Archive for the 'spielen' Category

Jetzt geht wieder alles von vorne los.

Zum offiziellen Trainingsauftakt prasselte die Sonne so kräftig von oben, dass die Würstchen schnell gewendet werden mussten, damit sie sich an der Kohleglut abkühlen konnten. Auch die zahlreichen Zuschauer beim Training, die Zahlen schwanken zwischen 1000 und 3000 Besuchern, suchten ihr Heil im Schatten der kleinen Haupttribüne. Kurzzeitig sorgten die Ordner für Verwirrung, als sie den Zuschauern die mitgebrachten Getränkeflaschen abnahmen. Dafür gab es dann eine wortreiche Entschuldigung von Vereinsseite, die das Malheur zum eigenen Bedauern erst spät bemerkte.

Torhüter beim Aufwärmen Trainingsauftakt 12.07.2010

Trotzdem war die Stimmung sowohl auf den Rängen als auch bei den einzeln vorgestellten Spielern und Mannschaftsbetreuern ausgelassen. Die drei Torhüter führten ihre Trikots in jeweils unterschiedlichen Farben vor. Dabei ragte der neuverpflichtete Marcel Höttecke von Dortmunds U23 nicht nur wegen des schwarzen Jerseys heraus. Seine Statur ließ ein breites Gemurmel bei den Anhängern erklingen.

Nach einem kurzen Aufwärmprogramm gab es ein Trainingsspiel zwischen roten und grünen Trikots. Während grün zunächst die bessere Figur machte und schnell 2:0 durch Tore von Jérôme Polenz Chinedu Ede (Danke für den hinweis im Kommentar) und John-Jairo Mosquera führte, zeigte die rotgewandete Mannschaft Steherqualitäten. Den Anschlusstreffer markierte Halil Savran und den Ausgleich der zunächst mit sich unzufrieden wirkende Karim Benyamina. Aber wirkliche Rückschlüsse konnte man aus dem Spiel nicht ziehen. Vielleicht nur den, dass, sollte die Mannschaft von Verletzungen verschont bleiben, das spielerische Element offensichtlich gestärkt wurde.

Pressesprecher Christian Arbeit interviewte beim Auslaufen die einzelnen Neuzugänge. Beim Doppel Ahmed Madouni und Santi Kolk mischte sich nach einer Bemerkung des Niederländers über die Trainingsmethoden Uwe Neuhaus ein.

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Nach dem Spiel nahm sich Trainer Uwe Neuhaus etwas Zeit, um Stellung zu verschiedenen Themen zu geben.

Erster Eindruck von Santi Kolk

Er hat die Woche in Oberhof nicht mitmachen können, weil die Sache da noch nicht perfekt war. Wir wollen ihm ein bißchen Zeit geben, um sich einzufinden. Im Trainingsspiel war das nicht einfach, da er nicht wußte, was er machen soll. Er wollte der Rolle, die von ihm erwartet wird, gerecht werden. Aber man hat gesehen, dass das nicht nur auf ihn, sondern auch auf die anderen zutrifft, die hier auch mal wieder den Ball gesehen haben. Den einen oder anderen hat es gewundert, dass der Ball noch rund ist.

Einschätzung zu Halil Savran

So, wie ich ihn kennengelernt habe und wie er sich im Trainingslager und im heutigen Spiel gegeben hat, ist er von seinem Naturell her ein absoluter Kämpfertyp. Er beißt sich in die Aufgabe hinein, steckt nie auf und kann der Mannschaft durch seinen unbedingten Einsatzwillen sicherlich weiterhelfen. Er selbst ist ja aufgestiegen und weiß, dass es für ihn schwer wird. Aber er ist bereit, jede Aufgabe anzugehen und ich bin davon überzeugt, dass er jede Woche seine Chance suchen wird. Er wird immer wieder angreifen und die anderen Stürmer unter Druck setzen.

Ich weiß nicht, ob er am ersten Spieltag dabei sein wird oder am zweiten oder dritten. Aber auf eines ist Verlass: Auf seine Mentalität und seine Einstellung. Er steckt nie auf.

