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Die stärkste zweite Liga der Welt

Aufgedeckt am 21.08.2010 vom Berliner Kurier.

“Weil er ein Verrückter ist.”

“Weil er ein Verrückter ist” ist eine bemerkenswerte Begründung dafür, warum jemand in einem Buch, das einen Ausschnitt aus der Berliner Sportgeschichte thematisiert, zu Wort kommt. Frank Willmann sagt das so, und zwar über seinen Journalistenkollegen Mathias Bunkus. Willmann hat zusammen mit Jörn Luther die Neuauflage des Union-Kompendiums “Eisern Union!” geschrieben, und beide lassen darin vor allem die Anhänger des Vereins zu Wort kommen, um ein vielschichtiges Bild des 1.FC Union Berlin und seiner Geschichte zu zeichnen, die auch ein gutes Stück weit Berliner Geschichte ist.

Willmann/Luther fassen den Begriff “Fan” dabei weit. Fans sind für sie auch, aber nicht nur die Frauen und Männer mit den Schals auf Gegengerade, Wuhleseite und Haupttribüne, sondern alle, die den Verein aus Überzeugung und mit Enthusiasmus begleiten. Weil das nicht an Ämter oder Berufe geknüpft ist, finden sich hier so unterschiedliche Gesprächspartner wie eben Mathias Bunkus (Sportjournalist), Dirk Zingler (Vereinspräsident), das Wuhlesyndikat (Ultragruppierung), Wolfgang Matthies (der ehemalige Torhüter trägt den Ehrentitel “Wertvollster Unionspieler aller Zeiten”) und Frieder Lau (Fan seit 1976, Vereinsmitglied seit 1993) sowie Texte des Schriftstellers Torsten Schulz. Fansein ist ferner nicht mit kritiklosem Bejubeln gleichzusetzen. Dadurch ist das Buch, anders als man erwarten könnte, eben kein Fanbuch geworden, sondern in der Hauptsache eine Dokumentation.

Seit der ersten Auflage sind inzwischen 10 Jahre vergangen. Der in der Zwischenzeit erfolgte Stadionumbau und der letzte Aufstieg in die zweite Bundesliga erleichtern einem Verlag die Entscheidungsfindung zugunsten eines Buches ganz erheblich, und so hat sich der Verlag BasisDruck gemeinsam mit den beiden Autoren auf eine Überarbeitung eingelassen. Über die beiden genannten Themen hinaus sind Fehler korrigiert und Schwerpunkte verändert worden, vor allem aber ist neues Bildmaterial hinzu gekommen.

Es ist den Autoren gelungen, ein sachliches, informatives und doch nie langweiliges Buch zu schreiben. Es wird dem eigenen Anspruch gerecht, “Union für jemanden verständlich zu machen, der das alles nur aus dem Radio oder Fernsehen kennt” (Chris Deutschländer, Autor des Vorworts, anlässlich der Buchvorstellung). Es ist darüber hinaus aber auch ein Nachschlagewerk für Unionfans und alle, die sich mit dem Berliner Fußball beschäftigen.

Das Buch ist heute im BasisDruckVerlag GmbH erschienen und kostet 24,80 EUR.

Einkaufen gehen.

Montag ist KickerFuwo-Tag. Aufgrund der Liebe zum Detail im Berliner Amateurfußball und der klaren Worte gegenüber Vereinen und Verbänden bei der Organisation des Spielbetriebs ab Liga vier abwärts ist die Wochenzeitung ein Pflichtblatt im Berliner Fußball. Später als alle anderen Verlage publizierte sie nun ihr 22. Sonderheft zur neuen Saison.

