Neulich in der Köpenicker Altstadt.
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OK. Dann stelle ich mich also dieser Herausforderung. Als gäbe es davon im Leben nicht eh schon mehr als genug, musste ich natürlich zusagen. Ich, als Herthaner und Westberliner, der die Wende vor allem mauersteineklopfend erlebt hat und dementsprechend wenig Sinn für ein geteiltes Deutschland hat, habe nun den Salat. Ich habe mich also dazu bereit erklärt auf diesem – nennen wir es – eisernen Ostblog einen Beitrag zu schreiben. Einen Beitrag über die Berliner Geschwister, die da wären: Die große Schwester Hertha und der kleine eiserne Bruder David.
Nein. Ich werde nichts über Derbies in der zweiten Liga schreiben. Das ist ein Thema für Zeitungen, die große Buchstaben, viele Fotos und vor allem Meinungen in die Welt hinausposaunen. Außerdem wird es zwischen Union und Hertha erst dann ein richtiges Derby geben, wenn sich die beiden Teams in der ersten Liga duellieren. Also in der kommenden Spielzeit. Bis dahin werden Berliner Derbies nicht unbedingt mein Thema sein.
Ja. Dann schreibe ich doch lieber etwas über Innerberliner Verhältnisse. Allerdings kann ich auf Grund meines noch recht überschaubaren Alters wenig bis gar nichts mit dem ganzen Nostalgie-Gedöns anfangen, der vor der Wendezeit liegt. Ich weiß, dass es da mal eine Freundschaft zwischen den Eisernen und den Blau-Weißen gegeben haben soll. Heute weiß ich davon allerdings nichts mehr. Ich sehe, höre und lese wenig von dieser Freundschaft, außer dass es sie mal gegeben haben soll. Gott hab’ sie selig, die DDR, die Wende, die Nostalgie und die alte Freundschaft. Sicher war nicht alles schlecht, aber wen interessiert das heute noch?
Wenn ich also etwas über das Verhältnis von Union und Hertha schreibe, dann muss ich einiges vorweg stellen. Neben der oben geschilderten Ignoranz gegenüber der Vergangenheit, bin ich im höchstem Maße subjektiv. Ich schreibe über meine Wahrnehmung und meine Einschätzungen, die ich weder belegen kann noch will und die alle anderen gerne anders sehen dürfen. Nur zu, Widerspruch ist erwünscht.
Wer meine textliche Vergangenheit unter blau-weißer Flagge kennt und wer mein Geschreibe des letzten Jahres zur Kenntnis genommen hat, weiß sicherlich, dass ich der alten Dame und ihren Fans recht kritisch gegenüber stehe. Ich stehe zu ihr. Keine Frage. Aber ich mache sicherlich nicht alles mit und schreibe das dann auch. Soviel zur Vorrede.
Seit einem Jahr nun spielt da ein Berliner Vorort-Verein in der zweiten Liga und man kann ihn irgendwie nicht mehr ignorieren. So denken viele Nicht-Eiserne über Union. Immerhin spielen sie zweite Liga. Das ist zwar noch nicht Europapokal, aber auch nicht ganz unbedeutend. Nach dem Abstieg der Hertha kommt man um die Unioner endgültig nicht mehr herum. So wie man den jüngeren Bruder eben auch nicht ständig ignorieren kann. Er gehört dazu, ob man will oder nicht.
Sie sind ja auch irgendwie putzelig. Diese ehrlich arbeitenden Ossis. Da bauen sie auf HartzIV-Kostenstelle ihr Stadion in Handarbeit um. So denken die meisten blau-weißen Wessis, die sich ihr Stadion einfach direkt von der Stadt haben aufmotzen lassen. Das Reflexionsniveau unter Fußball-Fans scheint grundsätzlich unterdurchschnittnlich zu sein. Denke ich. Macht aber nichts, da lässt es sich einfach besser pöbeln.