Das zweite Jahr ist das schwerste

Ist das so? – Es könnte sein, wenn man die Aufgabe nicht konzentriert genug angeht und sich auf der sicheren Seite wähnt. Das betrifft jeden einzelnen Spieler, aber auch den Trainerstab. Wenn wir in der täglichen Trainingsarbeit unsere Aufgaben vernachlässigen, dann kann das zweite Jahr nicht nur das schwierigste, sondern auch das letzte sein.

Aber dessen sind wir uns bewusst. Wir werden die Sache so angehen, dass wir die Mannschaft in die Pflicht nehmen, jeden Tag ordentlich und gründlich zu arbeiten. Und dann bin ich davon überzeugt, dass wir eine gute Saison spielen.

Das Derby gegen Hertha früh in der Saison

So gehe ich nicht an die Sache heran. Mir ist es egal, wann wir Hertha zu Hause hoffentlich schlagen. Wir dürfen die Saison nicht auf zwei Spiele reduzieren. Schon beim ersten Spiel in Aachen müssen alle Lampen glühen. So müssen wir in die Saison gehen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass irgendwann Hertha kommt und dann irgendwann das Rückspiel. Da verpassen wir den Rest der Saison.

Kunstschuss.

Freunde sind Menschen, die man mit Kuchen besuchen geht, obwohl es für einen Kuchenbesuch weder Grund noch Anlass gibt. Ein einfaches “Ich bin grad in der Stadt” genügt, flugs sitzt man eingeladen von Andora ostermontags auf den ausladenden Sitzmöbeln der Eisernen Botschaft und begreift, dass Kunst und Fußball so nahe beieinander liegen, dass sie in derselben Hutschachtel Platz finden.

Die Eisernen Botschafter sind ein Union-Fanclub, und wie jeder anständige Fanclub behaupten sie von sich, “der etwas andere Fanclub” zu sein. Das ist nur folgerichtig, denn andernfalls hätte man sich einem bereits bestehenden Bündnis anschließen können. Es gab aber bislang keines, das sich “KULTUR!” auf seine bissigen Eckfahnen schreiben wollte; keines, das außerhalb des Stadions mit Mitteln der Kunst die frohe Kunde vom König Fußball unters Volk bringen mochte; keines, das neben der Kapitänsbinde von Steffen Baumgart, dem Trikot von Joachim Sigusch, der ersten Union-Trainingsjacke aller Zeiten und dem ersten Union-Ausgeh-Anzug aller Zeiten -beide von wahrhaft sehenswerter Scheußlichkeit- wunderschöne, farbenfrohe Skulpturen und Bilder bewahrt, die die Geschichte des 1.FC Union Berlin erzählen.

Die Eiserne Botschaft ist kein Clubraum im landläufigen Sinne. Sie ist Werkstatt, Ausstellungsraum, Versammlungs- und Begegnungsstätte in einem. “In einem” meint nicht nur, dass man dort werken, ausstellen, sich versammeln und wen treffen kann, sondern vor allem, dass das alles in ein und demselben Raum stattfindet. Später sollen es zwei werden.

Ein Botschaftsbesuch ist eine Entdeckungsreise, keine Museumsbesichtigung. Klingt das wie ein sozialpädagogisches Kunstprojekt? Vielleicht ist es eins. Devotionaliensammlung? Durchaus. Eine Verneigung vor dem Fußball? Unbedingt. Eine Ode an den 1.FC Wundervoll? Aber sowas von!

Man liest überall im Raum deutlich Andoras Handschrift, spürt seinen Gestaltungswillen. Er sagt selbst, dass er viel Inspiration und Schaffenskraft aus der Beschäftigung mit Fußball und dem Verein zieht. “Alles, was bei Union passiert, hat mich im Leben weitergebracht.”

Es ist trotzdem keine Andora-Ausstellung geworden. Andoras Kunst ist der Rahmen, der die Dinge zusammenhält. Ein dominanter Rahmen zwar, aber er wirkt dem Sammelsuriumscharakter, den fußballrelevante Erinnerungsstücke gern annehmen, entgegen. Die Eisernen Menschen von Georg Krause werden hier ebenso ihren Platz finden wie der Grüne-Hölle-Film.