Fußball-Woche Sonderheft 2010/11

Die Berliner Zweitligisten kommen mit großem Mannschaftsposter daher und werden auch mit einer aufwendigen Berichterstattung bedacht, die alle Neuzugänge einzeln charakterisiert und jeweils ein Interview mit den Cheftrainern beinhaltet. Cottbus und Aue teilen sich dagegen nur zwei Seiten. Zu den restlichen Zweitligisten erhält man jeweils kurze Informationen zu Zu- und Abgängen und Verein allerdings ohne Mannschaftsbilder. Diese sind auch nicht notwendig, ist doch die Stärke der Fußball-Woche nicht die allumfassende Berichterstattung, die man sicher gerne dem Kicker überlässt, sondern der starke regionale Fokus. Deshalb kann man, noch bevor ein einziger Text zur Bundesliga kommt, einen einseitigen Text über die Berliner Schiedsrichter im Profibereich und deren Ausbildung beim Berliner Fußballverband lesen.

Sehr vernachlässigt in Magazinen wie Sportbild, 11Freunde oder Kicker wird die gesamte Struktur des Fußballs in Deutschland. In der Fuwo ist dagegen der schematische Ligenaufbau in Deutschland bis zu den Oberligen und danach die detaillierte Ansicht von der Berlin-Liga (6. Liga) bis hin zur Kreisliga C (11. Liga) für den Berliner Fußball obligatorisch. Diese Struktur bildet dann die Grundlage für das restliche Heft. Jede Liga wird vorgestellt, wobei bei der dritten Liga und der Regionalliga Nord lediglich die Vereine aus der Region (ein manchmal sehr weitgefasster Begriff, wenn sich auch der Chemnitzer FC darunter befindet) näher betrachtet werden.

So sachlich bis trocken meist der Ton der Texte ist, findet sich so manches schöne Mannschaftsbild. So wird zum Beispiel vom Grünauer BC, Aufsteiger in die Landesliga, das Mannschaftsbild von der Aufstiegsfeier abgedruckt. Bier und jubelnde Männer, einer mit Baby auf dem Arm, zeigen mehr Freude am Fußball und den Gewinn einer Meisterschaft als es eine Konfettikanone auszudrücken vermag. Ansonsten gibt es bis zum bitteren Ende der 5. Abteilung der Kreisliga C alle Kader und Kontaktdaten sowie eine jeweilige Einschätzung zur Staffel. Wer bis dahin noch nicht genug hat, bekommt hinterher als Leckerbissen die Abschlusstabellen aller Ligen von Berlin und Brandenburg geliefert. Dazwischen acht Seiten Frauenfußball von der WM über die Bundesliga bis zur Regionalliga. Dies stiefmütterliche Dasein deckt sich bei allem Erfolg von Turbine Potsdam mit dem Stellenwert des Frauenfußballs in den Berliner Vereinen, wo einzig der 1. FC Lübars durch die Kooperation mit Hertha BSC herausragt.

Gruß aus Frankreich.

Man kann sein, wo man will und tun, was man mag: selbst wenn man in Frankreich Goethe liest – Union lässt einen nicht los. Milan schreibt uns von unterwegs, und euch auch!

Auf einer Anhöhe vor dem Flusse Charante bei brütender Abendhitze, unter einem Walnussbaum und mit einer guten alten Steinmauer im Rücken lässt sich’s leicht entrückt fühlen. Schreiben wir das Jahr 1794?

Vielleicht ist hier gerade die Revolution durch, in Paris werden weiter Köpfe gehackt, in den Tropen Weimars gibt Goethe die ersten Bücher des Wilhelm Meister in Druck. Nein. Eine Ausgabe von 1988 hab ich ja auf dem Schoß. Ein Indiz, das mich in die Gegenwart zurück träumen lässt.

Darin lese ich etwas, das mich ganz aus den Träumen holt und die Erinnerung an das 1:0 gegen Bochum im Pokal wach ruft. Als Daniel Ernemann in der Schlussminute Wassilew anguckt , der ihm zunickt. Woraufhin Ernemann seinen Posten hinten verlässt, unbeachtet am Strafraum auftaucht und ihm der Ball durch göttliche Fügung, wir wollen das mal nicht Zufall nennen, vor die Füße rollt, von wo aus er das Ding mit aufreizender Lässigkeit (wie damals der Kurier schrieb) rein machte. Der Torpogo war nicht einmalig, aber wie immer unbeschreiblich.

