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Von einem, der auszog, Fußball zu kucken.

Es gibt inzwischen ziemlich viele englischsprachige Texte, die sich mit dem 1.FC Union Berlin beschäftigen. Genannt seien etwa der Wikipedia-Eintrag von Richard Miller, die Blogs ludoeule.posterous.com und unionberlin.com oder die wöchentlichen Beiträge von Jacob Sweetman für den Exberliner. Einige der Genannten schreiben ausschließlich über Union, andere betrachten den Gesamtberliner Fußball. Um große Namen, Arenen und Hummermayonnaise geht es dabei kaum, es kann sich demnach nur um Fußball handeln, vermute ich. Deshalb habe ich Jacob Sweetman gefragt, was ihn eigentlich nach Köpenick gebracht hat. Er hat´s aufgeschrieben, und weil mein Englisch und sein Deutsch von vergleichbarer Brillanz sind, haben wir uns entschlossen, den Text genauso stehen zu lassen. Dass nach allem, was er im Fußball gesehen hat, sein bewegendster Fußballmoment der Blick in die Gesichter der Stadionbauer bei der Wiedereröffnung der neuen Alten Försterei war, versteht ihr sicher auch so.

von Jacob Sweetman

I was at the Alte Försterei on Wednesday for the press conference prior to the first match of the difficult second album, sorry season, in the 2nd division for FC. Union Berlin. The assorted members of the press eyed me suspiciosly. I can see them wondering if this scruffy looking bloke can even speak English, let alone German. What is he doing here?

Well, they may have a good question there. I moved to Berlin three and a half years ago as a drummer for a nominally successful English Rock and roll band who had given up to the dogfight. It was hard work certainly, and financially suicidal, but in Germany we were always treated well and almost, y‘know, respected as musicians so moving to Berlin seemed a pretty straightforward idea, the offer of work making the decision to up sticks easier to make.

Having written for a long time for the fantastic Ipswich Town fanzine „Those Were The Days“- I was 7 days old when Town beat Arsenal in the FA Cup final and have been stuck with them since- journalism always seemed like an excellent dying industry to add to my portfolio after fifteen years of watching record shops in terminal decline from within. It fit‘s perfectly well as someone who derives an almost sexual pleasure from construing tenuous links between the works of Willie Nelson and a bunch of overpaid blokes kicking a ball around. I eventually bullied the excellent Exberliner magazine to make me sportswriter, giving a platform to extemporise all the shit floating around my brain, with the Beatles Bsides and rules for crossing the road meeting up with the sight of Ruud Gullit playing as a very old man sweeper for Chelsea against Town in a league cup match, beautifully pinging pinpoint 50 yard balls to feet like he was a machine.

My frst visit to Köpenick was coincdentally Uwe Neuhaus‘s first league game in charge at Union, a 0-1 loss to Fortuna Dusseldorf in the Regionalliga Nord, my third a last minute 1-0 in a classic Berlin shitstorm of rain in the ultra exposed old Alte forsterei, when the weather was so miserable you couldnt make out the ecer present chimney stacks in the distance that lent the old place so much atmosphere. This was „against modern football“ like so manner baners across Europe were screaming, and I felt immediately at home. The contrasts with the bloated football scene in England where Manchester City would pass through the hands of a reviled dictator and Portsmouth would be led down the road to near extinction by the shady son of an internationally wanted arms dealer. My own team, Ispwich Town, for so long the epitomy of a local club with „roots“ were bought by a billionarie who has still never had his face shown in public- though his name adorns the stadium and the proud blue shirts.

In my time in Berlin I‘ve seen Hertha beat Hoffenheim at a time when they were marauding through the league to finish top at Christmas and I‘ve seen Türkiyemspor‘s triumphant end to last season when they miraculously stayed in the Regionalliga. I sat in front of Werner Lorant at his first game at Tennis Borussia and seen England beat Germany at the Olympiastadion surrounded by increasingly annoyed Dortmunders but nothing comes close to witnessing first hand the tears streaming down the faces of hundreds of ordinary looking men in red plastic builders hats as fireworks ripped the sky apart above the brand new Alte Försterei stadium that they had built themselves. A scene especially poignant to me as having lived in Brighton for ten years I knew how much home really means. The Seagulls‘ will finally have their own stadium a the start of next season for the first time in over 15 years as the old Goldstone Ground was sold off to make space for a Toys R Us.

