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Spieltrieb.

Dass Daniel Schulz ein ruhiger Zeitgenosse sei, hatte Unions Pressesprecher Christian Arbeit angekündigt. Das scheint unter Innenverteidigern so üblich und kann zwischen norddeutsch-nassforsch, brandenburgisch-barsch bis westfälisch-wortkarg alles mögliche bedeuten. Daniel Schulz betreffend heißt ruhig aber vor allem: Besonnen. Ein aufgeräumter junger Mensch mit sehr viel Übersicht, klar definierten Zielen, einem hohen Maß an Selbstdisziplin und professioneller Distanz.

Seine ersten Spiele für den 1. FC Union bestritt er in der Saison 2004/05. Union spielte Regionalliga Nord, Marcel Rath trug die 18, Frank Lieberam war Trainer, Sebastian Bönig hatte lange Haare, die Auswärtstrikots waren grellorange, Jan Glinker löste Marco Sejna ab, Florian Müller galt als Hoffnungsträger und Tom Persich war nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Fester Bestandteil der Herrenmannschaft wurde Daniel Schulz dann in der Saison 2006/07.

Die aufregendsten Überschriften, in denen er erwähnt wird, lauten sinngemäß “Ist Kapitän/Ist nicht Kapitän”, “hat sich verletzt”, “spielt U21-Nationalmannschaft” und seit Freitag “wechselt nach Sandhausen”. Auffällig war er in seinen Berliner Jahren einzig durch sportliche Leistung. Keine Cousinen, keine Whirlpools. Discoschlägereien, Frisurenwunder oder rätselhafte Tätowierungen: Genau null. Ein Sportler, der Präzisionsantworten auf Sachfragen gibt. Der Boulevard stürzt sich vor Langeweile aus dem Fenster. Ein jeder Sportjournalist weint heiße Tränen der Verzweiflung. Einen besseren Gesprächspartner, um realistische Auskünfte über den Traumberuf Fußballprofi zu erhalten, findet man nicht.

War Fußball eine bewusste Entscheidung von Dir, oder haben das Deine Eltern für Dich ausgesucht?

Ich wollte sogar noch früher anfangen, Fußball zu spielen – meine Eltern haben gesagt, warte mal noch, ein, zwei Jahre – aber als ich dann in der ersten Klasse war, haben sie mich beim VfB Friedrichshain angemeldet.
Man sollte immer darauf achten, dass das Kind die Eigeninitiative ergreift. Man sollte niemanden in eine Schublade stecken. Ich habe das auch mit meinem Bruder so beobachtet: Wenn die Väter da so am Spielfeldrand stehen und alles besser wissen und nur ihren Jungen zusammenstauchen, finde ich das schon ganz schön abartig. Der Junge sollte da hin gehen, Spaß haben, und die Eltern sollten sich total raus halten.

Wie ist der Übergang aus dem Jugendbereich in die erste Mannschaft, wie kommt man an, wie behauptet man sich?

Es ist schon ein ziemlicher Sprung, weil einfach viel athletischer gespielt wird. Du bist köperlich noch nicht auf dem Niveau, das man eigentlich braucht. Man ist ein bißchen naiv und denkt auch noch nicht darüber nach, seinen Körper zu pflegen, gewisse Kraftübungen zu machen, die aber wichtig sind. Für mich war der Sprung trotzdem relativ angenehm, weil wir damals “nur” in der Oberliga gespielt haben. Da ist der Unterschied weniger groß, als wenn du direkt in eine Zweitligamannschaft wechselst, und die Mannschaft hat mich damals toll aufgenommen.

Ist Vielseitigkeit dabei von Vorteil? Ich denke an Christoph Menz, der auf sehr unterschiedlichen Positionen spielt.

Das ist sicherlich eine Eigenschaft, die dich immer mal zu Einsätzen bringt, aber ich bin mir nicht sicher, ob es dich dauerhaft zu Einsätzen, also zu einer konstanten Saison bringt. Wenn Du immer nur hinten dran bist, einspringst, wenn einer ausfällt, ist das sicherlich eine gute Eigenschaft, aber man sollte auch ein, zwei Positionen wirklich gut spielen können und richtig beherrschen.

Wie sieht ein normaler Tag bei euch aus?

In der Saisonvorbereitung hast du am Tag zwei oder drei Trainingseinheiten und bist den ganzen Tag beim Verein. Du fährst frühmorgens hin, absolvierst die erste Trainingseinheit, und je nachdem, ob du weit weg wohnst oder nicht, fährst du in der Mittagspause nach Hause oder bleibst beim Verein, legst dich da schlafen. Manche Trainer schreiben das sogar vor, dass man da bleibt, weil die Regeneration immens wichtig ist. Dann gibt es die zweite Trainingseinheit, und man muss das Training auch vor- und nachbereiten. Das kann Massage sein, oder so – einfach, um wieder runter zu kommen. Danach fährt man nach Hause.

