Archive for the 'angeben' Category

Die stärkste zweite Liga der Welt

Aufgedeckt am 21.08.2010 vom Berliner Kurier.

Berliner Geschwister

OK. Dann stelle ich mich also dieser Herausforderung. Als gäbe es davon im Leben nicht eh schon mehr als genug, musste ich natürlich zusagen. Ich, als Herthaner und Westberliner, der die Wende vor allem mauersteineklopfend erlebt hat und dementsprechend wenig Sinn für ein geteiltes Deutschland hat, habe nun den Salat. Ich habe mich also dazu bereit erklärt auf diesem – nennen wir es – eisernen Ostblog einen Beitrag zu schreiben. Einen Beitrag über die Berliner Geschwister, die da wären: Die große Schwester Hertha und der kleine eiserne Bruder David.

Nein. Ich werde nichts über Derbies in der zweiten Liga schreiben. Das ist ein Thema für Zeitungen, die große Buchstaben, viele Fotos und vor allem Meinungen in die Welt hinausposaunen. Außerdem wird es zwischen Union und Hertha erst dann ein richtiges Derby geben, wenn sich die beiden Teams in der ersten Liga duellieren. Also in der kommenden Spielzeit. Bis dahin werden Berliner Derbies nicht unbedingt mein Thema sein.

Ja. Dann schreibe ich doch lieber etwas über Innerberliner Verhältnisse. Allerdings kann ich auf Grund meines noch recht überschaubaren Alters wenig bis gar nichts mit dem ganzen Nostalgie-Gedöns anfangen, der vor der Wendezeit liegt. Ich weiß, dass es da mal eine Freundschaft zwischen den Eisernen und den Blau-Weißen gegeben haben soll. Heute weiß ich davon allerdings nichts mehr. Ich sehe, höre und lese wenig von dieser Freundschaft, außer dass es sie mal gegeben haben soll. Gott hab’ sie selig, die DDR, die Wende, die Nostalgie und die alte Freundschaft. Sicher war nicht alles schlecht, aber wen interessiert das heute noch?

Wenn ich also etwas über das Verhältnis von Union und Hertha schreibe, dann muss ich einiges vorweg stellen. Neben der oben geschilderten Ignoranz gegenüber der Vergangenheit, bin ich im höchstem Maße subjektiv. Ich schreibe über meine Wahrnehmung und meine Einschätzungen, die ich weder belegen kann noch will und die alle anderen gerne anders sehen dürfen. Nur zu, Widerspruch ist erwünscht.

Wer meine textliche Vergangenheit unter blau-weißer Flagge kennt und wer mein Geschreibe des letzten Jahres zur Kenntnis genommen hat, weiß sicherlich, dass ich der alten Dame und ihren Fans recht kritisch gegenüber stehe. Ich stehe zu ihr. Keine Frage. Aber ich mache sicherlich nicht alles mit und schreibe das dann auch. Soviel zur Vorrede.

Seit einem Jahr nun spielt da ein Berliner Vorort-Verein in der zweiten Liga und man kann ihn irgendwie nicht mehr ignorieren. So denken viele Nicht-Eiserne über Union. Immerhin spielen sie zweite Liga. Das ist zwar noch nicht Europapokal, aber auch nicht ganz unbedeutend. Nach dem Abstieg der Hertha kommt man um die Unioner endgültig nicht mehr herum. So wie man den jüngeren Bruder eben auch nicht ständig ignorieren kann. Er gehört dazu, ob man will oder nicht.

Sie sind ja auch irgendwie putzelig. Diese ehrlich arbeitenden Ossis. Da bauen sie auf HartzIV-Kostenstelle ihr Stadion in Handarbeit um. So denken die meisten blau-weißen Wessis, die sich ihr Stadion einfach direkt von der Stadt haben aufmotzen lassen. Das Reflexionsniveau unter Fußball-Fans scheint grundsätzlich unterdurchschnittnlich zu sein. Denke ich. Macht aber nichts, da lässt es sich einfach besser pöbeln.

Mal davon abgesehen, dass der kleine Nachbar ab und an mit kernigen Sprüchen provozieren möchte, fällt da noch etwas anderes in der Beziehung zwischen Ost-Unionern und West-Herthanern auf. Beide reklamieren ja nur zu gern für sich, der Fußball-Verein für ganz Berlin zu sein. Die kleinen, häßlichen Stiefgeschwister TeBe und Dynamo schreien da zwar immer auf. Aber wen interessiert das schon? Wichtiger ist noch, dass beide – sowohl Hertha als auch Union – es wohl auf absehbare Zeit nicht schaffen werden, der Berliner Gesamtverein zu werden. Und das ist auch gut so, denn Berlin stand immer schon und steht immer noch für Vielfalt.