Mal davon abgesehen, dass der kleine Nachbar ab und an mit kernigen Sprüchen provozieren möchte, fällt da noch etwas anderes in der Beziehung zwischen Ost-Unionern und West-Herthanern auf. Beide reklamieren ja nur zu gern für sich, der Fußball-Verein für ganz Berlin zu sein. Die kleinen, häßlichen Stiefgeschwister TeBe und Dynamo schreien da zwar immer auf. Aber wen interessiert das schon? Wichtiger ist noch, dass beide – sowohl Hertha als auch Union – es wohl auf absehbare Zeit nicht schaffen werden, der Berliner Gesamtverein zu werden. Und das ist auch gut so, denn Berlin stand immer schon und steht immer noch für Vielfalt.
Noch amüsanter wird es, wenn man sich die eisernen Sticheleien gegen ein leeres Olympiastadion anschaut. Klar, die Kritik und die Hähme sind angebracht. Das Olympiastadion ist doch häufiger zugig, denn euphorisch gefüllt. Allerdings sieht das in der vergleichsweise winzigen Alten Försterei nicht anders aus. Die Zuschauerzahlen der vergangenen Zweitliga-Saison sind nicht unbedingt rühmlich, nicht wahr? (Im Schnitt blieben ein Viertel der Plätze leer). Letztlich sollten beide Vereine bezüglich der Stadionauslastung die Klappe halten. Das wird sonst peinlich, wenn man einmal nach Düsseldorf oder Kaiserslautern schaut…
Aber so ist das halt, wenn groß und klein sich streiten. Hauptsache, der andere steht schlechter da, egal wie blöd man selbst dabei aussieht. Die große alte Dame – quasi die große Schwester des kleinen eisernen Bruders – sie müsste einfach locker bleiben. Kann sie aber nicht. Sie bekommt weitaus mehr Taschengeld, bekommt aber auch als erste Dresche, wenn es nicht so läuft. Schließlich muss sie mehr Verantwortung tragen. Der Kleine dagegen versucht sich immer wieder abzusetzen und anders zu sein, um dadurch aus dem großen Schatten der Schwester heraus zu treten.
Manchmal kann ich mich dem Eindruck nicht entziehen, dass der eiserne Zwerg aus der Berliner Provinz versucht, den Pauli-Mythos nach Berlin zu kopieren. Klar, die David-vs.-Goliath-Thematik passt. Ebenso ist die alte Dame größtenteils so piefig und bieder wie der HSV. Aber der kleine eiserne David kommt halt aus Köpenick. Und bei allem Respekt gegenüber diesem wunderschönen Stadtteil Berlins: Das ist mal eine ganz andere Hausnummer als der Hamburger Kiez. Sagen wir es so: An Piefigkeit ist der eiserne David zusammen mit der alten Dame ganz vorne mit dabei.
Natürlich mögen die Kenner da die feinen Unterschiede erschnüffeln. Ehemals ostdeutsch-piefiges Kleinbürgertum riecht anders als ehemals westdeutsch-piefiges Kleinbürgertum. Das will ja auch niemand wegdiskutieren und es ist ja sogar schön, dass es an jeder Berliner Ecke anders stinkt. Aber sowohl in ehemals Ost als auch in ehemals West war, ist und bleibt die kleinbürgerlich Piefigkeit. Du bist so wunderschön, Berlin!
Was ich an den Image-Kampagnen der großen Schwester Hertha schon seit Jahren kritisiere, ist ja dieses blind-taube Ignorieren der eigenen Identität. Ich bin mir sicher, dass Hertha sich erfolgreich als Marke etablieren könnte, wenn sie sich mehr auf den ihr eigenen Eck-Kneipen-Mief konzentrieren würde. Niemand mit einer echt blau-weißen Seele interessiert sich für play.berlin oder Aus Berlin. Für Berlin. Vielleicht kann man damit ein paar Brandenburger überzeugen. Aber auch nur vielleicht. Wahrscheinlich nicht.
Spielt sich der kleine eiserne und ebenso piefige David aus Berlin-Köpenick jedoch als alternativer Mainstream-Punk (sic!) auf, wird das nicht weniger peinlich als die blau-weiße Großmannssucht der alten Dame Hertha. An die Lernfähigkeit des Charlottenburger Managements glaube ich nicht mehr. Ich habe mich damit abgefunden, dass die alte Dame in meinem Leben wohl gerne etwas anderes werden möchte als sie bleiben wird und werden könnte. Ein Hoch auf die Schizophrenie!