Goethe hat mir auf das Heftigste diese und einige andere Szenen, eine mit Nikol, manche mit Texas u.ä., in meinem südwestfranzösischen Aufenthalt aufgedrängt, so dass ich meine, dieser Johann eisern von Goethe würde heute einen außerordentlichen Sportkommentator abgeben. Und ganz sicher wäre er Fan. Wahrscheinlich nicht von Motor Weimar. Da müsste mehr kommen, aber dann doch von Carl Zeiss Jena, wo er eine Zeit lang seine Freunde H.v.Humboldt, Fichte und Schiller besuchte – und als wahrer Weltgeist hätte er sicher die Kunde von Union aus der Hauptstadt offenen Herzens mit den üblichen Folgen aufgesogen.

Da aber damals der Fußball noch nicht mal in England zu Hause war, begeisterten sogar Seiltänzer die vor das Wirtshaus herbei strömenden Volksmassen, und endlich kann ich zum Zitate greifen:

“Narziß und Landrinette ließen sich in Tragsesseln auf den Schultern der übrigen durch die vornehmsten Straßen der Stadt unter lautem Freudengeschrei des Volks tragen. Man warf ihnen Bänder, Blumensträuße und seidene Tücher zu, und drängte sich, sie ins Gesicht zu fassen. Jedermann schien glücklich zu sein, sie anzusehn, und von ihnen eines Blickes gewürdigt zu werden.”

Hier horchte ich schon auf und war auf halben Wege an die alte Försterei, aber die nächsten Sätze katapultierten mich direkt auf meinen Stammplatz unten am Zaun auf der Gegengerade.

“Welcher Schauspieler, welcher Schriftsteller, ja welcher Mensch überhaupt würde sich nicht auf dem Gipfel seiner Wünsche sehen, wenn er durch irgend ein edles Wort oder eine gute Tat einen so allgemeinen Eindruck hervorbrächte? Welche köstliche Empfindung müßte es sein, wenn man gute, edle, der Menschheit würdige Gefühle eben so schnell durch einen elektrischen Schlag ausbreiten, ein solches Entzücken unter dem Volke erregen könnte, als diese Leute durch ihre körperliche Geschicklichkeit getan haben; wenn man der Menge das Mitgefühl alles Menschlichen geben, wenn man sie mit der Vorstellung des Glücks und Unglücks, der Weisheit und Torheit, ja des Unsinns und der Albernheit entzünden, erschüttern, und ihr stockendes Innere in freie, lebhafte und reine Bewegung setzen könnte!”

Ich sage in tiefer Verehrung DANKE, lieber Johann Wolfgang von Goethe, dass du mir meine vielen Stadionbesuche auf so kluge Weise begreifbar machtest. Und ich freue mich, das du uns dank meiner 40-bändigen Münchner Ausgabe als Autor erhalten bleibst.