Noch amüsanter wird es, wenn man sich die eisernen Sticheleien gegen ein leeres Olympiastadion anschaut. Klar, die Kritik und die Hähme sind angebracht. Das Olympiastadion ist doch häufiger zugig, denn euphorisch gefüllt. Allerdings sieht das in der vergleichsweise winzigen Alten Försterei nicht anders aus. Die Zuschauerzahlen der vergangenen Zweitliga-Saison sind nicht unbedingt rühmlich, nicht wahr? (Im Schnitt blieben ein Viertel der Plätze leer). Letztlich sollten beide Vereine bezüglich der Stadionauslastung die Klappe halten. Das wird sonst peinlich, wenn man einmal nach Düsseldorf oder Kaiserslautern schaut…

Aber so ist das halt, wenn groß und klein sich streiten. Hauptsache, der andere steht schlechter da, egal wie blöd man selbst dabei aussieht. Die große alte Dame – quasi die große Schwester des kleinen eisernen Bruders – sie müsste einfach locker bleiben. Kann sie aber nicht. Sie bekommt weitaus mehr Taschengeld, bekommt aber auch als erste Dresche, wenn es nicht so läuft. Schließlich muss sie mehr Verantwortung tragen. Der Kleine dagegen versucht sich immer wieder abzusetzen und anders zu sein, um dadurch aus dem großen Schatten der Schwester heraus zu treten.

Manchmal kann ich mich dem Eindruck nicht entziehen, dass der eiserne Zwerg aus der Berliner Provinz versucht, den Pauli-Mythos nach Berlin zu kopieren. Klar, die David-vs.-Goliath-Thematik passt. Ebenso ist die alte Dame größtenteils so piefig und bieder wie der HSV. Aber der kleine eiserne David kommt halt aus Köpenick. Und bei allem Respekt gegenüber diesem wunderschönen Stadtteil Berlins: Das ist mal eine ganz andere Hausnummer als der Hamburger Kiez. Sagen wir es so: An Piefigkeit ist der eiserne David zusammen mit der alten Dame ganz vorne mit dabei.

Natürlich mögen die Kenner da die feinen Unterschiede erschnüffeln. Ehemals ostdeutsch-piefiges Kleinbürgertum riecht anders als ehemals westdeutsch-piefiges Kleinbürgertum. Das will ja auch niemand wegdiskutieren und es ist ja sogar schön, dass es an jeder Berliner Ecke anders stinkt. Aber sowohl in ehemals Ost als auch in ehemals West war, ist und bleibt die kleinbürgerlich Piefigkeit. Du bist so wunderschön, Berlin!

Was ich an den Image-Kampagnen der großen Schwester Hertha schon seit Jahren kritisiere, ist ja dieses blind-taube Ignorieren der eigenen Identität. Ich bin mir sicher, dass Hertha sich erfolgreich als Marke etablieren könnte, wenn sie sich mehr auf den ihr eigenen Eck-Kneipen-Mief konzentrieren würde. Niemand mit einer echt blau-weißen Seele interessiert sich für play.berlin oder Aus Berlin. Für Berlin. Vielleicht kann man damit ein paar Brandenburger überzeugen. Aber auch nur vielleicht. Wahrscheinlich nicht.

Spielt sich der kleine eiserne und ebenso piefige David aus Berlin-Köpenick jedoch als alternativer Mainstream-Punk (sic!) auf, wird das nicht weniger peinlich als die blau-weiße Großmannssucht der alten Dame Hertha. An die Lernfähigkeit des Charlottenburger Managements glaube ich nicht mehr. Ich habe mich damit abgefunden, dass die alte Dame in meinem Leben wohl gerne etwas anderes werden möchte als sie bleiben wird und werden könnte. Ein Hoch auf die Schizophrenie!

Für den kleinen eisernen David besteht allerdings noch Hoffnung. Vielleicht werden in Zukunft auch ein paar Herthaner raus zur Alten Försterei fahren, weil man dort noch ein gepflegtes Pils bekommt, das man in piefiger Ruhe unter Gleichgesinnten konsumieren kann. In einer kleinbürgerlich engen Welt, in der der Fußball bleibt was er in seinem Kern ist: Ein netter Zeitvertreib, der einem Orientierung und Sicherheit gibt, für ein Leben, das eh aus viel zu vielen Herausforderungen besteht.

