Author Archive for Sebastian

Derbyvorbereitung in Köpenick

Neulich in der Köpenicker Altstadt.

Oberliga in Niederschöneweide

Sonntag Nachmittag in Berlin-Niederschöneweide. Sportplatz am Bruno-Bürgel-Weg an der Spree mit Blick auf das ehemalige Industriegebiet Oberschöneweide. Nebenan ein stillgelegtes Industrieareal mit ausrangierten BVG-Bussen und Warnschildern “Lebensgefahr! Freilaufende scharfe Hunde.” Die Sportanlage selbst macht einen aufgeräumten Eindruck und ist seit dieser Oberligasaison die reguläre Heimstätte der U23 des 1. FC Union Berlin.

Auf den mit Gras überwachsenen fünf Stufen der Gegengeraden fanden neben den 271 zahlenden Zuschauern auch manche Pilze ihren Platz zum Punktspiel gegen die TSG Neustrelitz. Davor ein Wagen mit Getränken und Wurst. Das Bild vom Sonntagsausflug machten Familien mit Kinderwagen und eine Oma im Klappstuhl perfekt.

Nur ein Ausflug ohne Arbeitseinsatz war der Sonntag auch für Unions zweiten Torhüter Marcel Höttecke, der im Tor stehen sollte. Allerdings wurde er auf dem Meldebogen vergessen und durfte nach dem Aufwärmen wieder nach Hause fahren. Uwe Neuhaus und sein Co-Trainer André Hofschneider sahen somit aus der Profimannschaft nur Christian Stuff spielen. Gegen die favorisierten Neustrelitzer entwickelte sich ein Abnutzungskampf im Mittelfeld, den die Unioner über den Kampf für sich entscheiden konnten. Sie gingen durch zwei Kopfballtore mit 2:0 in die Halbzeitpause. In der zweiten Hälfte verpasste das Team von Trainer Theo Gries die vorzeitige Entscheidung durch unkonzentriert ausgespielte Konter und vergebene Standards. So zitterte man kurz nach dem Anschlusstreffer, bevor Soltanpour durch ein Solo das entscheidende 3:1 gelang.

Während einige Frauen auf der Suche nach einem Filzstift für Autogramme waren, sorgte eine Tätlichkeit auf dem Rasen noch für Aufregung. Die Zuschauer hingegen brachte die rote Karte für den Neustrelitzer Ante Balic nicht in Wallung. Sie waren mit dem Erzählen ihrer eigenen Geschichten beschäftigt. Ein Sonntagsausflug eben.

Bilder: Stefanie Lamm

“Siegen tut gut.”

Im Gegensatz zu den als Testspiel deklarierten Aufeinandertreffen in der Vorbereitung gegen hochkrätige Mannschaften war der 1:3 Sieg am Freitag im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion gegen den Drittligisten SV Babelsberg 03 ein echter Test. Während Bauarbeiter auf der Tribüne des kleinen Stadions mit den einknickbaren Flutlichtmasten bohrten und hämmerten, schraubte auch Uwe Neuhaus an seiner Startelf. Zu statisch und ausrechenbar war in den ersten drei Pflichtspielen der Saison der Spielaufbau. Und echte Spielkontrolle, wie sie der Trainer fordert, konnte auch nicht gewonnen werden. So ging es vor allem um Selbstvertrauen oder wie Neuhaus es nach dem Spiel zusammenfasste: “Siegen tut gut.”

Für den rückengeplagten Daniel Göhlert rückte Bernd Rauw in die Innenverteidigung. Auf die linke Außenverteidigerposition rückte die Allzweckwaffe Christoph Menz und auf der rechten Position spielte erstmals seit mehr als einem halben Jahr wieder Paul Thomik, der sich zuletzt bei Unions U23 in der Oberliga Wettkampfpraxis holte. Auf die Sechserposition rückte Dominic Peitz und davor standen Mattuschka, Kolk und Quiring. Im Sturm stand die von vielen geforderte Doppelspitze mit Savran und Benyamina.

Für die Spieler ging es darum, sich für einen Platz in der Startformation gegen Paderborn zu empfehlen. Aus dieser Sicht wird sich Karim Benyamina ärgern. Zu lässig wollte er den von Savran von links hineingebrachten Ball aus fünf Meter Entfernung ins Tor schieben. So konnte der Ball auf der Linie von einem Verteidiger geklärt werden. Savran hingegen nahm seine Chance an und erzielte zwei Tore. Eins aus abseitsverdächtiger Position nach einem langen Freistoß von Mattuschka, den Madouni Peitz durchließ. Das zweite nach einem schönen Pass von Kolk auf Benyamina, der zwar etwas zu sehr nach rechts abgedrängt wurde, um selbst zum Torschuss zu kommen, aber auf Savran ablegte. Das zwischenzeitliche 2:0 besorgte Ahmed Madouni wiederum nach einem langen Freistoß von Mattuschka, als er am langen Pfosten den Ball im Springen über die Torlinie bugsierte.

