jahre vor Augen hält. Große Sprünge auf dem Transfermarkt sind damit trotzdem nicht zu machen. Schon gar nicht drei Spieler im Winter auf Positionen, wo es nicht brennt. Vielleicht hat die sportliche Leitung bereits einen Spieler nicht nur im Blick sondern bereits an der Angel, der bereits im Winter verfügbar sein könnte. Das wäre eine einfache Erklärung. Und alles andere nur eine Nebelbombe.

Eiserner Vorhang

Was bedeutet eigentlich eine Medienpartnerschaft? Wohlmeinende Berichterstattung? Verlosung von Eintrittskarten? Oder exklusive Informationen? So ganz klar ist das nicht. Der neue Medienpartner des 1. FC Wundervoll ist seit dieser Saison die BZ. Sie löst damit den Berliner Kurier mit seinem größtenteils Ostberliner Publikum ab. Strategisch nicht unclever, da die BZ das Westberliner Publikum bedient, das es für Union zu begeistern gilt.

Aber wozu überhaupt eine Medienpartnerschaft? Schon eine Weile beschweren sich die Journalisten, die mit Union zu tun haben, über die Arbeitsbedingungen. Selten so offen, wie es Matze Koch (als freier Journalist u.a. für Bild, Fußballwoche, Kicker) oder Mathias Bunkus (Berliner Kurier) getan haben. Es ist von Vereinsseite her der Versuch, die Hoheit über den Informationsfluss zu behalten. Andere würden von der Erlangung oder der Ausübung der Kommunikationsherrschaft sprechen. Um die Mannschaft herum wird eine Wagenburgmentalität aufgebaut, die so gar nicht dem sympathischen Bild eines Vereins von Fans, das man den Sommer über vermittelt hat, entspricht. Die Spieler werden an der kurzen Leine gehalten. Anrufe bei Spielern führen dazu, dass entweder nicht zurückgerufen wird oder vom Spieler die Frage kommt, ob das Gespräch denn beim Verein angemeldet sei. Und wenn sich eine Zeitung erdreistet, ungenehmigt einen Spieler zu befragen, werden daran unbeteiligte freie Journalisten angerufen und dazu befragt. Nur, weil sie auch dieser Zeitung Texte anbieten.

Die Presse als Feind. Wir vom Verein. Die da draußen von der Presse. Im Moment des Erfolges mag das funktionieren. Aber schon jetzt kann man darauf warten, dass es krachen wird, wenn es denn mal nicht läuft. Für die zweite Liga mit ihrer Dauerbeobachtung durch überregionale Medien und Fernsehen ist das eine lächerliche Strategie. Auch und gerade in einer Stadt, die sechs Tageszeitungen und eine eigene wöchentliche Fußballzeitung kennt. Unsere professionellen Strukturen scheinen noch nicht in der Medienwelt der Bundesliga angekommen zu sein. Sie benötigen die Partnerschaft aller Medien und nicht die eines einzigen Mediums.

Zur ganzen Problematik passt hervorragend ins Bild, dass ein exklusives Verlautbarungsinterview über noch ausstehende Forderungen an die ISP dem neuen Medienpartner BZ gegeben wurde.