Weil uns alle diese Ideen nicht ganz fremd sind, weil uns über Fußball hinaus auch Fußballkultur interessiert, weil wir Andora und Matti Michalke, die Väter des guten Gedankens, furchtbar gern haben und “bunt” überdies unsere Lieblingsfarbe ist, hat sich das ***textilvergehen*** den Eisernen Botschaftern angeschlossen. Wir glauben bei aller Rivalität an das verbindende Moment des Fußballs. Wir sind uns einigermaßen sicher, dass Kunst solche Verbindungen sichtbar machen kann, und damit ist keineswegs der Doppelschal mit den Wappen zweier Vereine gemeint.

Ein Fußballblog zu betreiben, heisst für uns nicht nur, den aktuellen Spieltag mittels therapeutischer Gespräche (wir nennen es Podcast) zu verarbeiten. Ein Fußballblog soll gefälligst auch Sportpolitik betrachten, Filme besprechen, über Bücher nachdenken, Fußballgeschichten erzählen, Menschen ins Theater schicken, Medien schelten, selten loben und Panini-Bilder sammeln, finden wir. Ein Fußballblog darf das machen, wofür in der Tagespresse kein Platz ist: Unverschämt lange Texte zu abseitigen Themen veröffentlichen. Nötigenfalls auch in Versform. Eines dieser Themen ist für uns die Verankerung von Fußball in der Alltagskultur.

Möglicherweise sind wir Idealisten.

Mehr Fotos aus der Eisernen Botschaft gibts in der Galerie. Wer sich das Ganze in Wirklich und von Nahem ansehen möchte, der Sammlung Fundstücke hinzufügen oder ein Kunstobjekt erwerben will, eine gute Idee hat und die teilen mag, schickt eine E-Mail an andora(at)andoraworld(punkt)com und verabredet einen Termin.

Der König der Mittelstürmer.

Meine Oma sagte über Unvorstellbares immer “Dit jibs do in keen Russenfilm”, und das musste man dann wirklich gesehen haben. Ich konnte mir bis heute keinen schwarzweißen Fußballstummfilm mit leibhaftiger Klavierbegleitung vorstellen. Drum hab ich mir einen angesehen. “König der Mittelstürmer” ist einer der ersten deutschen Fußballfilme überhaupt, kam 1927 in die Kinos und ist einfach unfassbar … komisch. Das ist in weiten Teilen durchaus so beabsichtigt, denn es handelt sich um eine Komödie, gelegentlich ist die Komik jedoch unfreiwillig, weil dem Zeitgeist geschuldet. Und dann ist es besonders lustig.

Das Allerschönste aber ist: der Film funktioniert. Man könnte dieselbe Geschichte heute noch auf die selbe Weise erzählen: Fußballspielender Sohn eines insolvenzbedrohten Geschäftsmannes trifft reiche Erbin (“Reden Sie mir nicht von Liebe”), Mittelstürmer ist kein gesellschaftlich anerkannter Beruf, der Junge soll lieber was Richtiges arbeiten, es folgen einige Liebesturbulenzen, ein eifersüchtiger Nebenbuhler sabotiert den glücklichen Fortgang der Ereignisse, jedoch zeigt sich am Ende die Frau dreifach einsichtig. Erstens, sie bittet den künftigen Schwiegervater, den König der Mittelstürmer (“Ohne Tull keine Meisterschaft”) wieder spielen zu lassen. Zweitens, sie bandagiert seine Sportverletzungen (“Wunderheilung”). Drittens, sie liebt ihn trotzdem. Oder gerade weil. Und am Ende gibts einen Platzsturm, wie wir ihn 2009 zuletzt gesehen haben.

Erstaunlich ist der Film trotzdem, wenn man ihn im Kontext seiner Zeit betrachtet. Filmtechnisch beeindruckend sind die Fußballszenen, die das ganze Drama Fußball einfangen. Der Film selbst ist universell verständlich. Stummfilmschauspieler mögen in Gestik und Mimik übetrieben wirken, und manchmal muss eine wenig dezent geschminkte Augenbraue einen Dialog ersetzen, was speziell an männlichen Darstellern außerhalb von Vampirfilmen sonderbar anmutet – trotzdem käme der Film auch ohne seine Texttafeln aus, weil die Bilder klar sind und die Geschichte stringent erzählt wird.

Und schließlich: Schießen Sie ja nicht auf den Pianisten! Dramatische Musik kann man gar nicht genug überschätzen. Im Stummfilm ist sie unersetzlich.