Wie vereinbart man den Beruf Fußballprofi mit einem Sozialleben? Wenn andere Leute am Wochenende ihre Familie sehen, steht ihr auf dem Platz, euer Urlaub ist knapp bemessen, und ihr könnt schlecht sagen: “Ich fahr jetzt mal sechs Wochen nach Brasilien”.

Das ist sicherlich der saure Apfel, in den man dann beißen muss – aber die Annehmlichkeiten überwiegen. Mal ist um 10 Uhr, mal um 14 Uhr Training. Über die Woche ist das ein ganz anderes Arbeiten als bei normalen Arbeitnehmern, die jeden Tag um 6 Uhr aufstehen, um 8 Uhr anfangen und um 16 Uhr Feierabend haben. Für mich ist Fußball da einfach geil.
Ich habe das damals angefangen, weil es mir Spaß gemacht hat ? du siehst die ganzen Profis und willst das auch. Du spielst halt, weil es dir Spaß macht, und über die anderen Sachen denkst du nicht nach.

Viele Leute, die auf dem selben Weg waren, haben aufgegeben, noch bevor sie eine Profikarriere angefangen haben. Aus ganz unterschiedlichen Gründen, weil sie etwa Musik interessanter fanden, oder sich lieber abends rumtreiben wollten, haben sie das Training schleifen lassen und sind dann aus dem Raster gefallen. Hattest Du solche Phasen?

Ich wollte schon immer Fußball spielen, das hat mich begeistert. Und irgendwann wird einem bewusst, spätestens, wenn man erfolgreich ist, dass es reichen könnte, um oben anzukommen. In dem Moment muss man sich entscheiden, und ich hab viele gesehen, die sich dagegen entschieden haben, weil sie es zu stressig fanden oder lieber eine Ausbildung machen wollten. Das war bei mir aber nie so. Ich wollte oben ankommen, und deshalb hab ich das auch immer so intensiv verfolgt.

Wie plant man die Karriere nach der Karriere? Plant man die überhaupt, und wird oder ist man darauf vorbereitet?

Ich habe mein Abitur gemacht. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, dass man wenigstens ein Abitur hat und die Schule nicht abbricht. Ich würde wahrscheinlich versuchen zu studieren, aber ich hab ja bis dahin hoffentlich noch ein paar Jahre, darum denke ich jetzt noch nicht so intensiv darüber nach. Ich weiß auch nicht, ob ich später im Fußballbereich bleiben will. Wir werden aber nicht speziell darauf vorbereitet. Jeder muss für sich überlegen, was er danach machen will.

Neben Ehrgeiz und Selbstdisziplin braucht man die Fähigkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Hartnäckigkeit. Was sonst noch?

Ja, auch wenn viele das nicht so sehen, was der Fußballberuf mit sich bringt. Es steckt schon viel dahinter. Es sind sicherlich andere Arbeitszeiten, aber es ist auch ein stressiger Beruf, allein vom Kopf her. Man sieht das an der Sache mit Robert Enke. Das geht an Spielern nicht einfach so vorbei. Das ist sicherlich typabhängig, und an manchen prallt es ab, aber andere belastet es. Man muss einiges aushalten können.

Zum Beispiel, dass Dir sechs- bis zwölftausend Leute sagen, was sie von Dir halten – und zwar gleichzeitig. Wie geht man damit um?

Man nimmt das natürlich wahr, und es trifft einen auch, aber man sollte überlegen, wie man solche Sachen einordnet. Das hat ja teilweise nichts mit Fachkenntnis zu tun, das kommt aus der Emotion heraus. Da sollte man, und das macht auch jeder, oder sollte jeder machen, eine Art Schutzschild aufbauen und das auch ein bißchen an sich abprallen lassen. Man sollte aber auch selbstkritisch sein. Das gehört in dem Beruf dazu, dass man kritikfähig ist.

Was ich aber viel schwerer auszuhalten fände, wäre Zuneigung, oder eigentlich: vereinnahmt zu werden.

Damit hab ich kein Problem. Klar, sicherlich ist es ab irgendwann auch anstrengend, wenn eine Grenze erreicht ist, wo man sagt: Jetzt will ich meine Ruhe haben. Man muss nicht 24 Stunden am Tag in der Öffentlichkeit stehen. Das sind 90 Minuten am Spieltag, vielleicht ein bißchen länger, oder wenn man Leute am Trainingsplatz sieht. Ich mag die Leute, wenn sie Stimmung machen, anfeuern – das ist unglaublich. Aber ich muss nicht in der Öffentlichkeit stehen.

Fällt es dir schwer wegzugehen? Bei der Verabschiedung vor dem Spiel gegen Vitesse Arnheim hatte ich schon den Eindruck, dass Dich das angekratzt hat.

Sicher. Wie lange war ich jetzt hier? Neun Jahre.

Das ist lange, eigentlich.

Das ist sehr lange. Ich bin Berliner, absolut Berliner, und klar ist es für mich schwer, hier wegzugehen – vom Verein, aus der Stadt. So richtig verarbeitet hab ich das auch noch nicht, dass ich wegziehen muss. Ich bin bin ziemlich traurig darüber – aber das wird schon irgendwie.