Für den kleinen eisernen David besteht allerdings noch Hoffnung. Vielleicht werden in Zukunft auch ein paar Herthaner raus zur Alten Försterei fahren, weil man dort noch ein gepflegtes Pils bekommt, das man in piefiger Ruhe unter Gleichgesinnten konsumieren kann. In einer kleinbürgerlich engen Welt, in der der Fußball bleibt was er in seinem Kern ist: Ein netter Zeitvertreib, der einem Orientierung und Sicherheit gibt, für ein Leben, das eh aus viel zu vielen Herausforderungen besteht.
Ich hoffe, dass der kleine eiserne David aus den Fehlern seiner großen Schwester Hertha lernt. Falls nicht, bleiben uns die Derbies in der ersten Liga. In der kommenden Saison. Ich freue mich schon!
Dragoslav Stepanović. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. Und das wars dann auch. Tschüss, bis neulich.
Ja, schon gut, ich will auch nicht als die Blutgrätsche der Urlaubsvertratung in die Annalen eingehen.
Ich blicke mal in die Saisonzukunft und muss mich zusammenreißen, um nicht einzuschlafen. Und Dragoslav Stepanovic steht immerhin für eine schöne, ruinöse, unsinnige, aber dafür auch total aufregende Zeit der Eintracht (schmunzel) aus Frankfurt. Wenn ich aber in diesen Tagen auf die nächste Saison schaue, dann kann ich da nicht von Freude oder Aufregung sprechen. Es läuft wahrscheinlich auf einen Platz im Mittelfeld hinaus. Es wird keinen Abstiegskampf geben, dafür mal so am 10. Spieltag ein kleine Zeit auf einem UEFA-Cup… Europa League-Platz, danach werden 7 von 10 Spielen verloren und es endet auf Platz 14. Gähn!
Ich Miesepeter. Damals aber, als die Eintrachtführung noch mehr so im Halligalli-Milieu angesiedelt war und Leute wie Andreas Möller (»Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.«), Anthony Yeboah, Uli Stein und Uwe Bein eine Achse der Entzückung bildeten, da war noch Saft im Sack.
Und – wer erinnert sich nicht? - 1999, letzter Spieltag, 89. Minute, da macht der Jan-Aage Fjörtoft einfach das 5:1 und ich sitze da mit Premiere ohne Bild und Radio und alleine in der Stube und wusste nicht, was ich machen sollte, also schrie ich aus dem Fenster und zwar vor Freude, denn das war der »Nichtabstieg«. Als Fan von Vereinen wie Vfl Bochum, Fortuna Düsseldorf und Kickers Offenbach, weiß man so einen Nichtabstieg noch zu schätzen. Der ist so wichtig wie für die Bayern die Schale am 34. Spieltag und ungefähr soviel Wert wie (Hahahaha) der Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Aber was erzähle ich hier denn hier für einen mainstreamigen Schmonz der ambitionierten Leserschaft? Sorry, aber das macht es doch aus. Ich will gar nicht von den zwei Toren am Ende der Saison 2002/2003 sprechen. 6:3 gegen SSV Reutlingen mit zwei Toren in der Nachspielzeit, die dann erst den Aufstieg klar machten. Die Mainzer lagen sich schon feiernd in den Armen, da bei ihrem Fastnachtsbrunnen. Klar, zwischendurch mal fast in die Insolvenz gegangen, so mit weinenden Männern und so und dann doch noch über die Schippe gesprungen.
Das wird es so erstmal alles nicht mehr geben. In der nächsten Saison wird es langweilig mit der Eintracht. Die Finanzen sind im Griff, das Mittelmaß wird gehalten, Gekas schießt ein paar Tore und Skibbe wird auch diese Saison nicht mehr auf seine alte Frisur verfallen. Bayern wird Meister und zum ersten Mal seit 190 Jahren finde ich das auch noch nicht mal so schlimm. Ich mag die Bayern neuerdings. Ich weiß manchmal gar nicht, wie das kommen konnte, aber das System van Gaal gefällt mir. Schalke, ja, die können immer überraschen, aber der Galaktische wird am 15. Spieltag von van Bommel umgenietet und fällt dann bis zum St. Nimmerleinstag aus. Vielleicht wird Schalke Herbstmeister, aber naja… Kaiserslautern vielleicht als Überraschungsei und der HSV wird sich noch wundern. Wie so oft. Das ist mir aber alles herzlich wurscht. Die nächste Saison wird wie die WM: alles gut organisiert, ein paar Favoritenstürze, aber insgesamt langweilig. Dazu noch ein paar Trainerentlassungen (Armin Veh ist der erste, der gehen muss) und am Ende wird es weder bei den Absteigern noch oben richtige Überraschungen geben. Lest das hier mal Mitte/Mai 2011. Ihr werdet Euch noch wundern, was ich für ein Seher bin. Was macht eigentlich der KSV Hessen Kassel?