Vom Ergebnis abgesehen, war das Spiel auch in anderer Hinsicht ein gelungener Test. Die Abwehr stand hinten meistens sicher, was aber auch am harmlosen Angriff der Babelsberger lag. Allein bei Eckbällen und hohen Flanken geht die Orientierung verloren. Bei fast jeder Ecke kam Babelsberg zum Schuß. Interessant zu sehen, dass bei Ballbesitz Union die beiden Außenverteidiger Menz und Thomik das Mittelfeld überliefen, um vorne ein Überzahlspiel zu generieren. Hinten rückten dann Rauw und Madouni auf die Außenpositionen. Peitz ließ sich in die Mitte zurückfallen und machte dann die Dreierkette perfekt. Wie diese Verteidigung bei einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung reagiert hätte, konnte man nicht sehen, da Babelsberg Kontersituationen im Prinzip nicht ausspielte.

Zum Spielbeginn gab es Diskussionen darum, ob Neuhaus im Mittelfeld eine Raute mit Peitz als defensivem Part oder einem Dreier-Mittelfeld spielen ließ. Die Antwort lautet: sowohl als auch. In der Vorwärtsbewegung stand Kolk vor den beiden Außenspielern Mattuschka und Quiring. In der Rückwärtsbewegung war häufig der Versuch zu beobachten, die Linie zu halten. Letzten Endes ist es aufgrund der Ähnlichkeit müßig, darüber zu diskutieren, ob Neuhaus die Mannschaft mit der Formation 4-1-3-2 oder 4-4-2 auf das Feld geschickt hat. Zu sehen war, dass sich im Spielaufbau deutlich mehr Anspielpositionen anboten und die Mannschaft dieses System deutlich mehr verinnerlicht hat als das vorher so magere 4-2-3-1. Uwe Neuhaus spielte den Systemwechsel danach allerdings runter “Das hat man sofort bei den beiden Standardsituationen gesehen, dass zwei Stürmer wirkungsvoller sind. – Aber natürlich hat sich Benyamina so wohler gefühlt.”

Als Gewinner des Spiels darf sich ohne Zweifel Halil Savran sehen, der von Uwe Neuhaus danach auch für seine Robustheit in den Zweikämpfen gelobt wurde: “Da ist jeder Verteidiger auf der Hut, weil er anderen auch weh tun kann. Er hat seinen Torinstinkt bewiesen und war gerade auch hinten heraus konditionell ganz gut dabei. Das war schon ein gutes Spiel von ihm.” Neben Thomik, der konditionell nicht nicht ganz auf der Höhe ist, gab es noch einen zweiten Langzeitverletzten, der sein erstes Spiel bestritt. Michael Parensen kam in der zweiten Halbzeit für Christoph Menz. Bei den Gesprächen nach dem Spiel kam dieser nicht mehr aus dem Grinsen heraus: “Das ist schön. Dafür habe ich ein halbes Jahr alleine trainiert, war im Wald und mit dem Fitness-Coach im Kraftraum. Jetzt bin ich einfach glücklich, das ich wieder auf dem Platz stehen kann mit den anderen zusammen. Und da ist es relativ egal, wie es für mich gelaufen ist. Wichtig ist, einfach wieder dabei gewesen zu sein und den Rasen zu schnuppern.”

Bei so vielen glücklichen Gesichtern gab es auch Spieler, für die es nicht so gut gelaufen ist. Marcel Höttecke als zweiter Torhüter bekam keine erneute Chance, und der in Spielen zuvor glücklos agierende John-Jairo Mosquera wurde nicht einmal eingewechselt.

Bilder: Stefanie Lamm

Kleines Derby mit großem Fragezeichen

Die Wende ist beinahe 21 Jahre her. Die deutsche Einheit fast 20 Jahre. Beinahe die Hälfte seiner Geschichte als 1. FC Union Berlin hat der Klub im wiedervereinigten Deutschland verbracht. Die Spieler sind meist um die 20 Jahre alt. Ein nicht unbedeutender Teil der Anhänger kennt das Verhältnis zwischen dem BFC Dynamo und dem 1. FC Union Berlin in der DDR nur vom Hörensagen.