Steven Ruprecht hat es, glaube ich, gut getan. Er ist ja auch nicht ganz freiwillig gegangen, aber sportlich hat ihn der Neuanfang in Ingolstadt weitergebracht. Kannst Du in Deinem Wechsel jetzt auch so etwas wie eine Chance sehen?

Ich hoffe es, und ich gebe natürlich alles dafür, dass es eine Chance für mich wird, dass ich mich wieder irgendwo reinbeiße und da etabliere, so wie es Steven auch gemacht hat.

“Fußballspieler sein ist wie eine einzige große Klassenfahrt”, sagt ein Freund von mir. Und wenn man sich die Kolumne im Berliner Kurier ansieht, die Torsten Mattuschka und Mathias Bunkus in diesen Tagen zusammen gemacht haben, findet man den Eindruck bestätigt.

Das gehört zu einer Mannschaft, und der Zusammenhalt, das Mannschaftsgefüge war bei uns immer etwas besonderes. Dass Späße gemacht werden, gehört einfach dazu. Man ist so eine Truppe, man ist nur unter Männern, und sicher ist es verdammt wichtig für eine Mannschaft, die vor allem über die Gemeinschaft funktioniert – im Spiel hilft es dir ungemein, wenn du so einen Zusammenhalt hast, Spaß hast, mit der Truppe zusammen zu sein, wenn du dich morgens einfach freust, okay, jetzt komm ich in die Kabine, und da ist die Stimmung gut; du kommst mit allen einigermaßen aus, machst teilweise viel privat mit denen. Das ist in anderen Mannschaften vielleicht nicht ganz so, und das war in diesem Jahr, oder vielleicht sogar in den letzten Jahren unser Vorteil, unser Plus, dass wir eine eingeschworene Gemeinschaft waren.

Bleibt da noch Raum für Leute, die sich gar nicht mit Sport beschäftigen oder bleibt ihr doch eher unter euch? Fällt man aus dem Gefüge nicht raus, wenn man zum Beispiel in der Reha ist?

Das denke ich eigentlich nicht. Es kommt natürlich darauf an, wo und wie lange man die Reha macht. Wenn man länger weg ist und die Leute erstmal gar nicht sieht, verliert man ein bißchen den Draht, aber das kommt ganz schnell wieder. Wenn Du wieder dabei bist, wirst Du wieder aufgenommen in die Gemeinschaft.

Ob man Freunde außerhalb des Sports hat? Bei mir persönlich relativ wenig, weil ich meine Freunde immer über den Sport kennen gelernt habe. Ich war auf der Sportschule, da ist das noch extremer. Ansonsten ist es bei mir die Familie, die mir viel Rückhalt gibt, die aber eben auch sehr sportinteressiert ist.

Wie nimmt man den Prozess der Auslese wahr? Merkt man, wenn man andere Sportler hinter sich zurücklässt? Und bleibt man trotzdem in Verbindung?

Es ist kein Maßstab für mich, ob die Leute, mit denen ich auf der Sportschule war, noch Leistungssport machen oder nicht, aber man verliert den Kontakt, auch zu denen, mit denen man sich gut verstanden hat.

Aber man ist natürlich stolz auf das, was man selbst geschafft hat. Und man hat die Vergleiche von damals mit Leuten, von denen man denkt, die hätten es auf jeden Fall geschafft. Die waren so viel besser, und jetzt ist man selbst derjenige, der es durchgezogen hat. Da sollte man auch stolz drauf sein, wenn man sich solche Ziele setzt.

Kannst Du Dir ein Leben vorstellen, wie es John Jairo Mosquera fährt?

Bei ihm ist das extrem, auch wegen der Sprache. Das ist nicht mein Anspruch, das möchte ich eigentlich nicht. Ich möchte versuchen, meine Verträge zu erfüllen, mich zu entwickeln ? ohne dabei zehnmal in zehn Jahren umzuziehen. Ich möchte jetzt etwas finden, wo ich wieder wachsen kann, mich etablieren.

Naja, manche werden Flugbegleiter, weil sie gerne unterwegs sind.

Nee, das ist nichts für mich. Ich muss das zwar jetzt machen, aber die Familie – die sind ja alle hier in Berlin, und die lässt du ja alle erstmal zurück. Ich meine schon, dass das wichtig ist, dass man die regelmäßig sieht und nicht nur telefoniert.

Togo.

Eine gelungene filmische Gratwanderung vollzog der Eröffnungsfilm “Togo” des diesjähren Fußballfilmfestivals 11mm. Die beiden schweizerischen Regisseure beobachteten in ihrer Dokumentation die Menschen in Lomé, während die togolesische Mannschaft sich auf die WM 2006 vorbereitete und ihre Gruppenspiele bestritt. Dabei begleiteten sie einen arbeitslosen Journalisten, einen Geschäftsmann, der extra für die WM ein Lokal aufgemacht hat, und Fans, die teils vergeblich vor dem deutschen Konsulat auf Visa für den Besuch der Gruppenspiele warteten.