Im Pokal gelten bekanntlich eigene Gesetze. (In Derbys auch, setze ich mal hinzu). Dieser Satz fürs Phrasenschwein wird oft und gern zitiert, wenn vermeintlich unterlegene Fußballmannschaften den “Giganten” ein Schnippchen schlagen. Ich wünsche mir sehr, dass das Phrasenschwein nicht zuschlägt, wenn unsere Helden am 15.August in Leipzigs Rote-Brause-Arena in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den Regionalligisten Hallescher FC antreten. Ab der zweiten Pokalrunde allerdings, wenn dann hoffentlich rennomierte Klubs im Stadion An der Alten Försterei aufkreuzen, bin ich sehr dafür, dieser Phrase wieder Leben einzuhauchen. Wir brauchen das Geld! ;)
Unser Stadtrivale aus dem Charlottenburgischen kennt das frühzeitige Ausscheiden im DFB-Pokal ja ebenfalls zur Genüge. Nun hätte man, vorausgesetzt beide Klubs überspringen die Hürden der ersten Hauptrunde (die alte Dame muss  immerhin einen weitaus beschwerlicheren Anfahrtsweg ins oberschwäbische Pfullendorf bewältigen), die Chance, in dieser Saison dreimal gegeneinander ran zu dürfen. Also, Strengt euch an!
Zwei Liga-Derbys sind uns aber gewiss. Für mich sind sowieso nur diese Begegnungen von Teams aus derselben Stadt richtige Derbys. Da mich die von vielen inflationär verwendete Begrifflichkeit nervt (das „Brandenburg-Derby“, das „Ost-Derby“, vielleicht schwafelt Herr Reif demnächst auch vom Deutschland-Derby, wenn zufällig Bayern und Schalke in der Champions-League aufeinandertreffen sollten, und warum war eigentlich Holland gegen Spanien nicht das Europa-Derby???) enge ich die Wortwahl sogar noch weitaus strikter ein, als manche Erklärungen es verlauten lassen.”Regionaler Bezug” ist sowieso sehr subjektiv. Was habe ich zum Beispiel mit Cottbus zu tun, wenn immer wieder vom „Berlin-Brandenburg-Derby“ palavert wird? Entfernung allein zählt sicherlich auch nicht. Fragt mal die Bremer, wenn die an die Elbe müssen.
Neenee, 1860 vs. Bayern, oder auch (immer wieder gern und in diesem Jahr in neuer Auflage) der HSV gegen den FC St. Pauli, das sind die richtigen Derbys. Und nun endlich auch der 1. FC  Union Berlin gegen Hertha BSC. Zwar nicht in der 1. Bundesliga, aber immerhin!
Bereits Mitte September,  am 4. Spieltag,  findet das erste Aufeinandertreffen in Köpenick, im Stadion An der Alten Försterei statt. Ausverkauftes rappelvolles Haus dürfte gewiss sein. Leider werden nur knapp 2.000 der Hertha-Anhänger dieses Spiel live verfolgen können, denn mehr gibt der Gästeblock nicht her. Und es ist zu erwarten, dass nicht allzu viele Tickets in den freien Verkauf gelangen, denn unsere Mitglieder und Dauerkartenbesitzer werden hundertpro ihr Vorkaufsrecht ausnutzen.
Das Rückspiel, dann im winterlichen Olympiastadion, wird für uns nach langer Zeit wieder einmal ein mit der S-Bahn zu erreichendes Auswärtsziel. Vorausgesetzt, die fährt dann auch.