Derbyzeit

Das Kribbeln fängt langsam an. Nicht das Kribbeln vor Beginn der Rückrunde. Das wird aufgrund der kurzen Pause sicherlich gar nicht erst kommen. Das Kribbeln vor dem Derby

Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits im letzten Sommer bei der Neueröffnung des Stadions an der Alten Försterei. Zum neuen Jahr spielten nun in der Max-Schmeling-Halle sechs “Traditionsmannschaften” ein kleines Hallenturnier. Es waren nicht Traditionsmannschaften im herkömmlichen Sinne sondern mit mehr oder weniger zugkräftigen ehemaligen Spielern besetzte Teams.
Abgesehen vom Wiedersehen mit ehemaligen Unionern wie Mike Rietpietsch oder Mirko Votava elektrisierte vor über 6.000 Zuschauern vor allem ein Spiel: 1. FC Union Berlin – Hertha BSC. Beide Fanlager standen sich in der Halle genau gegenüber. Und der Austausch von Nettigkeiten ging während des Spiels auch vonstatten. Dem “Scheiß Union!” wurde von der anderen Seite mit “Absteiger!” gekontert und die Herthaner veränderten zum Finaleinzug ureigenstes Köpenicker Liedgut und sangen “Siehst Du Union, so wird das gemacht!”. Die marktschreierische Hermeshousebandisierung durch den Hallensprecher hätte es bei dieser Ansetzung sicherlich nicht gebraucht.
Es war eine Spaßveranstaltung. Auch als kurz vor Schluss der Partie ein (angezogener) blau-weißer Flitzer über den Kunstrasen lief. Er konnte sich zwar Sebastian Bönig und den Ordnern entziehen, wurde aber von einem Zuschauer mit rot-weißem Schal gestoppt.
Der 1. FC Wundervoll beendete das Turnier mit einem guten dritten Gruppenplatz und Hertha zog sieglos ins Finale ein. Alles wie gehabt. Sollte die alte Dame in der nächsten Saison der zweiten Liga einen Besuch abstatten, gäbe es bestimmt zwei großartige Spiele in Berlin – die ersten Pflichtspiele gegeneinander. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser die Wuhle und Spree hinunter. Und ein Aufeinandertreffen in Liga zwei muss eigentlich nicht sein.

Gruppenspiel 1. FC Union Berlin – Hertha BSC zum Nachhören:

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Trainingsbeginn Rückrunde

Es war noch nicht einmal Zeit für das Aufräumen des Wohnzimmers gewesen. Überall lagen noch Papierschnipsel und Kerzenreste vom frohen Fest herum. Schon ging es jedoch wieder an die Arbeit. Auf nassem leicht vereistem Untergrund. “Guten Morgen!” ruft es den professionellen Besuchern des Trainings entgegen. Je nach Laune des Angestellten in Trainingshosen kommt es mürrisch, frotzelnd oder frohgemut herüber. In einer normalen Firma würden die Angestellten dem ersten Arbeitstag nach Weihnachten auch nicht anders begegnen.
trainingsauftakt_nach_weihnachten
Kurze Versammlung am Mittelkreis des Kunstrasenplatzes an der neuen Ballsporthalle. Dann laufen die Feldspieler um den Platz während sich alle drei Torhüter mit dem Torwarttrainer separat warmmachen. Der Schneeregen ist mittlerweile in einen Dauernieselregen übergegangen. Kein richtiger Guss. Aber so permanent, dass einem bereits nach kurzer Zeit das Gefühl beschleicht, dass es durch die Sachen regnet. Kibitze für das Rückrundenauftakttraining – keine. Ein Anflug von Normalität? Oder vielleicht auch gar nicht so schlimm. Vor einer Woche das letzte Spiel gehabt. Und in zweieinhalb Wochen geht es bereits wieder los. Wo soll da die Vorfreude herkommen?
Ein mehrfaches Durchzählen ergibt: 26 Feldspieler plus drei Torhüter. Fehlt jemand? Ja, Daniel Göhlert. Ansonsten sind alle wieder da. Auch Karim Benyamina, der sich bereits auf dem langen Weg vom Kabinencontainer zum Kunstrasenplatz mit Shergo Biran um den Ball balgt. Die Lust am Ballspiel ist bei den beiden förmlich mit den Händen zu greifen.
Die Feldspieler werden aufgeteilt in zwei Gruppen. Die Jungen und die Alten. Kurzer Protest eines “Alten”: “Ich bin jung. Ich bin jung.” Dann geht es los: Sidesteps, Dribbeln, Lauf-ABC, kurze Sprints. Wie beim Training der Kinder, muss auch hier der Trainer ermahnend eingreifen. Und so ruft Uwe Neuhaus ab und zu energisch, wenn jemand den Weg abkürzen möchte: “Um die Markierungen laufen!” Bei der Gruppe der “Jungen” fällt auf, dass es einige mehr als sonst sind. Mit Philip Grüneberg, Fabian Fritsche, Marcus Mlynikowski und Boné Uaferro trainieren vier Junioren aus dem eigenen Nachwuchs bei der ersten Mannschaft mit. Vielleicht eine Belohnung für die Länderspielnominierungen? Aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten vielleicht aber auch ein zukunftsweisender Weg? Auf jeden Fall ein Zeichen, dass sich der Weg zu Unions zweiter Mannschaft lohnen kann, wenn diese nach einem möglichen Aufstieg in der Oberliga spielend vielleicht doch zu einem Sprungbrett in die erste Mannschaft wird.
Die Spieler machen derweil Kreisspiele. Einige dürfen zur “Belohnung” auf dem Nebenplatz sich gegenseitig Medizinbälle zuwerfen. “16 m sind drin!” Das schaffen kaum Spieler. Ihnen ist die Unlust an dieser Übung anzusehen. Sie wird jedoch stoisch ertragen. Ebenso stoisch trägt heute Björn Brunnemann das rosa Leibchen mit der Aufschrift “Bunki der Woche”.
Neben den Journalisten steht ein unbekannter Mann. Ein Spielerberater. Ein neuer Mann spielt vor. Paul Thomik. Vorher beim VfL Osnabrück. Derzeit ohne Verein. Er fällt während des Trainings nicht weiter auf. Vom Stadion her weht derweil ein kalter Wind in Richtung Kunstrasenplätze.
Zum Schluss ein Trainingsspiel. Nicht alle dürfen mitmachen. Die restlichen Spieler dürfen wieder Medizinbälle werfen. Kenan Sahin hängt sich auf dem verkürzten Platz rein und scheut keinen Zweikampf. Er grätscht, er flucht, er schimpft. Michael Parensen winkt auch im Trainingsspiel des öfteren mit der Hand, um auf eine notwendige Spielverlagerung aufmerksam zu machen. Freistoß. Eine Sache für Mattuschka. Sogar die Medizinballwerfer unterbrechen ihre Übung und schauen hinüber. “Schießt endlich ein Tor!” ruft einer. Den Freistoß lässt der Torhüter zur Ecke prallen. Während nach dem Spiel die meisten noch ihre vier Runden auslaufen, müssen die anderen sich ihr Auslaufen erst durch Lattenschießen verdienen. Das ganze Training wirkt routiniert, unaufgeregt. Eben wie die momentane Stimmung bei Union.
2009_12_28_bunki_der_woche

Atmosphäre vom ersten Training nach dem “Urlaub”

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Hefte raus, Klassenarbeit!

trikot

Die Jungs und Mädels von doyoufootball haben uns ein aktuelles Trikot des 1.FC Wundervoll spendiert. Und zwar dafür, dass wir ihre neue Webseite kritisiert (!) haben. Die meinen das offenbar ernst mit der Bodenhaftung und haben ihre Hausaufgaben in Gesellschaftskunde Medienkompetenz auf´s Gründlichste erledigt. Ich wünschte, Reklame käme immer so sympathisch und frei von Gebell daher. Schöne Grüße, Max – und danke!

Wir haben beschlossen, auch in Zukunft bestechlich zu bleiben und Geschenke an unsere Leser weiterzuverschenken. Das Trikot ist Größe L, ich seh darin ein bißchen aus wie Carola Huflattich, das liegt aber an mir, nicht am Trikot – an einem normalgroß gewachsenen Mann sollte es ruckelfrei sitzen.

