Tag Archive for '1. FC Union Berlin'Page 2 of 10

Schlusspunkt.

München war wunderbar. Ein Teil der ungefähr 3000 mitgereisten Unioner vergnügte sich in Erding beim ehemaligen Mannschaftskapitän Sebastian Bönig auf dem Treffen der Exil-Unioner. Das Treffen war ein kurzes Thema im Podcast, wobei es da vor allem um das Verständnis von zu Hause und Heimatgefühl geht. Viel mehr Zeit wird dem Spiel gewidmet, das gar nicht wunderbar war, und der Frage, ob Trainer Uwe Neuhaus doch dem einen oder anderen Spieler die Chance auf einen Abschied geben wollte.
Außerdem wurde der TSV 1860 betrachtet und die Wirkung, die der Verein im Stadion in Fröttmaning hinterlässt. Eine Art negatives Beispiel für Union.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Podcast in iTunes abonnieren

Podcast als RSS-Feed abonnieren

Download als MP3

Auf Atmosphäre aus dem Stadion im Podcast wurde dieses Mal verzichtet. Als Beispiel, was bei 1860 darunter verstanden wird, kann der Jubel um das 1:0 gelten. Die jubelnden Zuschauer werden unter einem Klangteppich gekehrt.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Und es wird zur schönen Gewohnheit, dass auch hier wieder ein Freud’scher Versprecher versteckt ist. Wer ihn findet, bekommt ein Getränk ausgegeben. Der erste Kommentar gewinnt.

Im Podcast sind jeweils kurze Audiosequenzen des Berichtes von AFTV über das Fantreffen in Erding enthalten. Darunter ein Ausschnitt des Interviews von Christian Arbeit mit Sebastian Bönig.

Gastfreundlichkeit

Das letzte Spiel des Jahres führt den 1. FC Wundervoll in ein Stadion, dass noch nie einen richtigen Namen besaß und auch nie Stadion genannt wurde. Wie bei einigen anderen Spielstätten, die nicht mehr Stadion sondern Arena heißen wollen, hat sich auch die Betreibergesellschaft in München für ein Kartensystem zur Bezahlung entschieden: Die Arena-Card. Der Vorteil für den Betreiber liegt auf der Hand. Die gesamte Abrechnung muss nicht mehr mit Bargeld durchgeführt werden, sondern kann durch elektronische Kassensysteme erfolgen. Ein Vorteil für den Besucher ist nicht zu erkennen. Für den Gästeanhänger erst recht nicht. Der darf sich vorher die Karte holen und muss es nach dem Spiel so organisieren, dass er die Karte wieder zurückgeben kann.

Um die Gästefans allerdings nicht allzusehr gegen sich und sein Kartensystem aufzubringen hat der Betreiber folgenden Hinweis veröffentlicht:

Hinweis für Gästefans: Speisen und Getränke dürfen im Gästesektor nicht in den Block mitgenommen werden.

Das erinnert an die sowjetische Variante des Verkaufs von Kwas oder Bier aus Kübeln auf Rädern. Damals hing am Kübel ein Becher, aus dem jeder das Getränk in einem Zug leerte. Der Becher wurde ausgewischt und danach war der nächste dran.

Bild: hanszinli

Zusätzlich kam als Information vom gastgebenden Verein, dem TSV 1860 München, noch folgende Verbotsliste:

Folgende Fanutensilien sind in der Allianz ARENA nicht erlaubt:
• Große Schwenkfahnen (auch nicht mit Fahnenpass) über 150 cm
• Doppelhalter, Megaphone
• Blockfahnen
• Rucksäcke, Obst
(Rucksäcke können am Gäste-Eingang abgegeben werden, sind während des Spiels beaufsichtigt und können nach Spielende wieder abgeholt werden.)

Es ist nicht davon auszugehen, dass kein Obst mitgebracht werden darf, damit im Stadion Obstsalatbecher verkauft werden können. Zynisch könnte von einer Lex Oliver Kahn gesprochen werden. Was auch immer der Hintergrund ist: Gastfreundschaft sieht in jedem Fall anders aus.