What I have experienced, and hopefully will continue to, in German football is modern football with more than a wink to the past. As the numbers of English groundhoppers coming over here at weekends multiply like three dicked pigeons, it is strange to reflect on how the home of football has changed and priced out so many of thse who it is supposed to represent in the first place. At Ipswich there is a small movement called Section 6, trying to create a more European atmosphere in the library like silence of Portman Rd with flags and drums. It‘s a huge minority, but as English stadiums grow quieter and pricier it makes me realise how lucky I am here to be involved in such a vibrant football scene, even if my fellow members of the press dont understand a word I‘m going on about.

Danke Borussia, danke Hans Meyer!

Mein Namensvetter Jan auch berühmt berüchtigt unter dem Nick Skandal gibt sich die Ehre und schreibt das erste Mal für das Textilvergehen.  

Am Sonnabend den 7.August 15:30 schließt sich wieder ein kleiner Kreis in meinem Leben. Die Borussia aus Mönchengladbach ist zu Gast in unserem Schmuckkästchen.

Am 6.Februar 2001 gegen 20:00 kam ich zum ersten mal in meinem Leben in das Stadion “An der alten Försterei”. Damals war der VfL noch mein Verein. Dank des Onkels meiner Exfreundin, der sehr gut mit Hans Meyer befreundet ist, bekam ich noch zwei Freikarten über den damaligen Trainer der Gladbacher. Ich wollte “meine” Borussia siegen sehen und anfeuern.

Kurios an der ganzen Sache war, daß ich erstens kein Unioner kannte den ich mitnehmen konnte. Also ging ich mit einem Herthaner hin, der aber im Gegensatz zu mir klar für die Berliner war. Zweitens waren die Karten nicht für den Gästeblock sondern für die Waldseite. Na toll …

Ich war begeistert von der Atmosphäre im proppe vollen Stadion. Es war irre laut und Pyros brannten. Pyros sind ganz schick, wenn man weit weg steht und nicht direkt daneben. Aber ich war elektrisiert und nach ca. 15 Jahren war es toll wieder in einem Stadion zu sein. Aber so wirklich wohl fühlte ich mich bei den Ultras nicht. Einige Sprüche und Komentare gingen mir ziemlich auf den Zeiger.

Wie das mitreißende Spiel ausging wißt ihr ja. Ich war natürlich ziemlich geknickt. Trotzdem blieb die tolle Stimmung in meiner Erinnerung. Ich weiß nicht mehr genau wann, aber einige Wochen später war ich zum Punktspiel wieder da. Mein guter Kumpel Peking nahm mich mit, zu seinen Freunden auf die Gegengerade. Dort fühlte ich mich richtig wohl. Ich wurde von den Leuten super aufgenommen und natürlich gleich für das nächste Spiel verhaftet.

Nun stehe ich seit ca. neun Jahren immer an der gleichen Stelle und möchte kein Spiel mehr verpassen. Es ist nicht nur der Fußball, sondern auch die Leute die mich immer wieder zum Spiel verführen. Union ist eben eine Familie.

Danke Borussia, danke Hans Meyer!

Stadionwurst: Die Prüfung

Nach dem ersten Test der neuen Stadionwurst auf dem privaten Grill gab es am Montag Abend zum Trainingsauftakt bei lauschigen 36 Grad die Möglichkeit, die Würste in ihrer natürlichen Umgebung zu prüfen. Dazu wurde der Holzkohlegrill hinter der Sitzplatztribüne angefeuert.

Würste auf dem Grill zum Trainingsauftakt am 12.07.2010

Der Preis für die Wurst ist stabil geblieben und liegt bei 2 Euro. Allerdings war das Schlangestehen am Montag noch nicht der Härtetest für einen normalen Spieltag. Am Grill ging es gespannt zu. Die erste Überraschung gab es, als die Wurst überreicht wurde. Dass die Würste im Stadion an der Alten Försterei im Brötchen daherkommen ist nichts Neues. Aber die Brötchen waren auch knusprig. Das ist tatsächlich selten. Zur Selbstbedienung stehen noch Senf- und Ketchupflaschen zur Verfügung.