Eine Gratwanderung, weil die Kulisse und Improvisation im armen Viertel am Stadtrand geeignet ist, bestimmte europäische Afrikaklischees zu bedienen. Dem entzieht sich der Film, indem er auf eine Kommentierung aus dem Off verzichtet und die Akteure selbst sprechen lässt. So bekommt der Zuschauer einen unmittelbaren Eindruck von der Stimmung im Land nach den politischen Unruhen 2005 und der erstmaligen Qualifikation für eine Weltmeisterschaft: Hoffnung, Übermut, Enttäuschung, Wut, Resignation. Für ständige Lacher sorgen Voodoomänner, die vor jedem Spiel das Orakel befragen, einen Sieg der Togolesen vorhersagen und danach mit aberwitzigen Ausreden erklären, warum dann doch alles anders gekommen ist.

Der Film wird noch einmal am Mittwoch, dem 17. März 2010 um 20.30 Uhr im Kino Babylon gezeigt (Eintritt: 6,50 €). Die DVD kann direkt bei den Regisseuren bestellt werden.

Nach der Premiere stand uns Otto Pfister, der damalige Trainer der togolesischen Mannschaft für ein kurzes Interview zur Verfügung:

Im Film haben Sie die Stimmung in Togo gesehen, während Sie mit der Mannschaft hier waren. Haben Sie vorher damit gerechnet, dass es so hoch hergehen würde?

Ich habe das gewusst. Und das belastet einen natürlich auch. Zum Beispiel das mit der Mama Togo habe ich gewusst, weil ich immer auf dem Kontinent lebe, wenn  ich ein Engagement habe. Es gibt Trainer, wie den, der vor mir Kamerun trainiert hat. Die wohnen hier und gehen nur zum Spiel herunter. Das mache ich nicht. Ich habe eine Schwäche für diese Länder und ich wohne dort. Ich weiß, was dort los ist. Für die ist Fußball heilig. Das ist nicht wie hier in Berlin heute. Wenn da ein Spiel ist wie Hertha BSC gegen Nürnberg in einer solch großen Stadt. Dann sind alle im Stadion. Der Rest sitzt vor dem Fernseher oder am Radio. Da ist keiner auf der Straße. Das ist eine Religion. Und das ist schwer hier zu vermitteln.

Dazu kommt noch die Selbstüberschätzung. Sie meinen, sie treten an mit einer Infrastruktur, die Sie im Film sehen konnten. Und die Erwartung ist dann so, das sei jetzt überall genau so wie zu Hause. – Allerdings war das mit der Nationalmannschaft nicht ganz richtig dargestellt. Ich war ja mit den Jungs vier Wochen hier in Europa im Trainingslager in normalen Sportschulen. Wenn man dann sieht, dass es nicht läuft, gibt man auf. Als es dann losging mit dem Geld, haben die Spieler gestreikt. Ich habe gekündigt, als Adebayour zu mir kam und sagte: ‘Trainer, wir trainieren heute nicht. Wir haben noch keinen Pfennig Geld gesehen.’ Das war der Grund. Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen und gesagt: ‘Sie entziehen mir die Arbeitsgrundlage. Zahlen Sie den Spielern das Geld, damit sie zum Training kommen.’ Dann ist die FIFA in Vorschuß getreten. Aber uns haben die zwei Tage gefehlt. Sonst wäre die Mannschaft auch in der Lage gewesen, die zweite Runde zu erreichen.

Waren Sie wieder aufgeregt, als Sie die Szenen der Spiele jetzt noch einmal gesehen haben? Wie haben Sie manche Schiedsrichterentscheidungen jetzt noch einmal wahrgenommen?

Wenn der Schiedsrichter vom Spiel gegen die Schweiz Englisch verstanden hätte, wäre ich für das, was ich ihm in der Halbzeit gesagt habe, von der FIFA für ein Jahr gesperrt worden. Einmal wird Adebayour heruntergerissen und einmal lässt Patrick Müller im Strafraum das Bein stehen. Aber das ist halt so.

Haben es afrikanische Mannschaften bei einem solch großen Turnier besonders schwer mit den Schiedsrichtern?

Ja. Aber dazu möchte ich mich lieber nicht äußern. Das ist kein einfaches Thema.

Andora macht was.

Wenn meinem Neffen ein Verb fehlt, er eine Tätigkeit also nicht exakt beschreiben kann, sagt er immer: “Der macht was.” Das finde ich außerordentlich klug für jemanden, der drei Jahre alt ist und noch nicht so viele Wörter kennt. Ich bin ungefähr elfmal so alt, und es kommt nicht mehr gar so häufig vor, dass ich die Frage, ob ich reiten war, mit “Nee, ich hab aufm Pferd gesitzt” beantworte.

Nichtsdestotrotz fehlt mir gerade jetzt ein Wort. Eines, das beschreibt, was Andora am Donnerstag auf der Veranstaltung “FUSSBALL?! Soziale Kreativität oder Wirklichkeitsflucht? Alles eine Frage des Glaubens” zu tun beabsichtigt. Zwischen bekehren, taufen und totquatschen ist alles möglich. Es wird in jedem Fall sehr eindrucksvoll sein, und ganz sicher wird Andora gemeinsam mit Wolfgang Matthies den 1.FC Union Berlin würdevoll vertreten. Unterstützt ihn dabei, geht alle hin, und vergesst eure Schals nicht!

andora

[Wer sich vorher zum Thema einlesen möchte: "Fußballgott: Elf Einwürfe", herausgegeben von Andreas Merkt.]