Egal,  wir sind erfinderisch und flexibel! Da zu dieser Jahreszeit bestimmt nur wenige mit dem Fahrrad fahren werden, (insgeheim hatte ich ja auf einen fahrradfreundlicheren Ansetzungstermin gehofft, um dann eine rot-weiße Fahrradkarawane gen Westend zu geleiten) könnte man ja auf Schlitten und Skier umsteigen. Oder mit nem Eisbrecher bis Ruhleben. Und zur Not fährt ja auch die U-Bahn noch.     Â
Auf ein spezielles Derby kann ich in meinem weiteren Dasein getrost verzichten. Davon habe ich in den letzten 35 Jahren auch schon etliche, teils sehr dynamische,  erleben müssen, zuletzt im Mai 2006 in Hohenschönhausen. Ich denke aber, das hat sich inzwischen auch rein sportlich erledigt.Â
Wir freuen uns jedoch auf zwei hochkarätige Zweitligaspiele gegen die Hertha!
Und am 22. August, wenn unsere Zweete in der Oberliga Nordost ihr Heimspiel gegen einen Verein aus dem Nordosten Berlins absolviert, dann sind wir alle da und passen auf, dass unser Wohnzimmer schön sauber bleibt. Auch für Gäste gilt: Bitte vor der Türe Füße abtreten!
Man kann sein, wo man will und tun, was man mag: selbst wenn man in Frankreich Goethe liest – Union lässt einen nicht los. Milan schreibt uns von unterwegs, und euch auch!
Auf einer Anhöhe vor dem Flusse Charante bei brütender Abendhitze, unter einem Walnussbaum und mit einer guten alten Steinmauer im Rücken lässt sich’s leicht entrückt fühlen. Schreiben wir das Jahr 1794?
Vielleicht ist hier gerade die Revolution durch, in Paris werden weiter Köpfe gehackt, in den Tropen Weimars gibt Goethe die ersten Bücher des Wilhelm Meister in Druck. Nein. Eine Ausgabe von 1988 hab ich ja auf dem Schoß. Ein Indiz, das mich in die Gegenwart zurück träumen lässt.
Darin lese ich etwas, das mich ganz aus den Träumen holt und die Erinnerung an das 1:0 gegen Bochum im Pokal wach ruft. Als Daniel Ernemann in der Schlussminute Wassilew anguckt , der ihm zunickt. Woraufhin Ernemann seinen Posten hinten verlässt, unbeachtet am Strafraum auftaucht und ihm der Ball durch göttliche Fügung, wir wollen das mal nicht Zufall nennen, vor die Füße rollt, von wo aus er das Ding mit aufreizender Lässigkeit (wie damals der Kurier schrieb) rein machte. Der Torpogo war nicht einmalig, aber wie immer unbeschreiblich.
Goethe hat mir auf das Heftigste diese und einige andere Szenen, eine mit Nikol, manche mit Texas u.ä., in meinem südwestfranzösischen Aufenthalt aufgedrängt, so dass ich meine, dieser Johann eisern von Goethe würde heute einen außerordentlichen Sportkommentator abgeben. Und ganz sicher wäre er Fan. Wahrscheinlich nicht von Motor Weimar. Da müsste mehr kommen, aber dann doch von Carl Zeiss Jena, wo er eine Zeit lang seine Freunde H.v.Humboldt, Fichte und Schiller besuchte – und als wahrer Weltgeist hätte er sicher die Kunde von Union aus der Hauptstadt offenen Herzens mit den üblichen Folgen aufgesogen.
Da aber damals der Fußball noch nicht mal in England zu Hause war, begeisterten sogar Seiltänzer die vor das Wirtshaus herbei strömenden Volksmassen, und endlich kann ich zum Zitate greifen:
“Narziß und Landrinette ließen sich in Tragsesseln auf den Schultern der übrigen durch die vornehmsten Straßen der Stadt unter lautem Freudengeschrei des Volks tragen. Man warf ihnen Bänder, Blumensträuße und seidene Tücher zu, und drängte sich, sie ins Gesicht zu fassen. Jedermann schien glücklich zu sein, sie anzusehn, und von ihnen eines Blickes gewürdigt zu werden.”
Hier horchte ich schon auf und war auf halben Wege an die alte Försterei, aber die nächsten Sätze katapultierten mich direkt auf meinen Stammplatz unten am Zaun auf der Gegengerade.