Wursttest zum Trainingsauftakt am 12.07.2010

Beim Gang zur Sitzplatztribüne zeigte sich dann tatsächlich der Vorteil einer kurzen dicken Wurst im Stadionalltag. Zwei Würste im Brötchen konnten bequem mit einer Hand getragen werden. Weder Senf noch Ketchup quillten in der Zeit aus dem Brötchen. So übersteht nicht nur die Wurst sondern auch ihr Träger das Gedränge unbeschadet.

Ansonsten bestätigte die Stadionwurst sämtliche vorher schon festgestellten Testergebnisse. Für Begeisterung sorgte, dass sie auch noch nach einiger Wartezeit knackig bleibt. So kann man sich der Meinung des Stadionbesuchers Jan nur anschließen, der nach dem Test sagte: “Eine tolle Wurst. Diese Saison werde ich mir sicher immer auch eine Bratwurst holen.”

Ein einziger Wermutstropfen bleibt. Wer für die Bratwurst das Stadion nicht verlassen möchte, kann sich zwar an den Buden über den Stehplätzen versorgen, muss dann aber in eine in Öl gebratene Wurst beißen.

Being Ritter Keule.

Es ist grundsätzlich schön, einen Glücksbringer zu haben. Wie schön es ist, ein Glücksbringer zu sein, beschreibt Tobias Kurfer in “Ritter des Rasens”. Der Magazin-Autor versucht sich jeden Monat auf´s Neue in eigenwilligen Berufen, wie etwa Sargträger, Erschrecker, Hundeausführer – oder Fußballmaskottchen. Im Aprilheft beschreibt er seine Erfahrungen als Ritter Keule:

Maskottchen sind ihrer hauptsächlichen Natur nach Wink-Elemente.

Das und die Erkenntnis, dass man -knuffig oder nicht- nur von Kindern einschränkungslos gemocht wird, lassen den Beruf des Mannschaftsbusfahrers verglichen mit dem als Maskottchen in ungeahntem Glanz erstrahlen. Nichtsdestotrotz ein sehr lesenswerter Artikel aus einer eher ungewohnten Sicht auf das Spielfeld.

Getestet: Der Sport-Tag

Die Idee ist nicht neu und in Ländern wie Italien, Portugal oder Spanien funktioniert sie auch leidlich gut: Eine tägliche Sportzeitung. In Deutschland hingegen hat sich dieses Konzept bis heute nicht gegen die qualitativ und quantitativ starken Sportteile der Tageszeitungen und das zweimal in der Woche erscheinende Magazin Kicker durchsetzen können. 2006 im Zuge der WM-Euphorie startete die B.Z. in Berlin mit der Sport-BZ einen Versuch, über die WM hinaus eine tägliche Sportzeitung zu etablieren und scheiterte.

Seit heute wird die Zeitschrift “Der Sport-Tag” herausgegeben. Da die Zeitung zunächst im Verbreitungsgebiet Berlin startet und dann sukzessive auf Deutschland ausgeweitet werden soll, haben wir uns zu einem ersten Test entschlossen.

Die Zeitung ließ sich problemlos an einem Zeitungskiosk mit üblichem Angebot kaufen. Das war auch so angekündigt. Vom Layout macht die Ausgabe nicht viel her. Sie ist übersichtlich gegliedert, kommt aber etwas billig herüber. Das mag an dem Stern liegen, der auf der Titelseite prangt und dem Leser „NEU! nur 0,50 €“ entgegenbrüllt. Vielleicht kommt der Eindruck auch vom Schlagschatten, der hinter „Der Sport-Tag“ liegt.

Der inhaltliche Aufmacher ist das gestrige Formel 1 Rennen. Das geht für eine tägliche Sportzeitung in Ordnung. Links daneben werden die Ergebnisse der 1. und 2. Bundesliga gelistet. Darunter wird ein Hintergrundtext zur Situation der Hertha und den Ausschreitungen im Olympiastadion angeteasert. Sehr klar auch die Appetizer mit Bild zu Ribéry, Eisbären und Manchester United.

Schlägt man die Zeitung auf, wird auf einer Seite der Rennverlauf geschildert. Die Platzierungen sucht man zunächst vergeblich, da auf der rechten Seite yet another Interview mit Michael Schumacher samt Infografik zu seiner Karriere zu finden ist. Erst auf Seite vier befindet sich eine kleine Grafik der Rennplatzierungen und einer gleich großen meines Erachtens überflüssigen bildlichen Darstellung aller Streckenprofile. Das war es.