Alle meine Söhne sollen Björn heißen

Der Podcast zum Spiel gegen Bielefeld beschäftigt sich natürlich mit Björn Brunnemann. Schließlich war beim zweiten Treffer auf der Tribüne zu hören “Alle meine Söhne sollen Björn heißen”. Wir gehen die Checkliste von Trainer Neuhaus durch und spekulieren wer kommen, bleiben oder gehen könnte. Aufgegriffen wird anhand des Beispieles von Christoph Menz die stets wiederkehrende Frage, ob man als Allrounder nicht benachteiligt ist gegenüber Spielern, die sich spezialisiert haben. Zuletzt kommt noch einmal die Bootsfahrt zum Stadion und ihr Grund zur Sprache.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Podcast in iTunes abonnieren

Podcast als RSS-Feed abonnieren

Download als MP3

Plappern gehört zum Handwerk

Der Duden hat sich mittlerweile dem Mainstream angeschlossen und nennt das, was früher ein Fehler war, heute eine Variante. Das ist die professionelle Form des Mechanismus’, dass etwas umso wahrer erscheint, je öfter es gesagt wird.

Samstag Abend. Eine volle Straßenbahn quält sich von der Warschauer Brücke Richtung Prenzlauer Berg. Das Verhältnis Bierflaschen zu Fahrgästen beträgt nahezu 1:1. Eine junge Frau berichtet begeistert von ihrer Auswärtsfahrt nach Hannover. Sie ist Anhängerin von Hertha BSC und hatte bei diesem Ausflug auch vom Ergebnis her viel Freude. Sie klingt überschwenglich und ihr Enthusiasmus wirkt ansteckend. Ihr Gesprächspartner mag die Hertha auch, war allerdings noch nie bei einem Auswärtsspiel dabei. Er überlegt, ob er das Wagnis angehen sollte.

“Wenn die Hertha dieses Wochenende nicht gewinnt, kann man es in der nächsten Saison zunächst erst einmal mit einer Auswärtsfahrt mit der S-Bahn probieren.” Ein Einwurf, bei dem die Hertha-Freundin argumentativ den Stahlhelm aufsetzt und das Maschinengewehr in Stellung bringt. Die Spiele zwischen Hertha und Union würden doch sowieso im Olympiastadion stattfinden und außerdem sei das Unionstadion nicht sicher. Bis vor einem Jahr hätte der Anhänger des 1. FC Wundervoll an dieser Stelle sich nach einem Notausgang umgeschaut und den geordneten Rückzug angetreten. Aber mittlerweile ist vieles anders. Und so wird der Angriff nicht nur verbal abgewehrt, indem auf die Tauglichkeit des neuen Stadions an der Alten Försterei für den gesamten DFL-Bereich hingewiesen wird. Sondern 2010 ist auch das Jahr, in dem rhetorisch zurückgeschlagen werden kann mit scheinheiligen Frage, in welchem Stadion in dieser Spielzeit ein Platzsturm stattgefunden habe. “Alles eigentlich ganz nette Leute, die da auf den Platz gerannt sind”, murmelt die Herthanerin zum Abschluss des Wortgefechts.

Es war im Zuge der medialen Hysterie um den bei Lichte betrachteten harmlos verlaufenen Platzsturm bei Hertha BSC im Olympiastadion, als die Berliner Morgenpost das vielleicht bevorstehende Derby zwischen Hertha und Union als riskant bezeichnet wissen wollte. Solche Texte fallen wohl bei manchen auf fruchtbaren Boden, die meinen, ein Zweitligaabstieg sei nur ein vorübergehender Betriebsunfall und eine Anspruchshaltung ausstrahlen, dass der Verein per sé in die erste Liga und in den Europapokal gehöre. Das erinnert an Union im Jahr 2004. Damals stieg der Verein unnötig aus der zweiten Liga ab in eine Liga, für die er mental nicht bereit war. Bereits ein Jahr später fand man sich in der vierten Liga wieder.

Weiterbildung

Wir waren in der letzten Woche auf der re:publica 2010 und haben uns unter anderem eine Veranstaltung angesehen, die mit dem Thema “Deutsches Fussball-Bloggen im Jahr der WM” warb. Dort ging es größtenteils um bestimmte Unsicherheiten, denen sich (nicht nur) Fußballblogger ausgesetzt sehen: Dürfen Vereinslogos zur Berichterstattung verwendet werden? Darf während eines Spiels das Fußballfeld photographiert werden? Wie sieht es mit der Einbettung von Videos aus Youtube aus?