Was wir uns dafür von euch wünschen, ist schnell erklärt. Macht unseren Job! Schreibt uns was. Malt, fotografiert, filmt, bastelt, singt, pfeift oder trommelt. Habt Ideen. Ich möchte mich zu und zu gerne mal in meinem Schaukelstuhl zurücklehnen und zukucken, wie sich unser Blog von selber füllt. Es sollte im weitesten Sinne mit Fußball zu tun haben, es muss nicht zwingend um den Verein der Vereine gehen.

Denen, die mitmachen, winkt unsterblicher Ruhm – ihr wisst ja, das Internet schläft nie und vergißt nichts ;) Wir veröffentlichen alle Teilnehmerbeiträge, behalten uns aber vor, willkürlich zu entscheiden, wer das Trikot bekommt. Gewertet wird, was bis zum 12.12.2009 bei uns eingeht. Auch Flaschenpost und Brieftauben werden berücksichtigt, ich empfehle jedoch E-Mail oder die Benutzung der Kommentarfunktion.

Wir freuen uns auf euch.

Als wir zu träumen begonnen hatten

Es war kein gutes Wetter. Ein typischer Oktobertag im Herbst. Dazu in Berlin. Das bekommt keine Kampagne gekittet. Die Kulisse war der triste Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Der Rüpel war dieses Mal in Begleitung seines Kindergartenfreundes und dessen Mutter dabei. Kein Stadion für Kinder. Sie sind zu weit weg vom Spielgeschehen. Kein Stadion für Erwachsene, da die fest montierten lächerlich bunten Schalensitze das Stehen behindern.

Die erste Halbzeit war eine mittlere Katastrophe. Da er vom Spiel nicht allzuviel mitbekam, wollte der Rüpel ständig Aufmerksamkeit. Pokémonkarten, Hefte, Bratwurst. Das, was ich vom Spiel mitbekam, war grausam. Paderborn machte das erste Tor. Eigentlich machte das Tor Daniel Göhlert. Ein Eigentor. In der Halbzeit gingen die wenig erbauten Kinder nach Hause. Nein, ich wollte nicht mit. Vielleicht ging ja noch etwas.

Wut auf den Schiedsrichter, der Michael Bemben mit Gelb-Rot nach einem ungeschickten Zweikampf in die Kabine schickt. Ohnmächtige Wut, als Paderborn das zweite Tor schießt. Trotz auf den Rängen. Ob sich das von den Rängen auf den Platz übertrug oder umgekehrt, das kann ich nicht beurteilen. Aber bei der Mannschaft zeigte sich eine Reaktion, die in schlechten Momenten zu einem Kartenfestival führen kann. Dieses Mal nicht. 74. Minute – Benyamina schießt das 1:2. Wir laut. Vielleicht einen Punkt mitnehmen aus diesem verkorksten Spiel. 82. Minute – Patschinski trifft zum Ausgleich. Wir lauter. Schlechtes Spiel, Schlechter Schiri, schlechtes Wetter. Es war egal. Alle schienen nur ein Wort zu schreien: Jaaaaah! 86. Minute – Benyamina macht das 3:2. Ab dann habe ich nicht mehr viel mitbekommen. Es muss ein Moment völliger Losgelöstheit gewesen sein. Geschrien wurde. Und gelacht. Für Außenstehende sicherlich ein merkwürdiges Bild.

Meine Stimme erlangte ich erst zwei Tage später wieder. Aber wer bei diesem Spiel dabei war, hatte eine Mannschaft gesehen, die unbedingt aufsteigen wollte. Und Karim Benyamina habe ich nie wieder Chancentod gerufen.

Sonntag, 13.09.2009 13.30 h, Stadion an der Alten Försterei: 1. FC Union Berlin – SC Paderborn 07. Dann wahrscheinlich wieder ein ganz normales Fußballspiel.

Kampfziegen.

kampfziegen

Aufgabe: Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen Überschrift und Foto her, der die Vermutung widerlegt, bei den abgebildeten Damen handele es sich um Kampfziegen! Machen Sie darüber hinaus den fußballerischen Kontext deutlich! Sie haben 30 Minuten Zeit, und wer abschreibt, fliegt raus. Auf die Plätze, fertig, los!