Das nächste übliche Sportthema sind die beiden Bundesligapartien vom Wochenende. Eine Seite für Bremen gegen Hoffenheim und eine für Leverkusen gegen Hamburg. Der Text steht unter jeweils fast halbseitigen Bildern. Ihm wird zusätzlich noch von einer Aufstellungsgrafik samt sehr schmaler Information zu Torfolge und Auswechslung Platz genommen. Inhaltlich sind die Spielberichte belanglos und machen nicht den Eindruck, jemand sei vor Ort gewesen. Lediglich der Spielbericht zum Sieg der Leverkusener enthält einen nichtssagenden O-Ton von Jupp Heynckes, der auch von Sky oder EyeP.TV hätte kommen können. Sprachlich sind die Texte in einem routinierten 08/15-Agenturstil geschrieben, der niemandem weh tut. Allerdings bieten sie auch entsprechend nichts. Auf weitere Statistiken zum Spiel oder Benotungen der Spieler muss man komplett verzichten. Es gibt lediglich eine größere Tabelle, Torschützenliste, Übersicht der demnächst gesperrten Spieler und eine Kreuztabelle. Ganz harte Hausmannskost. Wenn Leckerbissen geplant sind, hat man sie sich wohl noch aufgespart.

Die Berichte zu den Spielen der 2. Liga bekommen jeweils eine halbe Seite, wobei je nach Bildgröße und Aufstellungsgrafik nur Platz für Texte zwischen 26 und 56 Zeilen bleibt. Detailliert ist anders. Der Statistikteil sieht genauso wie der zur ersten Liga aus. Übersichtlich, könnte man wohlmeinend sagen.

Ganz dünn wird es bei der 3. Liga. Klar gab es viele Spielausfälle. Aber wenn von 36 Zeilen die Hälfte der Aufzählung der ausgefallenen Spiele gewidmet wird, dann ist das lustloses Abhandeln. Die vier stattgefundenen Spiele werden wie folgt dokumentiert:

Am Samstag konnten zumindest vier Begegnungen ausgetragen werden. Kickers Offenbach spielte gegen Jahn Regensburg 0:0. Die Braunschweiger Eintracht setzte sich zu Hause mit 1:0 gegen die SpVgg Unterhaching durch. Das Spiel Werder Bremen II gegen den FC Ingolstadt 04 endete torlos. Und der VfL Osnabrück konnte trotz eines Unentschiedens gegen den Wuppertaler SV seine Tabellenführung verteidigen.

Es wäre sicherlich kein Problem, den ganzen Text zu zitieren, da die Schöpfungshöhe hier bei Normalnull liegt.

Zu den angeteaserten Hintergrundberichten. Die Geschichte um Frank Ribéry wird auf einer Seite ausgebreitet. Es geht um seine Zukunft bei den Bayern oder woanders. Kurz: Man erfährt gar nichts. Kein Statement des Vereins, des Trainers, anderer vermeintlich interessierter Vereine, der Berater oder gar von Ribéry selbst. Vielmehr eine kurze Abhandlung seiner bisherigen Karriere, die locker auch aus der Wikipedia kommen könnte und ein paar Informationen zu den Einkommen französischer Sportstars aus der L’Equipe. Der Hintergrundbericht zur Hertha krankt ebenfalls an mangelnder Eigenrecherche und konstatiert nur Offensichtliches. Interessanterweise findet sich kein Wort zum Platzsturm nach dem Spiel. Die finden sich einige Seiten weiter zusammengefasst unter der Überschrift „Tatort Bundesliga“. Dort werden allerdings nur O-Töne zusammengefasst und Zusammenhänge zu der Pyroaktion Nürnberger Anhänger in Bochum und Gewalttätigkeiten Rostocker Anhänger im März gezogen. Beschäftigung mit den Anhängern, Nachforschen bei den Beteiligten oder in Frage stellen von schematisch wiederkehrenden vermuteten Zusammenhängen: Fehlanzeige.

Ein wirklich schlimmer Lapsus ist die Mini-Rubrik „Bundesligasprüche“, die auf Schülerzeitungsniveau vermeintlich witzige Zitate sammelt.

Die internationalen Ligen werden mit je einer halben Seite abgespeist. Zwischen 17 und 26 Zeilen verbleiben neben Bild, Tabelle und Spieltagsübersicht für einen Text zum Spieltag. Nun ja.