Ein Ansprechpartner war der für “Internet” verantwortliche Vertreter der Presseabteilung von Hertha BSC, Robert Burkhardt. Und dieser sprach, dass eine Verwendung des Logos von Hertha aufgrund des Urheberrechtes im Internet nicht genehmigt werde. Der anwesende Rechtsanwalt Thorsten Feldmann relativierte diese Aussage, indem er darauf hinwies, dass der Schöpfer dieses Logos sicher bereits über 70 Jahre tot sei und das Logo damit gemeinfrei. Eine pauschale Untersagung mit Bezug auf das Urheberrecht muss also nicht gegeben sein. Der zweite Punkt ist der, dass die Verwendung eines Logos im Zuge einer Berichterstattung sicher nicht durch das Urheberrecht untersagt werden kann. Unsere Frage, ob der Kicker für seine Print- oder Onlineausgabe um Erlaubnis für das Abdrucken des Logos gefragt hat, wurde verneint. Gegen die Bild-Zeitung, die als Sinnbild des sportlichen Misserfolgs das Logo zertrümmert darstellt, werde nach Auskunft von Robert Burkhardt ebenfalls nicht vorgegangen. Hier gelten also zwei unterschiedliche Maßstäbe. Um Rechtstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen, helfen uns zwei Dinge: Kommunikation mit den entsprechenden Personen, um Rechte zu klären und eventuell auftretende Streitigkeiten auf dem kurzen Weg ohne Anwalt zu klären. Außerdem Sorgfalt bei der Recherche.

Heute war wieder einmal zu beobachten, dass solche Herangehensweise nur funktioniert, wenn sie beidseitig betrieben wird. Die Axel Springer AG ging per Abmahnung gegen das Bildblog vor. Konkret ging es um einen Fehler in der Berichterstattung über eine Rüge des Presserates gegen “Welt Online”, der vom verantwortlichen Redakteur nach eigenen Aussagen nach ein paar Stunden korrigiert wurde. Trotzdem mahnte die Axel Springer AG ab. Die Abmahnung wurde sowohl an den Redakteur als auch an den Verantwortlichen im Sinne des Telemediengesetzes geschickt. Das erweckt den Anschein, als ob dadurch die Anwaltskosten künstlich erhöht werden sollten. Erhält man eine solche Abmahnung und unterschreibt die beigefügte Unterlassungserklärung, so ist man verpflichtet, der Gegenseite die  entstandenen Anwaltskosten zu ersetzen. Die Axel Springer AG macht Auslagen in Höhe von 2407,36 € geltend. Zusätzlich zu den eigenen Anwaltskosten des Bildblogs, versteht sich. Ob man sich, anstatt zu zahlen, auf einen Prozess einlässt, kommt angesichts der Macht des Gegenüber der Wahl zwischen Strick und Pistole gleich. Wie gesagt, es geht um ein Problem, das bereits behoben ist und sich im Zweifelsfalle auch mit einem Telefonanruf schnell erledigt hätte. Einen Reim auf diese Vorgehensweise mag sich jeder selbst machen.

Wir, die wir das Textilvergehen bisher als Hobby betreiben, möchten uns auf diesem Weg bei allen Verantwortlichen im Verein bedanken, die uns an vielen Stellen unterstützen und uns auch ihre Zeit widmen, wenn es nötig ist. Das gleiche betrifft auch die festen und freien Journalisten, die uns bei der Informationsbeschaffung nicht vergessen oder für Gespräche zur Verfügung stehen. Ganz besonderer Dank gebührt dabei Mathias Bunkus vom Berliner Kurier, der als Gast im Podcast mit Analysen  und Hintergrundberichten für einen erheblichen Mehrwert sorgt. Und nicht zu vergessen die Photographen rund um Union, die uns sehr oft Bildmaterial zur Nutzung im Blog überlassen. Danke.