14. Januar 2010 um 19:00 Uhr
Humboldt-Universität Berlin
Theologische Fakultät
Burgstraße 26
Raum 117
Eintritt frei

Vorstellungsgespräch.

Ich kann mir unter vielen Berufen etwas vorstellen. Ich weiß, was ein Bäcker, ein Fleischer, ein Schlosser, ein Schweißer & eine Lehramtsanwärterin machen – über den Berufsalltag eines Pressesprechers weiß ich exakt genau: Nichts. Man soll aber fragen, wenn man was nicht weiß. (Hab ich, glaube ich, in der Sendung mit der Maus gelernt.)

Weder Sebastian noch ich verbanden ein konkretes Bild mit dem Begriff einer Medienpartnerschaft. Uns hat interessiert, wie die Maßgaben des Vereins zum Umgang mit den Medien aussehen, nachdem wir über die Beschwerden der Pressevertreter inzwischen ganz gut Bescheid wissen und selbst auch eine eher nörgelnde Haltung dazu vertreten haben. Aus höchst eigennützigen Motiven wollten wir schließlich etwas darüber erfahren, ob und inwieweit sich der 1.FC Union Berlin mit Fragen der Vermarktung in den Neuen Medien beschäftigt.

Lauter gute Gründe, beim Pressesprecher des Vereins, Christian Arbeit, zum Kaffeetrinken & Reden vorstellig zu werden. Ein Büro, in dem es zugeht wie in einem Taubenschlag, übrigens. Klippklapp. Tür auf, Tür zu. Kommst Du mal? Kannst Du mal? Hast Du mal? Weisst Du mal? Telefon. Trotzdem hat er sich Zeit und uns ernst genug genommen, alle unsere Fragen ausführlich zu beantworten. Wir schätzen das sehr und danken für das Gespräch!

Der erste und uns wichtigste Teil des Gesprächs wird dabei im vollständigen Wortlaut wiedergegeben. Darin gibt Christian Arbeit einen Einblick in die Arbeit der Presseabteilung und bezieht auch Stellung zum aktuellen Verhältnis des Vereins zur Presse. Die beiden anderen Fragen erscheinen zusammengefasst darunter.

*****

Was macht ein Pressesprecher eigentlich den ganzen Tag?

Zu dem Bild, das man benutzen muss: Im Grunde bin ich ein Dienstleister für verschiedene andere Abteilungen im Verein. Die Gewichtung ist unterschiedlich. Die empfindlichste Stelle ist der Bereich Sport, wo es von Seiten der sportlichen Leitung sehr konkrete Bedürfnisse gibt. Nämlich eine wirre Fülle verschiedenartigster Medienanfragen in irgendeiner Art zu kanalisieren und im Zweifelsfall in irgendeiner Form zu steuern. Oberstes Gebot, und da zitiere ich gerne den Kollegen Markus Hörwick vom FC Bayern, ist der Schutz der eigenen Mannschaft. Das ist die wichtigste Aufgabe. Denn ich bin ja der Pressesprecher des Vereins und nicht der oberste Redakteur der Berliner Sportberichterstattung. Insofern ist die Sichtweise natürlich klar geprägt von den Anforderungen, die bestimmte Abteilungen des Vereins stellen.

Zu den Aufgaben kommt, wenn man sich vom reinen Sportumfeld und der Nähe zur Mannschaft trennt, hier bei Union auch generell die Produktion von Nachrichten beziehungsweise die Überlegung, welche Informationen geben wir wann und in welchem Umfang raus. Wofür gibt es den geeigneten Zeitpunkt? Bearbeiten wir ein Thema eher offensiv oder defensiv? Solche Dinge zu besprechen, zur Entscheidung zu bringen und dann entsprechend umzusetzen: Das macht ein Pressesprecher den ganzen Tag.

Gibt es eine Policy der sportlichen Leitung zur Medienarbeit? Hat sie sich im Vergleich zur letzten Saison verändert und hattet Ihr einen Einfluss daruf? Und gibt es Vorgaben von der DFL zur Medienarbeit?

Man könnte sagen: Es gibt eine Policy. Aber die ist nicht in einen griffigen Satz gebracht. Die erklärt sich am ehesten aus der Geschichte der Mannschaft heraus. Wir haben eine Mannschaft, in der jeder einzelne Spieler immer wieder an das obere Limit seiner persönlichen Fähigkeiten gehen muss. Jeder, der sein eigenes Tun und Handeln reflektiert, weiß, dass so eine Art Konzentration immer anstrengend ist. Besonders, wenn man sie über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten muss. Außerdem erfordert sie, dass man Erholung, Regeneration und Freizeit sehr sorgfältig behandelt.