Drei Seiten gibt es für den restlichen Sport wie Handball, Eishockey oder Wintersport. Der auf der Titelseite versprochene Text zu den Eisbären war nicht zu finden. Dafür gab es nur eine kurze Ergebnisübersicht und eine lieblose Tabelle, für die sich nicht einmal Trennstriche zwischen den einzelnen Platzierungen haben finden lassen.

Ein Kreuzworträtsel ohne Sportbezug füllt die vorletzte Seite während die letzte Seite das Sportfernsehprogramm des Tages präsentiert. Dabei die Kanäle von Sky, Eurosport und ESPN.

Ernüchternd lässt sich feststellen, dass sich kein Artikel in der Zeitung fand, der einigermaßen interessant war, obwohl das sportliche und nichtsportliche Geschehen vom Sonntag das durchaus hergegeben hätte. Die Texte hinterlassen den Eindruck, dass sie auch in einer Gratiszeitung hätten stehen können. Und das ist ein vernichtendes Signal. Gegen den Sportteil einer normalen seriösen Tageszeitung kommt der Sport-Tag nicht an. Und da schließe ich agenturbelieferte Blätter wie meinetwegen die Mitteldeutsche Zeitung ein. Über den Preis konkurriert die Zeitung auch nicht mit diesen Zeitungen, die im Schnitt doppelt soviel oder noch mehr kosten. Aber selbst Tabloids, die in im gleichen Preissegment liegen und wie man sie in Berlin mit Bild, Berliner Kurier und BZ gleich dreimal hat, pointieren die Sportereignisse besser. Es ist also die Frage, welches Profil der Sport-Tag entwickeln möchte. Denn er bräuchte eines, um zu bestehen. Gegen die Lokalsportberichte der Tageszeitungen kann er jedenfalls überhaupt nicht ankommen. Das stiefmütterliche Abhandeln der 3. Liga zeigt, dass dort der Kampf um Anteile auch gar nicht erst aufgenommen werden soll. Magazine wie die Fußballwoche für Berlin oder der Kicker bundesweit beziehen ihre Stärke durch die Beobachtung vor Ort. Knapp gesagt: Es fehlt dem Sport-Tag an Qualität.

Der an Sportereignissen interessierte Leser kennt die Inhalte, die im Sport-Tag präsentiert werden, bereits aus dem Fernsehen oder Netz. Auch hier lässt sich also keine Zielgruppe erkennen. Es ist schon merkwürdig, wie eine Zeitung ohne eine vernünftige Zielgruppenanalyse oder deren inhaltliche Umsetzung, durch Investoren auf dem deutschen Zeitungsmarkt etabliert werden soll. Schade um das Geld. Klar übrigens, dass die Zeitung auch keine ansprechende Internetpräsenz hat.

Wer sich durch die Kritik angespornt fühlt, kann sich allerdings noch als Redakteur bewerben. Es findet sich im Heft eine entsprechende Stellenanzeige.

Pro zweite Mannschaften im normalen Ligabetrieb

Zugegeben etwas provokant. Aber mit Michael Parensen, der von der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln in der letzten Winterpause zum 1. FC Wundervoll kam, hatte die sportliche Leitung einen Volltreffer gelandet. Er ist aus der aktuellen Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Und wenn zweite Mannschaften das Reservoir werden, aus dem sich in Köpenick preiswert bedient wird, sollen sie doch weiter da spielen, wo sie es momentan machen.

Nun steht mit Jeremy Opoku-Karikari erneut ein Spieler einer zweiten Mannschaft bei uns im Training. Bisher allerdings nur zur Probe. Karikari kam über St. Paulis A-Jugend und zweite Mannschaft in das Profiteam, konnte sich dort nicht durchsetzen und wechselte Anfang 2008 nach Stuttgart in die zweite Mannschaft. Bis jetzt absolvierte er dort 29 Spiele. Diese Saison allerdings nur zwei. Das hatte einerseits mit Verletzungen zu tun. Andererseits kommt er bei Stuttgart Zwo nicht an Spielern wie Sven Schimmel vorbei, dessen Vertrag soeben erst verlängert wurde und dem eine Perspektive für den Bundesligakader des VfB gegeben wurde. Die Position von Opoku-Karikari ist die defensive rechte Seite. Dort besteht für Union in nächster Zeit auch Handlungsbedarf, da Michael Bemben leider nicht ewig spielen wird. Ob man offensiv Akzente von Opoku-Karikari wird erwarten können, ist fraglich. Aus Stuttgart sind Vorstöße von ihm nach vorne jedenfalls nicht im Gedächtnis geblieben. Mal sehen, wie er Uwe Neuhaus und Christian Beeck im Gedächtnis bleiben wird.