Angebot und Nachfrage

Diese beiden Anzeigen, die sich in der aktuellen Fußballwoche bei den Ergebnissen und Neuigkeiten der Kreisliga B finden, bieten die Chance, inne zu halten. Naheliegend, dass sich beide Inserenten zusammentun könnten. Aber in welcher Situation stecken beide? Und was sagen sie uns?
Zunächst der Verein, der sich in Nordberlin verortet, was alles nördlich von Mitte sein kann. Vielleicht Prenzlauer Berg oder doch weit in Pankow oder Reinickendorf? Vielleicht gibt sich damit auch der Nordberliner SC zu erkennen? Man wünscht sich mit dieser regionalen Einordnung einen Trainer, der in der Nähe lebt. Einen Trainer, der weiß, wie das Umfeld im Bezirk aussieht, in dem sich seine Spieler bewegen. Außerdem soll es ein neuer Trainer sein. Der Verein öffnet sich der modernen Trainingslehre. Aber die Regularien müssen gewahrt bleiben. Eine entsprechende Fußballehrerlizenz ist vorzuweisen. Da bereits jetzt schon für die kommende Saison gesucht wird, trifft der zu verpflichtende Trainer auf ein vorausschauend arbeitendes Umfeld. Der bisherige Trainer setzt sich vielleicht wie per Handschlag abgesprochen zur Ruhe.
Im Gegensatz zu dieser ruhigen Anzeige wirkt das Inserat des Trainers auf Vereinssuche laut. Der Leser kann ihn sich buchstäblich vorstellen, wie er an der Seitenlinie wütet und die Wasserflasche zu Boden wirft. Er brüllt die Spieler an, die er als unfähig schimpft und spricht dem Vereinsvorstand, der ihm diese Spieler vorgesetzt hat, jeglichen Sachverstand ab. Wahrscheinlich hat er sich gesagt: “Denen werde ich es zeigen!” Die Forderung “mit realistischen Zielen” zeigt, dass die Wut noch nicht verraucht ist. Vielleicht wurde er gerade entlassen, weil ein Saisonziel nicht mehr zu erreichen war. Der Schlag mit der Faust auf dem Tisch ist das Ausrufezeichen am Ende der Bedingung. Ein Mann der klaren Worte, der nicht lange herumredet und deshalb auf Chiffre verzichtet und Mobiltelefon und E-Mail direkt angibt. Ein Verein, der Zucht und Ordnung als Saisonziel ausgibt, der meint, die eigene Mannschaft sei ein Sauhaufen, der bekommt sicher einen hervorragenden Trainer.

Being Ritter Keule.

Es ist grundsätzlich schön, einen Glücksbringer zu haben. Wie schön es ist, ein Glücksbringer zu sein, beschreibt Tobias Kurfer in “Ritter des Rasens”. Der Magazin-Autor versucht sich jeden Monat auf´s Neue in eigenwilligen Berufen, wie etwa Sargträger, Erschrecker, Hundeausführer – oder Fußballmaskottchen. Im Aprilheft beschreibt er seine Erfahrungen als Ritter Keule:

Maskottchen sind ihrer hauptsächlichen Natur nach Wink-Elemente.

Das und die Erkenntnis, dass man -knuffig oder nicht- nur von Kindern einschränkungslos gemocht wird, lassen den Beruf des Mannschaftsbusfahrers verglichen mit dem als Maskottchen in ungeahntem Glanz erstrahlen. Nichtsdestotrotz ein sehr lesenswerter Artikel aus einer eher ungewohnten Sicht auf das Spielfeld.

1000 Tage Uwe Neuhaus

Uwe Neuhaus trainiert die erste Mannschaft des 1. FC Wundervoll mittlerweile 1.000 Tage. Aus diesem Anlass hat Mathias Bunkus ein langes und lesenswertes Interview geführt, das dankenswerter in voller Länge auf der Website des Berliner Kuriers nachzulesen ist.

Das Gespräch macht bestimmte Positionen des Trainers zum Beispiel bei der Informationspolitik klarer und erläutert auch die Beweggründe hinter solchen Entscheidungen:

Berliner Kurier: Man sagt Ihnen ja einen gewissen Kontrollwahn nach. Sind Sie zu Hause auch so ein Mensch?
Uwe Neuhaus: Kontrollwahn? Gegenfrage: Was wird denn hier so kontrolliert, dass es wahnsinnig erscheint?
Berliner Kurier: Womit wir ganz geschickt den Bogen weg vom privaten Bereich gekriegt haben … (Gelächter beidseitig) … Respekt!
Uwe Neuhaus: Okay, ne Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage, ich sage einfach, ich habe keinen Kontrollwahn. Ich empfinde es als normal, dass man gewisse Dinge regelt. Wir haben Spielregeln, wie man das auch in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft vorgibt. Der eine ist da ein bisschen lockerer, andere sehen das strenger. Ich glaube schon, dass ich irgendwo in der Mitte liege. Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge, die ich versuche zu kontrollieren, auch kontrolliert werden müssen. Wenn ich Spieler habe wie Mosquera, wie Glinker, die ein bisschen sensibel sind, das hinterlässt schon Spuren wenn auf einmal private Geschichten drin stehen. Oder nehmen wir Benyamina, als die angebliche Geschichte mit der algerischen Nationalelf aufkam. Wenn man dann die Zeiträume nach solchen Veröffentlichungen sieht, da vergehen Wochen bis bei denen wieder Normalform herrscht. Die sind mit ihren Gedanken völlig woanders. Da muss ich versuchen, das zu verhindern, diese Auswüchse zu kontrollieren. Das sind Gefahren, die Journalisten nicht sehen, nicht sehen können, vielleicht sogar sehen aber nicht beachten können, die als Trainer für mich aber schon eine Rolle spielen.

Das Gespräch behandelt Fragen nach der persönlichen Entwicklung des Trainers und seiner Zukunft, geht der Neugestaltung der Mannschaft auf den Grund und kommt am Ende zu einem Punkt, der seit Sonnabend wohl aktueller denn je ist: Dem Verhältnis zu Hertha BSC und einem kommenden Stadtderby.

Berliner Kurier: Sie haben jetzt den Ortsrivalen schon angesprochen. Glauben Sie es würde die Situation in der Stadt beleben, wenn es nächste Saison Derbys gibt? Derzeit deutet ja vieles daraufhin.
Uwe Neuhaus: Man kann das Thema ja schlecht ausklammern. Ich meine, ich wünsche niemandem einen Abstieg. Ich kann und werde da auch gar keine Häme entwickeln. Das ist nicht meine Art. Wenn es einer sportlich nicht geschafft hat, dann muss er halt den bitteren Gang in die Liga drunter gehen. Und ich bin überzeugt, wir haben es ja an den Zahlen gesehen, dass Hertha mit 42, Union mit 12 bis 13 Millionen, uns weit voraus ist. Und trotzdem, rein sportlich gesehen, dieses Derby alleine, diese Vorstellung, das hat ja schon was. Da wären Emotionen drin, das würde die ganze Stadt in Bewegung setzen, vom 2-Jährigen bis zum 98-Jährigen jeden faszinieren. Das wären sicherlich zwei ganz interessante Spiele.

African Challenge.

Ein bemerkenswertes und noch recht junges Sportmagazin ist uns gestern zugelaufen. African Challenge betrachtet deutsches Sportgeschehen, und zwar hauptsächlich Fußball, aus der Perspektive hier lebender afrikanischstämmiger Athleten. Die Artikel sind auf deutsch geschrieben, es gibt aber jeweils englische und französische Zusammenfassungen. Ein bißchen ist es ein Familienalbum. Eines, das vor allem die Porträts der erfolgreichen Kinder der Familie zeigt. Als dehnbar erweist sich zudem der Begriff des afrikanischstämmigen Athleten. Auch Karim Benyamina ist afrikanischstämmig in diesem Sinne.

Zwei Anliegen verfolgt das Heft. Es möchte das europäische Bild von Afrika korrigiert wissen. Afrika wird oft als Ganzes wahrgenommen – es sind aber viele Länder. Auch Ägypten ist Afrika. Auch Algerien. African Challenge beschönigt dabei weder die politischen Schwierigkeiten der meisten afrikanischen Länder, noch die Nöte ihrer Bevölkerung. Allzu verständlich ist der Wunsch, es anderswo “zu etwas zu bringen.” Und eben das ist der zweite Ansatzpunkt des Magazins. Es vernetzt die hier lebenden Sportler miteinander. Die Ausgewanderten, die Nomaden. Die, die Legionäre genannt werden.