Mit dem Kosmos im Einklang

Und plötzlich ist alles prima. Lange gab es nicht mehr solche Gefühle nach einem Spiel. Drei Punkte. Blauer Himmel und nur ein paar kleine rosa Wölkchen am Firnament. Diese Wölkchen streiten sich, ob Mattuschkas Freistoß das Tor des Monats war. Wie es zu solch vielen Ballverlusten beider Mannschaften kam. Warum ein Torwart, der am Ball vorbeifliegt, einen Freistoß bekommt, und ob es für Benyamina schwieriger war, den Ball im Tor unterzubringen oder den aus dem Abseits startenden Mosquera von einer Ballannahme abzuhalten. Probleme? Wir doch nicht!

Im Podcast ist übrigens ein Freud’scher Versprecher harmloser Natur enthalten. Wer ihn zuerst findet, bekommt gegen Bielefeld ein Bier ausgegeben. Einfach in den Kommentar schreiben.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Podcast in iTunes abonnieren

Podcast als RSS-Feed abonnieren

Download als MP3

Wie es sein sollte.

Fanfreundschaften sind die Freundschaftsbänder von Wolfgang Petry in den Fußballstadien des Landes. Gerne garniert mit pathetischen Sprüchen wie “In Treue vereint”. So kommt es, dass sich Anhänger von Hertha zu den Fans des Karlsruher Sportclubs in den Gästeblock stellen. Nicht aus lokalem Interesse und der Prüfung der S-Bahnverbindung für die (wahrscheinliche) Anreise in der nächsten Spielzeit, sondern aus Fanfreundschaft.

Mit Fanfreundschaft kann man das Punktspiel zwischen dem 1. FC Wundervoll und dem magischen FC am Sonnabend aber nicht erklären. Auch der mediale Wettbewerb, den die Fußballwoche bereits am Montag der letzten Woche ausrief, indem sie Florian Bruns fragte, welche Verein kultiger sei, bringt kaum Erkenntnis darüber, was das Besondere an dieser Begegnung ist. Ausgerechnet Sky hatte in seiner Übertragung aber einen Erklärungsansatz gebracht. Sie betonten das Aufeinandertreffer zweier Vereine, die sich trotz Kommerzialisierung ihre Identität zu bewahren suchen. Und: Respekt. So sprach der Kommentator des Fanradios von St. Pauli kurz vor Spielbeginn, dass man über Union durchaus diskutieren könne. Zur Atmosphäre im Stadion und dem Engagement der Anhänger beim Stadionbau könne man aber nur sagen: Respekt!

Zum Respekt gehört immer auch das Kennenlernen und Verstehen des anderen und damit das Aufbrechen der wagenburgartigen Wir-Identität, hinter der sich gerne verschanzt wird. Parolen wie “Euer Hass ist unser Stolz” oder “Keiner mag uns – Scheißegal” illustrieren solch ein Verhalten. Reflexartig würde zum Beispiel das Vorspielgrillen am Freitag Abend mit Anhängern von St. Pauli, dem HSV, Babelsberg 03, FC Bayern und eben Union zum Risikogrillen erklärt werden. Aber es wurde ein Kennenlernen, das sich jenseits der transportierten unverrückbaren Grenzen bewegte. In Bildsprache übersetzt: Hamburger tranken Berliner Pilsner und Berliner Astra.

Der Sonnabend begann früh. Sehr früh. Bereits kurz vor neun Uhr sammelten sich reisewillige Anhänger der beiden Vereine gemeinsam am Anleger von Eddyline am Berliner Dom. Wer bis dato noch kein Gefühl dafür hatte, wie es bei der Verteilung der Dauerkartenanträge durch die Ultras St. Pauli dieses Jahr zuging, bekam beim Einstieg auf das Flaggschiff “Viktoria” eine Demonstration davon. Ab da regierte die Glückseligkeit. Entweder, weil man das erste Frühstück mit Bier und Wiener Würstchen einnahm und bis zum Kanzleramt schipperte, oder weil es die Möglichkeit gab, sich in Wechselgesängen mit den anderen Booten einzusingen. Das Herz von St. Pauli und Eisern Union.