Der Vollständigkeit halber: Tobias Grahn (ehem. Hertha BSC Berlin und momentan vereinslos) befindet sich auch im Probetraining.

Tendenz: Zweitverein.

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Gefangen im Netz aus Gewohnheit und Sucht ist es mir noch immer nicht möglich, meine Fußballbedürfnisse auf DFL-Zeit umzustellen. Schon Sommer- und Winterzeit fallen mir jedes Mal schwer, aber ein fußballfreier Sonnabendnachmittag entspricht ebensowenig meinem Biorhythmus wie ein Freitagabendspiel.

Umgekehrt bin ich spielklassenunabhängig in der Lage, reflexartig stehenzubleiben, Partei und ein Geländer zu ergreifen, sobald irgendwo in Sichtweite ein Ball rollt. Ich verlange Grillgut und Brausebier und kann erst wieder gehen, wenn der Schiedsrichter dreimal gepfiffen hat.

Oh, kucke mal, da drüben spielen sie Fußball! Fährste kurz rechts ran? Wie heißt´n dit Dorf eigentlich? Ach wat, ist doch egal.

Genauso, wie ich trotz Sommerzeit auf ungeklärte Weise noch immer den Weg ins Büro gefunden habe, seh ich mir auch Union zur Unzeit an, montags, freitags und an Sonntagen zum Frühstück – man hat ja doch keine Wahl. Aber ein bißchen ist es wie ohne Hunger essen, bloß, weil Miracoli grad fertig ist und einer Toffifee ins Spiel bringt. Vielleicht lässt sich das trainieren, dem Vernehmen nach gewöhnt sich so´n Körper an allerhand, sogar an Schichtdienst, Weihnachtsvöllerei, Milchnudeln (Milchnudeln!) und Fußball um 20:15 Uhr.

Ab und an muss man seinen Freund, den Körper, aber auch einfach mal lassen, wie er will. Wellness. Vitamine. Oder eben gepflegter Samstagnachmittagfußball. Lichtenberg 47 im Hans-Zoschke-Stadion.

Unsinnig wäre die Behauptung, in der sechsten Liga sei die Fußballwelt noch in Ordnung. Bei Lichtenberg 47 wurde lange Zeit darüber gestritten, ob man das Stadion in “HoWoGe-Arena Hans Zoschke” umbenennen möchte oder nicht. Die Verantwortlichen haben sich dafür entschieden, die Namenstafel wurde heute enthüllt. Der Unterschied zu nach Banken benannten Erstligastadien ist aus meiner Sicht neben der regionalen Beschränkung vor allem das soziale Engagement beider Vertragspartner, das deutlich im Vordergrund steht. Ein politisches Zeichen in die richtige Richtung zudem, dass der Name Hans Zoschke beibehalten wird. Das ist letztlich eine interessengerechte Lösung für eines der liebenswertesten Fußallstadien Berlins.

Aber was hatte ich da jetzt gleich nochmal gewollt? Tafel enthüllen? Nee. Torwandschießen? Das wüsst ich. Drachenbasteln? Knapp daneben. Ach, richtig: Fußball.

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Rotweiße gegen Weißrote. Das denkbar bezauberndste Publikum bestehend aus sämtlichen Schiebermützenopas Berlins plus fünf Jungs, die woanders Ultras geworden wären. Allerfeinste, von Herzen kommende Schiedsrichter- und Spielerbeleidigungen. Sowas können überhaupt nur Schiebermützenopas. “Ick bin ausjerutscht, wat kann ick denn dafür” wird sich spielerseitig entschuldigt.

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Wer den Rasen gesehen hat, weiß, dass der Mann in der Tat nichts dafür konnte. Zwei Elfmeter, davon einer verschossen. Zweikämpfe auf dem Platz, dem Ringkampf nicht ganz unähnlich, Spucken, Treten, Trikotzerren inbegriffen. Ein flaschewerfendes, pöbelndes 70jähriges Rumpelstilzchen, das sich als personalsorgengeplagter Trainer der Mannschaft aus Spandau entpuppte. Gelbrote Karte. Rumpelstilzchen so: “Wat hast´n jemacht?” – und der Trikotzupfer “Weeß ick do nich.”