Den Unionern sei die Ausgabe 4, Januar-Februar 2010 empfohlen. Sie enthält ein siebenseitiges Special über Afrikaner bei Union: Darunter ein Interview mit Karim Benyamina und ein Porträt von Macchambes Younga Mouhani, in dem er über Probleme wie Korruption im Sport, die Gefährdung der eigenen Familie durch Funktionäre und seine Anfangschwierigkeiten bei Union spricht. Bemerkenswert, dass er trotz seiner sehr schweren Zeit zu Beginn über die Unionfans folgendes erzählt:

Ich liebe die Fans von Union am meisten. Die Fans bringen einen immer noch ein Stück weiter. Wir haben überragende Fans, sie haben uns sehr, sehr gut unterstützt, als der Aufstieg noch ganz weit weg war. Egal was passiert ist, die haben nie einen Spieler schlecht gemacht. Selbst wenn das Spiel mal nicht so gut lief, die Fans haben nie etwas Negatives gesagt, sondern weiter angefeuert. Die singen, machen Stimmung und sagen “Jungs, wir sind da!”. Ich habe sowas noch nie erlebt.

African Challenge erscheint zweimonatlich und kostet 3 EUR.

Wenn Mutti früh zum Fußball geht …

… und Vati statt dessen zu Hause bleibt, läuft die Welt irgendwie unrund. Für Vati.

Ich stelle an mir selbst fest, dass ich mit der Situation “ich gehe zum Fußball, während der Mann was mit Familie macht” sehr viel besser klar komme als mit der Situation “ich höre 90elf und der Mann geht zum Fußball”. Erstere Situation erzeugt bei mir eine gute Laune, die fast schon verwerflich ist. Ich verhalte mich aber immerhin so sozial, live vom Spiel zu berichten. Der Mann wüsste sonst gar nichts über Rasenfarben, über sowas schreibt ja kein Mensch. In der letztgenannten Situation dagegen geht es mir wie Else in Kirsten Fuchs´Geschichte “Herzlich Willkommen 1946” – irgendwie freut man sich wohl auch, wenn man “ach kieke ma an, wo komm´wir denn her? Grad heut morjen hab ich dit Trauerband um dein Foto jenudelt.” sagt. Irgendwie.

Ich bin weitaus weniger besenartig und manchmal sogar gekämmt, wenn ich diejenige bin, die Mikrofone in Gesichter hält, auf einem Mobiltelefon rumtippt, Pressekonferenzen folgt und mit den Fotografenkollegen schwatzt. Ich sehe und berichte anders und über anderes als ungefähr alle Männer, die ich kenne. Und ich wusste als einzige im gesamten Pressecontainer tatsächlich nicht, in welcher Spielminute dieser geile Fallrückzieher von John Jairo Mosquera exakt in die Handschuhe von Simon Jentzsch fiel. Ich lese die Spielaufstellung und erkenne: Aha. Zwei Stürmer. Ich lese die Spielaufstellung und erkenne nicht: Öh? Gar keene Doppel-Sechs? Öh? Peitz statt Younga Mouhani? Ich erkenne ein gutes, weil genaues Zuspiel, wenn ich eines sehe. Manchmal. Ich erkenne prinzipiell keine Torwartfehler, und wenn, dann erkenne ich sie nicht an, soweit es sich um Jan Glinker handelt. Ich bin nämlich außerdem subjektiv und stark von Sympathien geprägt.

Frauen, die sich für Fußball interessieren. Ein Traum.
Ein ganz, ganz schlimmer.

Einwickelpapier.

Es ist die Zeit der gemütlichen Interviews. Gestern der Präsident, heute der Trainer. Winterpause eben. Daran kann man sie erkennen. Und am Bratapfelduft.

Weil aber Uwe Neuhaus eben Uwe Neuhaus ist, beantwortet er die Frage, ob Union das Beste sei, was ihm passiert sei, vollkommen uweneuhausmäßig:

“Man weiß ja nicht, ob nicht hätte noch etwas Besseres passieren können.”

So eine Antwort ist ja irgendwie die wohlerzogene kleine Schwester von Claus-Dieter Wollitz´Cottbus-Fanschal.