Die Berliner Zeitung brachte die Polizeipräsenz rund um das Stadion auf den Punkt:

Das Szenario passte zu diesem Tag, an dem die Einstufung als Risikospiel durch die Deutsche Fußball Liga und die massive Polizeipräsenz wie Verschwendung von Steuergeld wirkte. Warum müssen Fans derart bewacht werden, die sich mögen? Ach, hätten die Herren in Grün besser den Verkehrsabfluss geregelt, der chaotisch verlief, weil die Infrastruktur um das Stadion keine Spiele mit 19 000 Fans verträgt. So endete die Party im Stau.

Im Stadion: Anfeuerung der eigenen Mannschaft. Choreographien für das eigene Team von den Rängen. Kampf um die Punkte auf dem Platz ohne Nickeligkeiten und ausgiebiges Wälzen auf dem Rasen. Ein Stadionsprecher, der wie immer sein Herz sprechen lässt, als er erst die obligatorische Begleitung der Auswärtsfans durch die Polizei zum am weitesten entfernt liegenden S-Bahnhof samt 15minütiger Wartezeit im Gästeblock ankündigt, um dann hinzuzufügen: “Wer will, darf aber auch alleine nach Hause gehen.” Dem Gegner wurde mit Applaus nach dem Spiel nicht nur der Respekt für ein Fußballspiel bezeugt. Sondern ausgerechnet von der Waldseite, wo die Ultras vom Wuhlesyndikat stehen, bekam der unterlegene Gast Anfeuerungsrufe für die restlichen Spiele um den Aufstieg.

Und der ganze Tag hatte rein gar nichts mit Fanfreundschaft zu tun. Sondern es ging nur um viele Anhänger, die eine ähnliche Idee davon haben, wie sie Fußball erleben wollen.

Sich positionieren

Die Diskussionen im vergangenen Jahr scheinen eine Sensibilisierung gebracht zu haben.

Die Krisenstimmung und der ebenfalls am Tag der Arbeit geplante Neonazimarsch machten Krawalle wahrscheinlich. Als Aufmarschort gilt derzeit Köpenick, wo sich auch die Bundeszentrale der rechtsextremen NPD befindet. Autonome, Gewerkschaften und Parteien wollen einen Neonazimarsch durch Blockaden verhindern. Einen Aufruf dazu unterzeichneten unter anderem Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), Linke-Chef Oskar Lafontaine, Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, Verdi-Chef Frank Bsirske – und der Köpenicker Fußballverein 1. FC Union.

Tagesspiegel

Es gibt keine schlechten Spieler. Alle sind gut.

Nach dem Spiel gegen Karlsruhe reden wir über Gesänge im Stadion und darüber, ob man als Gast die Atmosphäre loben darf. Auch ein ganz kleines bißchen darüber, was im Spiel passierte. Wer zum Beispiel mit der Hand am Ball war.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Podcast in iTunes abonnieren

Podcast als RSS-Feed abonnieren

Download als MP3

“Das ist kein Mainstream.”

Robert Müller von Vultejus von UFA Sports stand nach der offiziellen Pressekonferenz Sebastian Fiebrig (Textilvergehen) und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) für einige Nachfragen zur Verfügung.

Sie haben mehrfach auf die Wichtgkeit der langfristigen Vereinbarung zur Stundung der Darlehen zwischen Kölmel und Union hingewiesen. Sind solche Deals aus Vermarktersicht nicht lukrativ?

Das sind Einmaleffekte, die es mal gegeben hat. Sei es die bei Borussia Dortmund mit den 50 Millionen Euro, Hertha oder beim HSV die Finanzierung des Stadions. Da schafft man sich in der Sekunde aus Vermarktungssicht zwar einen Wert, weil man da einen Gegenwert in Form eines 10-Jahresvertrag bekommt. Aber am Ende ist es ja so, dass der Verein ja auch das Netto braucht, um am Ende sportlich wettbewerbsfähig zu werden. Und das ist natürlich immer schwierig, wenn ich mit diesen Altlasten zu kämpfen habe. Da ist Kölmel kein Einzelfall und Union kein Einzelbeispiel. Da gab es viele verschiedene Fälle. Und ich glaube, dass die Vereine, die daraus gelernt haben und sich vielleicht ein bißchen langsamer dafür aber kontinuierlicher entwickeln als andere, wettbewerbsfähiger sind. Siehe Bayern München. Die haben diese Fehler nie in dem Maße begangen. Und von daher glauben wir auch, dass diese Partnerschaft mit Union auf extrem gesunden Füßen steht, weil jeder weiß, was er von dem anderen erwarten kann und erwarten muss. Und das basiert eben nicht auf einer Finanzierungsform wie in der Vergangenheit.