“Welcher Schauspieler, welcher Schriftsteller, ja welcher Mensch überhaupt würde sich nicht auf dem Gipfel seiner Wünsche sehen, wenn er durch irgend ein edles Wort oder eine gute Tat einen so allgemeinen Eindruck hervorbrächte? Welche köstliche Empfindung müßte es sein, wenn man gute, edle, der Menschheit würdige Gefühle eben so schnell durch einen elektrischen Schlag ausbreiten, ein solches Entzücken unter dem Volke erregen könnte, als diese Leute durch ihre körperliche Geschicklichkeit getan haben; wenn man der Menge das Mitgefühl alles Menschlichen geben, wenn man sie mit der Vorstellung des Glücks und Unglücks, der Weisheit und Torheit, ja des Unsinns und der Albernheit entzünden, erschüttern, und ihr stockendes Innere in freie, lebhafte und reine Bewegung setzen könnte!”
Ich sage in tiefer Verehrung DANKE, lieber Johann Wolfgang von Goethe, dass du mir meine vielen Stadionbesuche auf so kluge Weise begreifbar machtest. Und ich freue mich, das du uns dank meiner 40-bändigen Münchner Ausgabe als Autor erhalten bleibst.
Man denkt, man wär bei Heidi Klum, irgendwo im Bild hat sich das Topmodel versteckt, und man soll es jetzt suchen. Es war dann aber doch das 11Freunde-WM Quartier, das sich doyoufootball und der 1.FC Union zur Präsentation der neuen Trikots ausgesucht haben. Man kann nun einwenden “Öax, das ist ja nur für hippe Leute, die hippe Magazine lesen – wat is´n mit normalen Menschen” – aber einwenden kann man ja praktisch immer irgend etwas, und verglichen mit den zu solchen Anlässen üblichen Arkaden, Passagen oder Sportarenen war das eine ganz vortreffliche Wahl.
Es war im Vorfeld klar, wie die Trikots aussehen würden. Dachte ich. Und dann habe ich sie gesehen. Sind genau wie auf der Zeichnung, bloß ganz anders. Klare Farben. Extreme Straßentauglichkeit speziell bei dem Grünen. Hosen, Stutzen und Trikot immer einheitlich in einer Farbe. Keine komischen Karos. Dass man das mal als Pluspunkt vermerken würde!
Befragt, ob die so in Ordnung wären, sagt Karim Benyamina “Mir steht jedes Trikot”, aber auch Jan Glinker (“Das Lila stand nur Buschi, mir nicht”) will seines diese Saison anziehen. Burlington, übrigens. Da kann sich die Strickjacke von Mehmet Scholl mal ein Beispiel dran nehmen.
O-Töne zur Trikotvorstellung vor allem vom Geschäftsführer von doyoufootball, Bernd vom Geldern, im Podcast:
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Seit heute Vormittag berichtet wurde, dass Michael Ballack aufgrund eines Innenbandrisses auf die WM wird verzichten müssen, geistern verschiedene Ersatzvarianten durch das Internet. Beispielhaft dafür die von heinzkamke bei Twitter.
Gesucht wird ein torgefährlicher Mittelfeldspieler und da kann eigentlich nur die, laut Sky Top-11 der Saison, “personifizierte Standardsituation” in Frage kommen: Torsten Mattuschka. Anstatt sich zu freuen, kommen natürlich zuerst die Bedenkenträger in rot-weiß hervor.
Der Einwand mag berechtigt sein, wenn bedacht wird, dass Mattuschka in der vierten Liga zu Union kam und sich selbst in die zweite Liga katapultiert hat. Zehn Tore und sieben Vorlagen sprechen ihre eigene Sprache. In Anspielung auf die ab und zu sichtbar gewesenen Schwankungen des Kampfgewichts wird jedoch klar ein Vorteil in der WM-Teilnahme gesehen.
Argumente, die auch die Zweifler überzeugen. Zumal, wenn sie selbst kürzlich erst den Rennsteiglauf absolviert haben.
Wäre das also geklärt. Nur was passiert mit Tusches Lied? Zwei Vorschläge wurden bereits eingereicht.
Morgen in Schönow lautet also die entscheidende Frage an Mattuschka: “Hat sich der Bundestrainer schon bei Ihnen gemeldet?”