Aber so wüst das klingen mag: ich habe fernab der Eleganz einen sehr schönen Fußballnachmittag verbracht. Ich glaub, das mach ich öfter.

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Nüchtern betrachtet: Der 3. Spieltag

Zahlen aneinander gereiht. Prozente berechnet. Kurven erstellt. Steffi sagt, dass dies ein Männerding sei. Mir gefällt es. Inspiriert wurde ich von Catenaccio, der das sehr ausführlich betreibt. Natürlich weiß ich, dass verbale Beurteilungen viel präziser sind und auch der Persönlichkeit gerecht werden. Aber hier soll gnadenlos verglichen werden. Über den Saisonverlauf kann man anhand der Noten doch einen Trend beobachten. Das hoffe ich jedenfalls.

Das Ergebnis

1. FC Union Berlin – FC Hansa Rostock

1:0 (Mosquera 33. Min); 17.500 Zuschauer

Einzelbewertung

Entnommen wurden die Noten dem Berliner Kurier, dem Kicker und Sportal. Vielleicht kann mir noch jemand sagen, ob die Bild auch für die 2. Liga Noten verteilt. Der Kurier vergibt nur volle Noten, was häufig zu besseren Bewertungen führt.
Echte Ausreißer gibt es nicht. Sowohl Jan Glinker als auch Marco Gebhardt hatten schon bessere Spiele. Das drückt sich auch in den Noten aus. Innenverteidigung plus defensiver Abräumer Younga-Mouhani und der fleißige Mosquera haben überzeugt.

Noten 3. Spieltag 2009/10

Ballkontakte 3. Spieltag 2009/10

Erfolgreiche Pässe 3. Spieltag 2009/10

Bei den Zweikämpfen fällt auf, wie häufig Mosquera den Weg Mann gegen Mann gesucht hat. Würde es Fleißbienchen nach dem Spiel geben, er und Younga-Mouhani hätten sie diesmal ins Muttiheft gestempelt bekommen müssen.

Zweikämpfe 3. Spieltag 2009/10

Zahlen von bundesliga.de
Kurier Kicker Sportal Ø
Jan Glinker 3 4 3,5 3,50
Michael Bemben 2 3,5 3 2,83
Christian Stuff 1 2 3,5 2,17
Daniel Göhlert 1 2 3 2,00
Patrick Kohlmann 2 3 3 2,67
Macchambes Younga-Mouhani 2 2 3 2,33
Thorsten Mattuschka 3 3,5 3,5 3,33
Hüzeyfe Dogan 3 3 2,5 2,83
Marco Gebhardt 3 4 3,5 3,50
Karim Benyamina 3 3,5 3 3,17
John Jairo Mosquera 2 2 2 2,00

Nichts nennenswert Neues.

Medienpartnerwechselspiel. 11Freunde-Gewinnspiel. Bratwursttestspiel. Mein Fußballverein ist grad wie so´n zeitunglesender Ehemann. Uninteressant. Uninteressiert. Ich glaub, ich fahr weg. Mal sehen, ob er´s merkt.

Shift happens.

Ich war zwischen vorgestern und jetzt auf der Internetkonferenz ohne Internet*, drum blieb es etwas still hier. Mal muss man ja auch kucken, was das für Leute sind, die alle Tage das Netz vollschreiben. Ob die wirklich so blaß und schlecht genährt sind, wie immer alle denken. Ob die nur tech und klingonisch sprechen.** Ob das Internet tatsächlich bloß eine gigantische Kopiermaschine ist. Ob die Unterhaltung stirbt, wenn die Unterhaltungsindustrie stirbt. Wie aus kulturgeschichtlicher Perspektive Grimms Märchen und wikipedia zusammenhängen. Und was genau persuasives Webdesign wäre.

re:al

Die re:publica gibt es in Berlin seit 2007, sie beschäftigt sich mit Themen der Netzkultur und Netzpolitik, und wenn man, so wie ich, immerzu mit diesem Internet rummacht, ist es nicht die weltweit schlechteste aller Ideen, sich mit anderen, die genau das ebenfalls tun, zu treffen.

re:mmidemmi

Man kann Glück haben, dabei. Und ich hatte Glück. Ich habe nur liebenswerte und bezaubernde Menschen getroffen. (Den un-liebenswerten, nicht-bezaubernden habe ich kurzerhand das Gespräch verweigert.) Gestern abend auf der Twitterlesung kam ich mittenmang @stijlroyal, @kcpr, @wollbindung, @AF_Blog, @ghostdog19 und @helrunar zu sitzen, was stijroyal so beschrieb:

Ich saß doch zwischen @rudelbildung unf @af_blog. Das sah doch aus wie King Kong mit zwei weißen Frauen. Das muss man doch sehen.

