Später Nachmittag. Die U7 macht auf ihrer langen Reise von Spandau nach Rudow Halt am Fehrbelliner Platz. Monoton quält sich eine Stimme durch den Waggon: “Entschuldigen Sie die kurze Störung. Ich bin seit… Sie brauchen gar nicht so zu schauen. Mir macht das auch keinen Spaß. …wohnungslos und bitte um eine kleine Spende.” Die Fahrgäste wissen vor Hitze nicht, wohin mit sich. Gedanklich ist keiner mehr in der U-Bahn, sondern bereits im Urlaub. “Ach, ich habe da auch keinen Bock drauf!” sagt der um Almosen bettelnde Obdachlose und verlässt fluchend die Bahn. Das Warnsignal heult auf, die Türen schließen sich. Der Zug setzt sich und die Menschen in Bewegung.
Ein Kind schaut aus dem Fenster in den dunklen Schacht der U-Bahn. Ein anderes schreit. Regungslos daneben die Mutter. Bis ihr der Geduldsfaden reißt und sie das Kind im Kinderwagen festzurrt. Ziellos schwirren die Gedanken umher. Der Blick schweift. Nur nicht das Gegenüber ansehen. Wer sitzt, schaut nach oben in die, Berliner Fenster genannten, Monitore. Für echte Nachrichten ist kein Platz in diesen Meldungen, die selten mehr als zwei Sätze lang sind. Und doch lässt eine Überschrift kurz stutzen: “Neuhaus fordert mehr Tore von Savran”.

Die Bahn hält wieder. Zeit, frische Luft und Gedanken hineinzulassen. Die Auflösung kommt in einer kurzen Meldung. Savran hat am Sonnabend sein erstes Testspiel für den 1. FC Wundervoll gemacht und dabei kein Tor geschossen. Ganz im Gegenteil: Er hat zwei großartige Chancen liegenlassen. Schade für ihn. Aber das ist noch kein Drama. Also alles im grünen Bereich. Die Fahrt kann weitergehen. Eine Schlagzeile, gratis für das Berliner Fenster am Sonntag: “Savran noch immer ohne Pflichtspieltor”.
Was bedeutet eigentlich eine Medienpartnerschaft? Wohlmeinende Berichterstattung? Verlosung von Eintrittskarten? Oder exklusive Informationen? So ganz klar ist das nicht. Der neue Medienpartner des 1. FC Wundervoll ist seit dieser Saison die BZ. Sie löst damit den Berliner Kurier mit seinem größtenteils Ostberliner Publikum ab. Strategisch nicht unclever, da die BZ das Westberliner Publikum bedient, das es für Union zu begeistern gilt.
Aber wozu überhaupt eine Medienpartnerschaft? Schon eine Weile beschweren sich die Journalisten, die mit Union zu tun haben, über die Arbeitsbedingungen. Selten so offen, wie es Matze Koch (als freier Journalist u.a. für Bild, Fußballwoche, Kicker) oder Mathias Bunkus (Berliner Kurier) getan haben. Es ist von Vereinsseite her der Versuch, die Hoheit über den Informationsfluss zu behalten. Andere würden von der Erlangung oder der Ausübung der Kommunikationsherrschaft sprechen. Um die Mannschaft herum wird eine Wagenburgmentalität aufgebaut, die so gar nicht dem sympathischen Bild eines Vereins von Fans, das man den Sommer über vermittelt hat, entspricht. Die Spieler werden an der kurzen Leine gehalten. Anrufe bei Spielern führen dazu, dass entweder nicht zurückgerufen wird oder vom Spieler die Frage kommt, ob das Gespräch denn beim Verein angemeldet sei. Und wenn sich eine Zeitung erdreistet, ungenehmigt einen Spieler zu befragen, werden daran unbeteiligte freie Journalisten angerufen und dazu befragt. Nur, weil sie auch dieser Zeitung Texte anbieten.
Die Presse als Feind. Wir vom Verein. Die da draußen von der Presse. Im Moment des Erfolges mag das funktionieren. Aber schon jetzt kann man darauf warten, dass es krachen wird, wenn es denn mal nicht läuft. Für die zweite Liga mit ihrer Dauerbeobachtung durch überregionale Medien und Fernsehen ist das eine lächerliche Strategie. Auch und gerade in einer Stadt, die sechs Tageszeitungen und eine eigene wöchentliche Fußballzeitung kennt. Unsere professionellen Strukturen scheinen noch nicht in der Medienwelt der Bundesliga angekommen zu sein. Sie benötigen die Partnerschaft aller Medien und nicht die eines einzigen Mediums.
Zur ganzen Problematik passt hervorragend ins Bild, dass ein exklusives Verlautbarungsinterview über noch ausstehende Forderungen an die ISP dem neuen Medienpartner BZ gegeben wurde.