Ich hoffe, dass der kleine eiserne David aus den Fehlern seiner großen Schwester Hertha lernt. Falls nicht, bleiben uns die Derbies in der ersten Liga. In der kommenden Saison. Ich freue mich schon!

Mir steht jedes Trikot!

Man denkt, man wär bei Heidi Klum, irgendwo im Bild hat sich das Topmodel versteckt, und man soll es jetzt suchen. Es war dann aber doch das 11Freunde-WM Quartier, das sich doyoufootball und der 1.FC Union zur Präsentation der neuen Trikots ausgesucht haben. Man kann nun einwenden “Öax, das ist ja nur für hippe Leute, die hippe Magazine lesen – wat is´n mit normalen Menschen” – aber einwenden kann man ja praktisch immer irgend etwas, und verglichen mit den zu solchen Anlässen üblichen Arkaden, Passagen oder Sportarenen war das eine ganz vortreffliche Wahl.

Es war im Vorfeld klar, wie die Trikots aussehen würden. Dachte ich. Und dann habe ich sie gesehen. Sind genau wie auf der Zeichnung, bloß ganz anders. Klare Farben. Extreme Straßentauglichkeit speziell bei dem Grünen. Hosen, Stutzen und Trikot immer einheitlich in einer Farbe. Keine komischen Karos. Dass man das mal als Pluspunkt vermerken würde!

Befragt, ob die so in Ordnung wären, sagt Karim Benyamina “Mir steht jedes Trikot”, aber auch Jan Glinker (“Das Lila stand nur Buschi, mir nicht”) will seines diese Saison anziehen. Burlington, übrigens. Da kann sich die Strickjacke von Mehmet Scholl mal ein Beispiel dran nehmen.

O-Töne zur Trikotvorstellung vor allem vom Geschäftsführer von doyoufootball, Bernd vom Geldern, im Podcast:

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Warten auf einen Anruf vom Bundestrainer.

Seit heute Vormittag berichtet wurde, dass Michael Ballack aufgrund eines Innenbandrisses auf die WM wird verzichten müssen, geistern verschiedene Ersatzvarianten durch das Internet. Beispielhaft dafür die von heinzkamke bei Twitter.

Gesucht wird ein torgefährlicher Mittelfeldspieler und da kann eigentlich nur die, laut Sky Top-11 der Saison, “personifizierte Standardsituation” in Frage kommen: Torsten Mattuschka. Anstatt sich zu freuen, kommen natürlich zuerst die Bedenkenträger in rot-weiß hervor.

Der Einwand mag berechtigt sein, wenn bedacht wird, dass Mattuschka in der vierten Liga zu Union kam und sich selbst in die zweite Liga katapultiert hat. Zehn Tore und sieben Vorlagen sprechen ihre eigene Sprache. In Anspielung auf die ab und zu sichtbar gewesenen Schwankungen des Kampfgewichts wird jedoch klar ein Vorteil in der WM-Teilnahme gesehen.

Argumente, die auch die Zweifler überzeugen. Zumal, wenn sie selbst kürzlich erst den Rennsteiglauf absolviert haben.

Wäre das also geklärt. Nur was passiert mit Tusches Lied? Zwei Vorschläge wurden bereits eingereicht.

Morgen in Schönow lautet also die entscheidende Frage an Mattuschka: “Hat sich der Bundestrainer schon bei Ihnen gemeldet?”

There´s a new bus in town.

Erinnert sich außer mir noch jemand an die BMW-Art Cars? Die sind rein gar nichts gegen das, was ein guter Grafiker aus einem gewöhnlichen Mercedes machen kann. Klicken Sie hier und sehen Sie selbst. Ihr ah! und oh! dürfen Sie in die Kommentare schreiben oder direkt an Daniel Blauschmidt richten, bittesehr.

Und nur um den Gerüchten vorzubeugen: Holger Bahra lernt keinen neuen Beruf, der bleibt Torwarttrainer – auch wenn er da mit Auf-Achse-mäßiger Lässigkeit hinterm Steuer klemmt, wie Manfred Krug es nicht besser könnte. Den anderen Jungs, die alle “Mannschaftsbusfahrer” als Berufswunsch angegeben haben, sei gesagt: den Job macht schon jemand anders, leider. Ich habe ihn einparken sehen. Ich glaub, der kann das wirklich.

Rasenkritik …

… und wie man ihr entgegen tritt:

Während sich die anderen noch einem zünftigen Rosenkrieg Rasenstreit hingeben, hat man in Köpenick das naheliegende getan und den Rasen ausgetauscht.