Ich fand, wir ham ihn sehr hübsch eingerahmt. Und überhaupt, die ganze Twitterlesung – sehr hübsch!

re:alsatire

Man kann Pech haben, dabei. Und Pech hatte ich ebenfalls. Ich verirrte mich gleich am ersten Tag auf ein Panel, das an den Spreepark erinnerte. Dinosaurier. Umgefallen. Es ist nett, wenn Helmut Lehnert, den ich im übrigen außerordentlich schätze, sich an die erste Webseite von Radio Fritz erinnert – aber mal ehrlich: Viel Wasser. Die Spree. Runter. Seitdem. Dann geschah Seltsames: Die Twitterwall funktionierte (weil @343max zaubern kann), und Publikumsäußerungen wurden darüber unmittelbar und ungefiltert eingeblendet. Es waren Äußerungen des Unmuts. Das anfängliche “oh, ich bin drin” wich flugs einem nörgeligen “Könnten die Diskutierenden ihrem Gespräch bitte den Kenntnisstand von 2009 zugrunde legen?!”, das fließend in allgemeinem Gepöbel mündete, bevor das Publikum begann, seine eigene Parallelshow zu veranstalten. Die Geschichte des Webzwonull – nacherlebt in einer Viertelstunde.

re:izwörter

Man kann außerdem etwas haben, wo man nicht richtig weiß, isses Glück, isses Pech, und Peter Glaser kann man sowieso finden, wie man möchte, aber sein Schiedsrichterbeispiel im Kontext von “Veränderung passiert” ist zumindest sehr anschaulich:

Zu den neuen Regeln gehört, dass wir mehr Positionen zulassen müssen als bisher. Die Lage ist komplex. Der Schiedsrichter bei einem Fußballspiel ist ein Inbild der alten Zeit. Er ist mit seiner singulären Sicht auf dem Spielfeld in einer wesentlich schlechteren Position als jeder Zuschauer vor dem Bildschirm. Der Schiedsrichter ist sozusagen aussichtslos. Er betrachtet die Welt immer noch von seinem vereinzelten Standpunkt aus, der einen heute angesichts der elektronischen Multiperspektive hoffnungslos ins Hintertreffen geraten läßt. In kritischen Situationen auf dem Spielfeld muß der Schiedsrichter aus seiner subjektiven Position heraus entscheiden, obwohl ihn eine beunruhigende Medien-Objektivität umgibt: Der träge Zuschauer auf dem Sofa sieht im Lauf der nächsten Sekunden die Situation aus unterschiedlichen Kamerapositionen, in Zeitlupe wiederholt, vielleicht noch grafisch verstärkt, und kann sich ein – dem Fußball angemessenes – rundes, ganzheitliches Bild machen.

[Peter Glaser: In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?]

Danke, aber danke nein, ich möchte jetzt NICHT über den Videobeweis diskutieren. Dinge verändern sich, und manche werden sogar besser. Andere nicht, und manche sterben. Die machen das aber nicht von selbst, die Dinge. Und deswegen bin ich Gestalter geworden.

In diesem Sinne, re:ingehauen!***

*Das Copyright auf diese Bezeichnung hält der Spielmacher. Zu Recht wird allerorten kritisiert, dass wir Blogger gar keinen eigenen Content produzieren, sondern immer bloß abschreiben. Notfalls voneinander. Ich bin auch so eine, aber das wisst ihr ja längst.
** Ich entschuldige mich bei Mario höchstpersönlich, vorab und in aller Form: Kein Durchkommen bei solchen Themen ohne Englisch. Klingonisch gabs nur deshalb nicht, weil das kein past tense hat, hieß es.
***Steht so auf meinem T-Shirt. Ist mir natürlich auch nicht selbst eingefallen. Dank und Kirschblüten an Sebastian!