Seit geraumer Zeit bekomme ich regelmäßig Nachricht von Paul. Ich habe viele eigenwillige Freunde, aber Paul ist die einzige gelbe Plüschente in meinem Bekanntenkreis, die auswärts fährt. Und das Bild oben ist mein bislang liebster Kommentar zum Spiel in Kaiserslautern am vergangenen Wochenende. Danke, Paul, und schönen Gruß zurück!
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Es gibt es etwas zu feiern. Kein Tor. Denn mit dem Schießen von Toren tun sich momentan einige Berliner Fußballklubs schwer. Aber abseits von den Ergebnissen des Spieltages in den verschiedenen Ligen lädt das Fußballfilmfestival 11mm am Montag, den 15.03., zum Union-Abend. Im Kino Babylon werden ab 19 Uhr in einer Doppelvorstellung die beiden Filme “Eisern vereint” und “Das Rudel” gezeigt. Die Eintrittskarte kostet für beide zusammen 6,50 €.
Eisern vereint
Das erste Mal im Kino zu sehen, befasst sich der Dokumentarfilm von Andreas Gräfenstein mit einem der am meisten identitätsstiftenden Ereignisse in der Geschichte des 1. FC Wundervoll. War das 8:0 gegen den BFC Dynamo vor fünf Jahren in der vierten Liga für viele ein noch zu erledigender Punkt auf der To-Do Liste, so gab der Stadionbau die Möglichkeit, sich mit dem Verein zu identifizieren, ohne sich von anderen abgrenzen zu müssen. Eine Art positiver neuer Gründungsmythos, der auch die Möglichkeit schafft, sich Union jenseits der Herkunft aus der DDR zu nähern. Gräfenstein hat die Stadionbauer vom Beginn bis zum Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC begleitet.

Das Rudel
Viel wird über Ultras gesprochen und geurteilt, ohne sich ein Bild dieser Gruppierungen zu machen. Das liegt zum Teil sicher auch daran, dass diese selbst sehr verschlossen sind und sich den Medien gegenüber kaum äußern. In diesem Dokumentarfilm gelingt es dem Regisseur Alexander Schimpke, Zugang zu den Ultras des 1. FC Wundervoll zu erhalten. Er begleitet sie bei einem Regionalligaspiel gegen Dynamo Dresden. Die Kamera folgt der Blickrichtung des Capos – Rücken zum Spielfeld und Gesicht zu den Rängen. Der Film vermittelt Einstellung und Gefühle der Ultras und die Bilder wirken mit einer ungemeinen Kraft auf den Zuschauer. Die Entscheidung, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden, nimmt der Film den Zuschauern trotzdem nicht ab.

Es ist so ruhig rund um das Stadion an der Alten Försterei. Hier und da wird ein bißchen gewerkelt. Der Rasen wird umsorgt. Brötchen gereicht. Fragen gestellt. Und die Spieler trainieren. Beschaulicher Alltag eines Zweitligavereins.
Am Mittwoch ereignete sich im Forsthaus allerdings folgendes: MK Medien Beteiligungsgesellschaft mbH (Michael Kölmel) verlängerte das zum 30. Juni dieses Jahres fällig werdende Darlehen um 15 Jahre. Bei diesem Darlehen geht es um fünf Millionen von insgesamt 15 Millionen Euro, die Kölmel Union geliehen hat, um wieder auf die Beine zu kommen. In der jetzigen Verlängerung wurden erfolgsabhängige Tilgungsziele vereinbart. Interessant ist, dass die MK Medien Beteiligungsgesellschaft das Darlehen ohne zusätzliche Zinsen verlängert hat. Das ist ungewöhnlich und sicherlich nicht nur aus Nächstenliebe geschehen. Die Verlängerung des Darlehens an sich war zu erwarten, da Kölmel ansonsten wie in Jena oder Leipzig seinem Geld hätte hinterschauen können. Aber wieso auf eine Verzinsung verzichten?
Auf der Mitgliederversammlung wurde der Stadionbau als identitätsstiftend und zukunftsweisend für den Verein gefeiert. Zusätzlich sorgte die auf den ersten Blick sehr positive Bilanz für gute Stimmung. Aber zur Zukunftsfähigkeit des Vereins gehört die Frage nach dem Schuldenabbau und dem weiteren Ausbau des Stadions dazu. Zehn Millionen Euro des Darlehens von Kölmel sind mit Rangrücktritt verbunden, werden also erst fällig, wenn Gewinn erwirtschaftet wird. Ob zwischendurch dafür weitere Zinsen anfallen, ist nicht bekannt. Durch diese Vereinbarung hat sich der Verein Luft verschafft. Spielraum für Investitionen im sportlichen Bereich, wie es zum Beispiel die Berliner Morgenpost sieht, sind nicht vorhanden. Es gab ja kein Geld geschenkt, sondern es muss nur später zurückgezahlt werden. Und die Vorstellung, Union hätte fünf Millionen Euro bereits zur Rückzahlung geparkt und könne sie jetzt anderweitig verwenden, ist schlichtweg naiv.