Wenn die Finanzierung des Stadions wider Erwarten nicht klappt, wäre die UFA Sports bereit, da Entsprechendes in die Wege zu leiten?

Das sind Dinge, die wir nie diskutiert haben, weil uns der Verein glaubhaft versichert hat, das alleine stemmen zu können.Von daher gehen wir auch davon aus, dass die Haupttribüne innerhalb der nächsten zwei bis drei Saisons steht.

Bei wievielen Vereinen außer St. Pauli und Union sind sie bisher in der Vermarktung engagiert?

Das war es. Wir arbeiten noch mit anderen Vereinen und Verbänden zusammen. Aber das eher international für die Vermarktung der Europa League und von Qualifikationsspielen. Wir haben ein Büro in Bratislava, wo wir den gesamten slowakischen Fußball vermarkten. Die sind jetzt auch WM-Teilnehmer. Das sind TV-Rechte, Marketing von Liga und auch Nationalmannschaft.
Aber wir streben nicht nach Größe der Größe wegen sondern weil wir auch Spaß an den Themen haben. Zum Beispiel unser Engagement beim FC St. Pauli. Das ist für uns jeden Tag wieder Spaß.

Union und St. Pauli sind aber auch Vereine, bei denen die Vermarktung einfacher ist, weil sie als Marke etabliert sind.

Sie ist anders. Ich weiß nicht, ob sie einfacher ist. Das ist kein Mainstream, was man hier verkauft. Es gibt bestimmte Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Also Vattenfall zum FC St. Pauli zu bringen zum Beispiel [Anmerkung: Vattenfall betreibt zwei Kernkraftwerke in Norddeutschland]. Das würden wir nicht einmal versuchen, weil das nicht funktionieren würde. Das wäre für Vattenfall der falsche Klub. Aber das wäre auch für St. Pauli der falsche Partner. Dafür gibt es andere Marken, die dann richtig gut passen und sowohl für den Verein als auch für das Unternehmen die Ziele erreichen lassen. Das sehen wir beim FC St. Pauli einfach jeden Tag.
Man muss sich einmal diese Erlebniswelt anschauen. Die ist an den Spieltagen durchaus vergleichbar. Jeder Kunde, auch Hospitality-Kunde, den man einmal hier mit zum Heimspiel bringt, der geht danach nicht nach Hause und sagt: “Das hat mich nicht berührt” oder “Das war mir egal.” Das ist schon ein Thema, mit dem man die Leute begeistern kann.
Man stelle sich tatsächlich mal vor, Hertha schafft es nicht und steigt ab. Dann hat man eben auch das Problem Olympiastadion mit den vielen Plätzen. Ein Heimspiel gegen Ahlen. Und dann frage ich mich: “Will ich dazu meine Kunden einladen? Ist das für die ein toller Samstag- oder Sonntagnachmittag, an dem sie auch mit einem tollen Gefühl nach Hause gehen?” Das kann ich hier immer bieten. Und zwar ligaunabhängig.

Wenn die Vermarktung nicht einfacher ist, was ist dann daran schwieriger?

Es ist natürlich so, dass jeder Verein, der Ecken und Kanten hat, auch polarisiert. Es gibt bestimmte Unternehmen, die sagen: “Das deckt sich nicht mit meinen Werten und ist dadurch für mich nicht relevant.” Wenn ich einen Verein biete, der sich an die Masse wendet. Und dem Unternehmen geht es nur um die Aufmerksamkeit, um die Fernsehzahlen, dann ist das vielleicht eher ein Engagement für die. Von daher muss man ein bisschen genauer hinschauen und ein bisschen genauer suchen. Aber wenn man dann den richtigen Partner gefunden hat, dann glaube ich eben auch, dass man langfristige und tolle Engagements findet, die beiden Seiten Spaß machen.