Erinnert sich außer mir noch jemand an die BMW-Art Cars? Die sind rein gar nichts gegen das, was ein guter Grafiker aus einem gewöhnlichen Mercedes machen kann. Klicken Sie hier und sehen Sie selbst. Ihr ah! und oh! dürfen Sie in die Kommentare schreiben oder direkt an Daniel Blauschmidt richten, bittesehr.
Und nur um den Gerüchten vorzubeugen: Holger Bahra lernt keinen neuen Beruf, der bleibt Torwarttrainer – auch wenn er da mit Auf-Achse-mäßiger Lässigkeit hinterm Steuer klemmt, wie Manfred Krug es nicht besser könnte. Den anderen Jungs, die alle “Mannschaftsbusfahrer” als Berufswunsch angegeben haben, sei gesagt: den Job macht schon jemand anders, leider. Ich habe ihn einparken sehen. Ich glaub, der kann das wirklich.
Es gibt es etwas zu feiern. Kein Tor. Denn mit dem Schießen von Toren tun sich momentan einige Berliner Fußballklubs schwer. Aber abseits von den Ergebnissen des Spieltages in den verschiedenen Ligen lädt das Fußballfilmfestival 11mm am Montag, den 15.03., zum Union-Abend. Im Kino Babylon werden ab 19 Uhr in einer Doppelvorstellung die beiden Filme “Eisern vereint” und “Das Rudel” gezeigt. Die Eintrittskarte kostet für beide zusammen 6,50 €.
Eisern vereint
Das erste Mal im Kino zu sehen, befasst sich der Dokumentarfilm von Andreas Gräfenstein mit einem der am meisten identitätsstiftenden Ereignisse in der Geschichte des 1. FC Wundervoll. War das 8:0 gegen den BFC Dynamo vor fünf Jahren in der vierten Liga für viele ein noch zu erledigender Punkt auf der To-Do Liste, so gab der Stadionbau die Möglichkeit, sich mit dem Verein zu identifizieren, ohne sich von anderen abgrenzen zu müssen. Eine Art positiver neuer Gründungsmythos, der auch die Möglichkeit schafft, sich Union jenseits der Herkunft aus der DDR zu nähern. Gräfenstein hat die Stadionbauer vom Beginn bis zum Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC begleitet.

Das Rudel
Viel wird über Ultras gesprochen und geurteilt, ohne sich ein Bild dieser Gruppierungen zu machen. Das liegt zum Teil sicher auch daran, dass diese selbst sehr verschlossen sind und sich den Medien gegenüber kaum äußern. In diesem Dokumentarfilm gelingt es dem Regisseur Alexander Schimpke, Zugang zu den Ultras des 1. FC Wundervoll zu erhalten. Er begleitet sie bei einem Regionalligaspiel gegen Dynamo Dresden. Die Kamera folgt der Blickrichtung des Capos – Rücken zum Spielfeld und Gesicht zu den Rängen. Der Film vermittelt Einstellung und Gefühle der Ultras und die Bilder wirken mit einer ungemeinen Kraft auf den Zuschauer. Die Entscheidung, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden, nimmt der Film den Zuschauern trotzdem nicht ab.

Seit Jahren freue ich mich auf ein Pflichtspiel des 1. FC Wundervoll gegen die Tante aus Charlottenburg. Unerreichbar. Da Olympiastadion und einziger ernstgenommener Fußballbezugspunkt in Berlin. Der Hauptstadtklub eben. Hier die Skandalnudel mit marodem Stadion und einem kleinen aber leidensfähigen Kreis an Anhängern. Da erfolgreich. Hier erfolglos. Die einzige Hoffnung auf ein Aufeinandertreffen war die Losfee für den DFB-Pokal.
Nun wird es also immer klarer. Hertha kommt in die zweite Liga. Für welche Dauer vermag kaum jemand zu beschreiben. Das wird eine Zäsur für den Klub, der auf diesen größten anzunehmenden Unfall nicht vorbereitet war. Aber das ist vielleicht auch eine Chance, wieder zu sich selbst zu finden. Ich freue mich jedenfalls auf die beiden Punktspiele. Und eines davon im Stadion an der Alten Försterei: Willkommen!