Präsident Dirk Zingler sprach auf der Mitgliederversammlung vom Bau der neuen Haupttribüne inklusive Funktionsgebäude. Baubeginn soll 2010 sein. Vor der Mitgliederversammlung gab es die Spekulation, Kölmel könnte sich von seinem Darlehen verabschieden und dafür in die Stadionbetreibergesellschaft einkaufen, wie es eigentlich mit der ISP vorgesehen war. Und damit ließe sich die Haupttribüne finanzieren. Dem erteilte Zingler eine klare Absage. Grundtenor: Die Gewinne sollen dem Verein zufließen. Daher sollte eine separate Vereinbarung mit Kölmel zum Darlehen erreicht werden und ein Investorenpool, dem sich Kölmel anschließen könne, den Neubau der Haupttribüne finanzieren. Auf der präsidialen To-Do Liste steht jetzt hinter Darlehen: ✔. Wenn sich hinter “Investorenpool finden” ein ebensolches Häkchen findet, können die Bagger wieder rollen.
Ohne eigentliche Winterpause ging es wieder los. Ungewohnter Zeitpunkt: 15. Januar. Ungewohnter Anblick: Marco Gebhardt auf der Tribüne. Auch Michael Bemben nicht einmal mehr im Kader, in den er sich kurz vor Jahresende erst wieder hineingespielt hatte. Dafür nahm der neun Jahre jüngere Paul Thomik auf der rechten Verteidigerseite seine Position ein. Ede hatte aufgrund einer Nagelentzündung am Fuß noch Rückstand und saß auf der Bank. Das ging in den letzten zwei Wochen sehr schnell. Thomik und Ede sind dabei und Gebhardt und Bemben raus. “Menschlich schwierig”, hört man so im Stadion. Auf der anderen Seite die für die zweite Liga notwendige Verjüngung angegangen. Und allemal ehrlicher als der Umgang mit Tom Persich.
Nachdem sich Oberhausen im Trainingslager im Süden größtenteils auf den sanitären Anlagen aufgehalten hatte, kamen Sie gestern mit Betonmischer in das Stadion an der Alten Försterei. Das wäre letztes Jahr sicherlich mit Begeisterung aufgenommen wurden. So aber wurde der Ball, kam er mal in Strafraumnähe, weggeköpft oder rausgeschlagen. Schön ist anders. Mehr als die vage Hoffnung auf einen Konter hatte die Mannschaft nicht im Gepäck. Ein Presschlag, der seinen Weg an das Lattenkreuz des 1. FC Wundervoll fand, war so ziemlich das einzige, was nach vorne gefährlich war.
Union versuchte zwar ein konstruktives Spiel aufzuziehen, blieb aber zu oft in den Abwehrreihen hängen. Auf ein allzu starkes Aufrücken wurde verzichtet. Lieber die Null hinten halten, als einem 0:1 hinterherzurennen. Am Ende hatten die Guten 64% Ballbesitz. Häufig wurde der Ball hinten herum gespielt, was aus der Quote der gelungenen Pässe (80%) abzulesen ist. In der gegnerischen Hälfte sinkt der Wert der gelungenen Zuspiele auf 60%. Brunnemann bemühte sich und rieb sich, oft hart angegangen, auf. Ansonsten war es schön, zu sehen, wie souverän zum Beispiel Göhlert und Rauw als Innenverteidigerduo oder Peitz im defensiven Mittelfeld ihren Dienst versahen. Wenn es kritisch wurde, waren sie auf den Posten.
Das Tor. Bei nur fünf Schüssen auf das Tor (drei durch Union) während des gesamten Spiels, verdient der entscheidenden Spielzug etwas mehr Beachtung. Pappas schießt Mosquera an, der den Ball unhaltbar abfälscht. Sah schön aus. Und entfachte Jubelstürme an den heimischen Empfangsgeräten. Nur mit welchem Körperteil hat er den Ball abgefälscht? Oberhausens Trainer Luginger monierte in der Pressekonferenz, jemand sage, dass es im Fernsehen nach Handspiel ausgesehen hätte. Was der Trainer wohl damit sagen wollte? Mosquera selbst sprach davon, dass der Ball von der Schulter abgelenkt wurde. Der Zentralorgan der deutschen Fußballberichterstattung bestimmte die Brust als das entscheidende Körperteil.
Egal, wie Mosquera sein siebtes Saisontor schoß. Union beendete die Serie von sechs sieglosen Spielen in Folge und blieb seit langer Zeit mal wieder ohne Gegentor. Um das ganze endgültig positiv zu sehen: Der 1. FC Wundervoll ist bereits seit vier Spielen ungeschlagen. Hammerserie! Wird Zeit, dass wieder vom Durchmarsch geschrieben wird…
1. FC Union Berlin – Rot-Weiß Oberhausen 1:0 (0:0)
1:0 Mosquera (60. Min)
Karten: Razic, Stoppelkamp (beide Oberhausen)
Zuschauer: 9.118

Der Präsident des 1. FC Union Berlin im Gespräch mit Matthias Wolf, Berliner Zeitung:
Wird das Stadion An der Alten Försterei irgendwann einen Sponsoren-Namen tragen?