In dem Wissen, dass wir keine Mannschaft von gestandenen Nationalspielern haben, die über sagenhafte und herausragende individuelle Klasse verfügt, sondern über Spieler, die zum Teil vor drei Jahren noch viertklassig gespielt haben und jetzt im Vorderfeld der zweiten Bundesliga mitspielen. Da kann man sich vorstellen, dass das Bestreben, die Konzentrationsfähigkeit der einzelnen Spieler zu erhalten, sehr hoch ist. Man könnte sagen: Je weniger Ablenkung vom wesentlichen desto besser. So könnte man im Grunde die Policy auf den Punkt bringen.

In der Tat ist es so, dass im Grunde schon die dritte Liga im Vergleich zur Regionalliga einen deutlichen Sprung nach vorne erbracht hat, was die Medienberichterstattung anging. Die zweite Liga, oder generell der DFL-Bereich, bedeutet noch einmal einen Quantensprung. Sichtbarstes Zeichen in der zweiten Liga ist ja die Aufsplittung des Spieltages auf vier verschiedene Tage und vier verschiedene Anstoßzeiten. Da war es tatsächlich so, dass es eine Tagung der DFL mit den entsprechenden Pressesprechern vor der Saison gab. Dort wurden die Veränderungen aus dem neuen Fernsehvertrag dargelegt und von jedem Sender, der Rechte hält, das Sendekonzept erläutert. Hinterher haben sehr erfahrene Pressesprecher, zum Beispiel von Werder Bremen oder Bayern München, gesagt: Das sind jetzt völlig neue Herausforderungen an die Abwehrarbeit. Wie bekomme ich es hin, wenn ich drei TV-Stationen unmittelbar am Spielfeld habe und Spieler XY gerade Rot gesehen hat, weil er dem Gegenspieler eine runtergehauen hat, dass der sich erst einmal beruhigt. Und zwar bevor er etwas unbedachtes in die Kamera plaudert. Das heißt nicht, dass er niemals etwas sagen darf, sondern ich muss im Sinne des Vereins mich manchmal auch schützend vor Leute stellen, um Schaden vom Verein abzuwenden. Sonst sagt der etwas in die Kamera, noch einmal eine Unsportlichkeit und dann dauert die Strafe extra lange. Wunderbar. Dann hat man ja viel gekonnt. Anders sieht es aus, hat er zwei Stunden Zeit oder wir sagen „Geh erst einmal duschen und danach kannst Du noch einmal in die Mixed Zone!“ Das ist natürlich unpopulär, weil die schreibenden Journalisten alles schon verschickt haben wollen. Da müssen wir als Presseabteilung sagen: „Unsere Aufgabe ist es, die Interessen des Vereins wahrzunehmen. Wenn die in bestimmten Punkten, und die Punkte erreichen wir täglich, nicht in Übereinstimmung mit den Interessen der Medien zu bringen sind, dann setzen wir die Interessen des Vereins durch. Wenn es sich nicht vermitteln lässt.

So gesehen hat sich zur vergangenen Saison geändert, dass wir noch konsequenter bestimmte Dinge kontrollieren und reglementieren. Es nutzt einfach nichts, wenn ein durchschnittlich begabter Fußballer sich unvermittelt jeden zweiten Tag riesengroß in der Zeitung sieht. Das hilft ihm nicht.

Die Arbeit ist viel einfacher, als viele Journalisten glauben, da es viele Spieler gibt, die diese Funktion zu schätzen wissen und sie ganz aktiv wahrnehmen. Sie nutzen die Presseabteilung, und so haben wir es den Spielern vor der Saison angeboten, um Dinge von sich weg zu halten. Das ist schon deshalb wichtig, weil natürlich der Umfang der Medienarbeit mit den Spielern trotzdem viel größer ist als in der letzten Saison. Nur der Fokus, und da darf man sich nichts vormachen, liegt auf dem Fernsehen. Wenn die Fernsehrechte für Hunderte Millionen verkauft werden, dann ist auch klar, wer die größten Ansprüche stellt: Derjenige, der das gesamte System finanziert. Also sind natürlich nach jedem Spiel die Spieler und Trainer zunächst für die Fernsehstationen da, bevor dann die restliche Verwertungskette zum Schluss mit der Pressekonferenz für die schreibende Zunft endet.

Habt ihr trotz der Vorgaben von der DFL die Möglichkeit, die Fernsehanfragen nach Spielern abzulehnen?

Da hängt die DFL sich nicht rein. Das ist klar, denn der Spieler ist unser Angestellter und nicht Angestellter der DFL. Im Grunde läuft da aber die Zusammenarbeit tadellos. Nach jedem Spiel kommen die Vertreter von Sky und vom DSF auf uns zu und geben uns die Namen, die sie gerne hätten. Das ist selten besonders überraschend. Ich sehe das Spiel ja auch und kann eigentlich vorher sagen, wen sie haben wollen. Aber da kann man im Zweifelsfall sagen: „Pass mal auf, den lassen wir heute weg. Was haltet Ihr von dem und dem?“ Das funktioniert absolut entspannt und interessanterweise völlig konfliktfrei.