Wenn, was wir hoffen, alle so sorgfältige Spielvorbereitung betrieben haben wie der Mann auf dem Trecker, kann morgen eigentlich nichts schief gehen.

Tipp für heute: Einfach mal mit Profis arbeiten.*

|*Den “Tipp für heute” hat Ahne erfunden. Dies ist eine Huldigung.|

Zurückblicken. Vorfreuen.

Mit dem Kurzfilmwettbewerb “Shortkicks” ging gestern das 11mm-Festival zuende. Als bester Kurzfilm wurde “Des Königs Fußball jüngster Trabant” von Walter G. Puls geehrt. 1967 gedreht, jahrzehntelang verschollen, kürzlich wiedergefunden und 2010 uraufgeführt, war´s ein sehr anrührender, liebevoller Film über einen kleinen Jungen und seinen ersten Fußball, der sich gegen eine starke internationale Konkurrenz behauptet hat.

Mein Liebling des Abends war Las Pelotas aus Argentinien mit der bahnbrechenden Erkenntnis, dass es an den Genen liegt, ob einer ein guter Fußballspieler wird – und einem Frauentausch als logischer Konsequenz (“Das ist kein Sex, das ist Wissenschaft”), dicht gefolgt von Juanjo Giménez´”Rodilla” aus Spanien, “Bloomfield” aus Israel und “L´Abitro” aus Italien – aber ich alleine kann so schlecht ein Rudel bilden und einen Film applaudierend auf Platz 1 lärmen.

Bei der Vergabe des Publikumspreises für den besten Fußballfilm des Jahres kam es zu einem kuriosen Unentschieden zwischen Hoffenheim und Berlin. “Eisern vereint” von Andreas Gräfenstein und “Das Leben ist kein Heimspiel” von Rouven Rech und Frank Pfeiffer teilen sich diese Auszeichnung absolut punktgleich.

Fünf aufregende, spannende, lustige, unterhaltsame Kinotage liegen hinter mir. Ich kann jetzt damit angeben, mit Rufus Beck im Kino gewesen zu sein. Aber mit Recht murrte gestern zuhause das Kind “Was´n – willste schon wieder Fernsehkucken gehen?” Heute kann ich darauf antworten “Nee. Erst wieder nächstes Jahr.”

Wir sind überall.

Immer mal wieder erfreut der 1.FC Union ganz Berlin mit einer Flut rot-weißer Plakate, denen man an Straßenecken begegnet, wo man sie nie vermutet hätte.

20091015_freude

Textile Schönheiten.

fahne

Andora und Matti haben zwei neue Fahnen gemacht, eine kleine, eine große – und ich freu mich wie Bolle, die am Union-Barkas flattern zu sehen. Weil beide Fahnen aber auch sonst jedweder Umgebung zur Zierde gereichen, kann man sie ab demnächst für den Haus- und Außerhausgebrauch erwerben.

fahne_matti

Der Jugend alle Aufmerksamkeit

18 x 18 heißt das neue Projekt, zu dem sich viele verschiedene Fußballblogger unter der Federführung von Robert Kapp zusammengefunden haben. 18 Jungprofis um die 18 Jahre alt von 18 verschiedenen Bundesligavereinen werden von 18 verschiedenen Fußballbloggern ein Jahr begleitet. Das war die Idee. Damit fiel leider unser 1. FC Wundervoll durch das Sieb. Aber mir gefiel die Idee gut und ich wollte mich auf jeden Fall an diesem Experiment beteiligen.

Also schnappte ich mir Lewis Holtby vom FC Schalke 04. Holtby kannte ich ein bisschen von der letzten Aachener Saison. Spannend erscheint mir, dass er seine Qualifikation als Profi bereits unter Beweis gestellt hat, sich nun aber in einer Schalker Mannschaft beweisen muss, die wie der gesamte Verein sich einem massiven Umbruch (oder einfach ausgedrückt: Felix Magath) gegenübersieht. Das und seine paralelle Entwicklung in der Juniorennationalmannschaft (U21 und U20-Weltmeisterschaft) sollten viel darüber zeigen, womit ein junger Profi konfrontiert wird. Wie genau sich das entwickeln wird, vermag ich noch nicht zu sagen. Ich würde mich allerdings freuen, wenn der eine oder andere drüben mal vorbeischauen würde.

Der Vorstellungstext ist bereits online: Lewis Holtby (FC Schalke 04)