Ich verrate jetzt mal was: Wenn ich das wollte, wäre der Name schon weg. Es wäre auch kein Problem, mit einem Vermarkter einen Vertrag zu schließen: 15 Jahre, gebt mir 20 Millionen sofort. Aber diese Wege wollen wir nicht gehen. Wir wollen unabhängig bleiben.
Diese Aussage wüsste ich gern irgendwo einbetoniert.
Auch die schönste Baustelle der Welt will beschützt sein. Und wenn Steffi und Andora einladen, eine Nachtwache im Stadion an der Alten Försterei zu machen, sollte man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Eine Nachtwache dauert von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Es sollte also viel Zeit bleiben, den beiden zuzuhören. Protokoll einer Nacht.
- 18.00 h Die roten Dachträger strahlen in der Abendsonne. Andora überreicht mir zwei große Schlüsselbünde. Daneben steht Zinni, der mir den wichtigsten Schlüssel erklärt: “Der verbogene ist für das Häuschen mit der Anzeigetafel.” Zinni kennt mich oder auch nicht. Genau kann ich das nicht feststellen. “Ich stehe immer da hinten.” Er deutet in die entgegengesetzte Ecke des Stadions. Steffi kommt mit der Verpflegung und wird von Zinni begrüßt: “Du bist doch die mit der Website.” Ich habe Zinni noch nie vorher gesehen, werde ihn aber nicht mehr vergessen.
- 19.06 h Das Kabuff, das unser Nachtquartier werden wird, musste erst einmal durchgelüftet werden. Tradition kann manchmal ganz schön muffig sein. Die Zahlentafeln stehen in der Ecke. Eine Acht und eine Null fehlen. Das Telefon klingelt. “Ist jemand vom Baubüro da?” Alle schon weg. Soll ich etwas ausrichten? “Sag einfach: Uschi, der Schweißer, hätte angerufen.” Uschi also. Ist notiert.
- 19.55 h Wir haben eine lange Stadionrunde gemacht. Andora erzählt. Und wenn Andora erzählt, möchte man sich jeden Satz merken. Ich möchte mal ein Buch über Union lesen, dass den Titel hat: “Andora erzählt.” Er läuft und rudert mit den Armen. Zeigt auf die Stahlträger, die heute montiert wurden, setzt den Rasensprenger um. Andora ist immer in Bewegung. Dabei ist jetzt auch Gerrit: Ein Roter aus Hannover.
- 20.40 h Die Tore sind verschlossen. Noch einige Jugendspieler sind in den Umkleiden. Wir sitzen vor dem Tor, durch das jemand einen langen Gummischlauch gezogen hat, auf dass dort steht: “Eisern Union!” Dirk Zingler (Präsident) und Sylvia Weisheit (Projektleiterin Stadionbau) kommen vorbei, um sich das Stadion anzusehen. Andora kaspert vor dem Wagen des Präsidenten. Gerrit hat derweil einen Beleuchtungsballon aufgebaut und versorgt uns mit einem schönen aus fünf Metern Höhe.
- 21.05 h Dirk Zingler und Sylvia Weisheit sind wieder weg. Andora kommt mit Taschenlampen und wir mit dem Essen zurück zum Tor. Der Ballon ist mittlerweile unser Privatmond. Steffi hat soviel Essen vorbereitet, dass man alle Stadiobauer davon satt bekommen hätte. Andora erzählt. Von Vom letzten Saisonspiel gegen Vorwärts Stralsund, für dass er die Schule geschwänzt hatte. Union hatte damals den Aufstieg verpasst und Andora beim Fahnenappell, der exklusiv für ihn veranstaltet wurde, eine von seinem Direktor verpasst bekommen. Andora erzählt von Potti und springt von Geschichte zu Geschichte. Mal ist es die Geschichte von Union und mal die von Andora. Genau kann man das gar nicht auseinanderhalten.
- 23.20 h Wir machen eine letzte gemeinsame Stadionrunde zu viert. Es ist dunkel und sehr still. Am Trainingsplatz finden wir eine tote Ente. Ist wohl in der Dunkelheit gegen den Pfosten des Ballfangnetzes geflogen.
- 01.10 h Andora klopft an die Tür. Alles ist in Ordnung. Er hat den Rasensprenger ausgestellt. Wir verabreden uns für kurz nach vier.
- 03.50 h Etwas geschlafen. Nun betrachte ich die Bäume und Sträucher. Steht da jemand oder nicht? Die Vögel haben bereits mit ihrem Gezwitscher begonnen. Wird Zeit, dass die Nacht vorbei geht.
- 04.35 h Die Kaffeekannen und Tassen werden abgewaschen. Der Kaffee für die Stadionbauer muss gekocht werden. Es ist sehr kalt geworden. Während der Kaffee durchläuft, geht die Sonne über dem Stadion auf.
- 05.50 h Steffi öffnet das Tor. Sylvia Weisheit ist bereits wieder da. Wir trinken eine Tasse Kaffee und ich verderbe mir daran erneut den Magen. Wir verabschieden uns von Gerrit. Andora möchte sich schlafen legen. Ob er das neben dem Baulärm schafft?
- 06.20 h Nach Hause.