Es gibt ja diese Diskussion um eine schwierigere Zusammenarbeit zwischen Medien und Verein. Und da steht Matze Koch mit seiner Meinung nicht alleine. Auch andere Journalisten haben das angemerkt. Du hast diese Diskussion im Vorgespräch als „absurd“ bezeichnet. Weshalb?

Absurd, weil im Grunde unglaublich viel möglich ist. Und jeder, der es wahrnimmt, auch unheimlich viel bekommen kann. Allerdings in erster Linie zu dem Thema, mit dem wir uns hier in erster Linie befassen. Wir sind ein Fußballverein und wir haben Leute, die hier Fußball spielen. Jeder Journalist kann die Trainingszeiten einsehen. Nach jedem Training ist es möglich, hier mit Spielern zu sprechen. Im Prinzip eine Situation ähnlich der Mixed-Zone. Wenn man den Spieler allerdings eine halbe Stunde interviewen möchte, dann muss man schon allein deshalb Bescheid sagen, damit wir dafür die organisatorischen Voraussetzungen schaffen können. Wenn es drei Fragen sind, wie es im Normalfall ist, funktioniert das völlig problemlos.

Es gibt Leute, die jeden Tag hier sind. Interessanterweise kommt dann mitunter von den Leuten, die das allermeiste wahrnehmen und auch das allermeiste bekommen, der Vorwurf, sie würden hier nichts bekommen. Und das ist letztlich das Absurde daran. Der Name Mathias Koch fiel ja und wir müssen da kein Geheimnis daraus machen. Er ist im Grunde jeden Tag zu jeder Trainingseinheit hier. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Jedes erdenklich mögliche Foto, das unsere Spieler im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zeigt, hat er.

Und da kommen wir auf den Punkt, den ich vorhin angesprochen hatte: Regeneration, Konzentration, Freizeit. Wenn ein Spieler seine Freizeit nutzt, um mit seiner Familie einen Ausflug zu unternehmen. Wunderbar. Aber natürlich möchte das Trainerteam nicht, dass Journalisten das Freizeitprogramm unserer Spieler organisieren. Wenn Spieler XY gerne in den Tierpark gehen möchte. Gerne. Aber ich sehe überhaupt keinen Grund, einem Fotografen Bescheid zu sagen.

Wir hatten solche Situation schon gehabt, dass ein Journalist zu mir kam und sagte: „Ich möchte mit dem Spieler gerne mal auf den Müggelturm gehen.“ Und der Spieler steht daneben und kuckt groß und sagt: „Was soll ich denn auf dem Müggelturm?“ – „Ja, können wir auf einen anderen Turm gehen.“ – „Ich will überhaupt nicht mit Dir auf einen Turm gehen.“ Dann schaue ich den Journalisten an sage: „Noch Fragen?“

Es ist doch klar: Jede Begleitung in der Freizeit erfordert wieder irgendeine Form der Organisation. Der Spieler muss sich mit dem Journalisten verabreden, auseinandersetzen, treffen. Es ist anders. Es ist keine Erholung. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie sie eigentlich gewünscht ist.

Das ist in der Diskussion mal schön benannt worden: Was es nicht gibt, ist der Spieler am Giraffengehege.

Es sind ja vor allem Printjournalisten, die sich beschweren. Geht es ihnen nicht vor allem darum, dass ihr als Mittler auftretet und damit der direkte Kontakt zu den Spielern verloren geht? Die Spieler fragen die Journalisten, ob bestimmte Anfragen durch den Verein genehmigt sind, oder Informationen werden durch euch gefiltert.

Es ist wahrscheinlich in jedem Unternehmen so, wenn Du als Mitarbeiter zu Deinem Unternehmen befragt wirst, riskierst du einiges, wenn Du einfach so erzählst. Das ist ja nicht nur bei Fußballmannschaften so sondern überall. Im Gegensatz zu anderen Vereinen wie zum Beispiel Energie Cottbus oder Bayern München haben wir das an die Presse nicht explizit als Brief verschickt. Es gibt Vereine, die machen das. Die sagen: „Jedes Gespräch muss vorher angemeldet sein, sonst reagieren wir als Verein in irgendeiner Form.“ Das muss ja zwangsläufig mit einer Sanktionsandrohung verbunden sein. Wenn ich also weiß, dass Journalist XY aber doch, ohne vorher mit mir darüber zu sprechen, den Spieler angerufen, dann müsste ich reagieren und dem Journalisten die Akkreditierung für das nächste Spiel entziehen oder ähnliches. So könnte das laufen. So ist es bei uns aber nicht.