Lösung: Ich google “Kampfziege”. Milan rief an. Ob ich Lust hab, Drachenbootrennen zu fotografieren. Ich google “Drachenboot”. Ich habe Lust. Ich könnte auch für das 5Ziegen-Team mitfahren, sagt Milan. Kriegsname: Kampfziegen. Ich antworte etwas ähnliches wie “öhm”. Ich wurde bei Mannschaftssportarten immer als Vorletzte ausgewählt. Nach dem dicken Jungen, aber immerhin vor dem dicken Mädchen. Das kann niemand, der bei Wasauchimmer gewinnen will, ernsthaft in Betracht ziehen. Andererseits: Drachenboot! Allein das Wort schon! Zwischen den Rennen, sagt Milan, ist auf der Wiese rumliegen, Bier trinken und grillen. Das sind nun wieder Sportarten, die ich ausgezeichnet beherrsche. Besonders liegen.

Heute um kurz nach 10 stand ich an der Regattastrecke in Berlin-Grünau und suchte Milan. Dem Manne fehlt, so glaube ich, ein Mobilfunkgerät. Einen einzelnen rotweißen Unioner unter lauter rotweiß angezogenen Unionern auszumachen, ganz ohne Telefonjoker … man hat´s einfach verlernt. Dafür wusste ich nach doppelter Geländeumrundung, wozu ich im Übermut ja gesagt hatte. Ungefähr alle Unionfanclubs waren dort, um angestiftet vom Eisernen Virus den 7. Drachenbootcup auszutragen. Das Team “Geschäftsstelle” mit Sylvia Weisheit an der Trommel, Dirk Zingler und Fanshop-Sylvie an den Rudern sowie Antonio Hurtado am Kochlöffel. Eine Mannschaft namens Eiserne Kubik-Elfen, Einstellungsvoraussetzung für Männer: mindestens 100 Kilo Lebendgewicht; die Frauen waren ab 80 Kilo dabei. Und wirklich & wahrhaftig bezaubernd “My fähr Lady” – die Frolleins mit den roten Hüten, keineswegs Kampfziegen, neinnein.

Ich habe mir im Verlaufe des Tages mehrmals gewünscht, ich hätte 1) ein Handtuch 2) ein trockenes T-Shirt und 3) sämtliche in meinem Besitz befindlichen Badeschlüpper eingepackt. Ich bin drei Rennen mitgefahren und dreimal auf unterschiedliche Weise komplett gewässert worden – und sodann wieder getrocknet. Gelernt habe ich folgendes: 1) Ich bin auch im Rudern schlecht, 2) von Wasser wird die Haut nicht dünn, auch wenn das immer alle sagen und 3) Fotografieren geht aber noch ganz gut.

Fußballfanclubs. Mannmannmann.

Fleißbienchen.

Nur, weil so viel die Rede davon war: das sagenumwobene Fleißbienchen. Zu finden in Brehms Tierleben und in den Muttiheften (in meiner Schule hieß das übrigens “Hausaufgabenheft”) von John Jairo Mosquera & Mac Younga Mouhani.

biene

Endlich wieder da.

Wieder da.

Das Spiel der Spiele – bei www.dugehstniemalsallein.de ist die Ratesaison wieder eröffnet. Das einzige Gesellschaftsspiel, das ich spiele, ohne dass man mich dazu nötigt, hat ein neues Zuhause bekommen. Wer sich jetzt augenblicklich anmeldet, schafft´s noch pünktlich zur ersten Runde.

Endlich da.

Ein Artikel über uns, der manches gewiss etwas schönt, glättet und begradigt, aber dennoch das mit weitem Abstand Verständigste ist, das ich je über Union gelesen habe (via Der Hönower).

Unpolitisch heißt bei Union nicht, was die Vokabel häufig zur Schutzbehauptung von Ignoranz macht. Unpolitisch heißt hier, dass es keine Direktiven gibt, sondern dass eine Gemeinschaft ihre Wertvorstellungen unter sich ausmacht.

[Matthias Dell in Der Freitag: Gute Gesellschaft]

Nie weg gewesen.

Dieses Bild widme ich dem Freund & Mitstreiter mööp. Der mag, sagt er, Suchbilder. Also, wieviele Bälle sind hier in den Thomsdorfer Feuerwehrlöschteich neben dem Fußballplatz gefallen?

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