Es ist so, dass es Journalisten gibt, die Telefonnummern von Spielern besitzen. Das können wir auch gar nicht verhindern. Dann ist er natürlich in der Lage, den Spieler anzurufen. Und hier kommt im Prinzip das, was ich vorhin angesprochen habe, ins Spiel. Wir haben vor der Saison den Spielern die Mediensituation vor Augen geführt. Wir haben ihnen erklärt, was die besonderen Anforderungen und die Veränderung zur vergangenen Saison sind. Wir haben den Spielern  angeboten, ihnen dabei behilflich zu sein und uns als Dienstleister wahrzunehmen. Und das tun sie zum großen Teil. Das ist in der Intensität von Spieler zu Spieler verschieden. Es gibt Spieler, die kommen und sagen: „Jetzt war ich in den letzten drei Wochen fünf Mal bei irgendwelchen Geschichten dabei. Jetzt möchte ich mal ein bisschen Pause haben.“ Und es gibt Spieler, die jedes Zitat vorher gegenlesen wollen. All das gibt es. Das zeigt auch, dass vielen Spielern sehr wohl bewusst ist, wie intensiv diese Situation ist und wie wichtig ihnen Konzentration ist. Die wollen ihren Platz in der Mannschaft nicht aufs Spiel setzen. Und zwar nicht, weil sie sich um Kopf und Kragen reden, sondern weil sie merken, dass nur, wenn sie die tägliche Trainingsarbeit absolvieren und die Spiele hochkonzentriert angehen, sind sie ind er Lage das hohe Leistungsniveau zu erreichen, das sie jetzt gerade haben. Das ist ein gutes Zeichen.

Natürlich resultieren daraus Schwierigkeiten, bunte Geschichten zusammenzubekommen. Da kommt man an den Punkt, wo wir nicht helfen können. Wenn man es auf diesen Punkt bringt, müssen wir sagen: „Nein, das liefern wir nicht.“

Die Auseinandersetzung darum, welche Geschichten möglich sind und welche nicht, gehen nicht erst seit drei Wochen. Sie begleiten mich ja, seit ich hier angefangen habe. Trotzdem steht aber jeden Tag etwas in der Zeitung. Ich sehe im Grunde eigentlich keinen Grund zur Klage. Offenkundig ist es nur nicht so leicht, wie man es sich wünscht. Aber es ist ja nicht unmöglich über Union zu berichten

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Medienpartnerschaft. Zu Beginn dieser Saison wechselte der Verein seine Medienpartner. Im Printbereich ist die B.Z. an die Stelle des Berliner Verlag (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) getreten. Im Radio ging es von StarFM zu Radio Berlin. Die Gründe dafür waren einerseits, so Christian Arbeit, dass die bisherigen Verträge ausgelaufen waren, andererseits und wohl auch maßgeblich, dass andere Publikumsgruppen angesprochen werden sollten. Im Radio ist es dabei nur vorteilhaft, dass Union nun im reichweitenstärksten Radiosender in Berlin und Brandenburg häufiger Erwähnung findet. Es habe aber Interesse von allen großen Sendern der Region gegeben. Im Print sei die B.Z. ein geeigneter Partner, um ganz Berlin gleichermaßen zu erreichen.

Christian Arbeit betont zugleich, dass eine Medienpartnerschaft im Print nicht mit dem Erkaufen einer wohlmeinenden Berichterstattung verbunden sei. Vielmehr ist unter einer Medienpartnerschaft ein Vertrag zwischen der Sponsoringabteilung des Vereins und der Anzeigenabteilung des Verlags zur gegenseitigen Überlassung von Anzeigevolumen zu verstehen. Der vorherige Partner Berliner Verlag hatte sich entschieden, im Vereinsumfeld die Marke Berliner Kurier zu plazieren. Im Gegenzug bot man dem  Verein die Möglichkeit, Anzeigen sowohl in der Berliner Zeitung als auch im Berliner Kurier zu schalten.

Der Leiter der Anzeigenabteilung des neuen Partners B.Z., habe bereits direkt nachgefragt, ob Redakteure unter Hinweis auf die Medienpartnerschaft versuchten, an exklusive Informationen zu kommen. Das sei bisher nicht der Fall gewesen. Die Zeitung hätte, erklärt Christian Arbeit, natürlich ein Interesse daran, dass das nicht passiert, da man sich auch das Recht vorbehalten möchte, den Medienpartner Sportverein boulevardmäßig zu behandeln, oder, wie es Christian formuliert: draufzuhauen. Das Interview des Präsidenten Dirk Zingler zu den Forderungen an die ISP in der B.Z. sei von der Medienpartnerschaft unabhängig entstanden. Man überlege im Verein vorher, ob und wo man bestimmte Informationen exklusiv publiziert. Eine grundsätzliche Festlegung auf eine bestimmte Zeitung gäbe es dabei nicht.

Neue Medien. Die Entwicklungen, die stattfinden, werden sehr genau beobachtet. Allerdings sei es nicht so, dass zum Beispiel AFTV ein Vorbote eines bezahlpflichtigen Angebots sei. Dafür müsste entsprechendes Material exklusiv produziert werden und momentan sei dies nicht angedacht. Es sei eine Ergänzung auf der Website und für die Videowand im Stadion. Die Auseinandersetzung zwischen eyep.tv und fcbayern.tv um die Frage, ob die Pressekonferenz eine exklusive Geschichte des Vereins sei, wurde aber auch in der Presseabteilung beobachtet.