Im Punktspiel der fünftklassigen NOFV Oberliga-Nord trifft der 1. FC Union II auf die erste Mannschaft des des BFC Dynamo. In der 90. Minute trifft Marcel Hegert zum Sieg für Union. Ein ganz normales Punktspiel vor 1.821 Zuschauern? Mitnichten. Warum? Keine Antwort.

Die 90. Minute

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Bilder: Stefanie Lamm

Drachen, Boot und Rennen

Vom Müggelturm schweift der Blick über den Langen See hinüber zu Villen und Häusern von Rudervereinen vorbei. Herren, die sich nur der Ausübung des reinen Sports verpflichtet sahen, fuhren auf der Regatta-Strecke in Berlin-Grünau ihre Ruder- und Segelregatten, während die Damen sich herausputzten. Wenn die Union-Supporter vom “Eisernen Virus” zu ihrem Geburtstag zum alljährlichen Drachenbootrennen rufen, steht die Szenerie im krassen Widerspruch zur Gründungszeit der Sportanlage. Dann steht neben dem sportlichen Wettstreit vor allem der Spaß im Zentrum.

Schon beim Betreten der Anlage des 8. Union Drachenboot-Fun-Cups sieht es aus, als ob römische Feldherren ihre Lager aufgeschlagen haben. Fast jedes der 33 Teams hat sein eigenes Zelt am Ufer aufgebaut und wartet auf den Start. Auf der zu den Olympischen Spielen 1936 erbauten Tribüne lümmeln sich Unioner im Schatten, während die Drachenboote in der Sonne ihre drei Vorläufe über 200m fahren. Neben den vielen Fanklubs treten auch die Geschäftsstelle, das Nachwuchsleistungszentrum und die Betriebsgesellschaft des Stadions an. Wie viele Fans haben sich auch Teile der sportlichen Leitung die Nacht auf der Autobahn um die Ohren geschlagen, um am Rennen teilnehmen zu können.

Während das Team der Geschäftsstelle im ersten Rennen das Nachwuchsleistungszentrum noch knapp schlagen kann, verliert das Team im zweiten Lauf den Steuermann, der hinterherschwimmt. Präsident Dirk Zingler erklärt das Ergebnis kurzerhand zum Streichresultat und setzt sich im letzten Lauf selbst an die Trommel um den Takt vorzugeben. Einen solchen Wechsel hat die Stadionbetriebsgesellschaft nicht nötig. Ebenso wie auf der Stadionbaustelle hat Sylvia Weisheit auch hier die Männer im Griff und gibt mit einem Lächeln eisern das Tempo vor. Auf das sportliche Ziel beim Drachenbootrennen angesprochen, äußerte der Pressesprecher der Stadionbetriebsgesellschaft nur: “Das ist eine nichtöffentliche Gesellschaft.”

Die lockere und gelöste Atmosphäre auf dem Gelände mit einer schützenswerten Anzeigetafel erinnert an einen Familienausflug. Der Ehrgeiz der meisten Teams lässt sich an der Anfeuerung einer Trommlerin festmachen, die ihre Mannschaft mit “Los ihr Luschen!” ins Boot treibt. Zur Abkühlung wird einfach ins Wasser gesprungen. Und der Aufsichtsratschef Antonio Hurtado bereitet eine Paella zu. Manchmal wird der Blick in die Seele eines Sportvereins erst abseits vom Wettkampf klar.

Bilder: Stefanie Lamm

Die stärkste zweite Liga der Welt

Aufgedeckt am 21.08.2010 vom Berliner Kurier.

Die glorreichen Sieben.

Groß war das Lamento in der Hauptstadt, als der Abstieg von Hertha BSC feststand. Es sei eine Schande, dass ausgerechnet in Deutschland kein Hauptstadtverein in der obersten Spielklasse vertreten sei. Ganz so, als ob es vorher ein Bundesgesetz gegeben hätte, dass bis 1990 dem Bonner SC einen Stammplatz in der Bundesliga garantierte. Die Mär vom einzigen Hauptsstadtklub stimmt indes auch nur bedingt. Allerdings ist der Verweis auf den zweitklassigen FC Vaduz auch kein erstklassiger Freispruch.

Dafür kann Berlin für sich den Titel “Hauptstadt der Zweitklassigkeit” beanspruchen. Keine andere Stadt hat seit der Einführung der Spielklasse 1974 mehr Vereine in das Unterhaus entsandt. Dabei ist ein Teil dieser sieben Klubs mittlerweile in Spielklassen angekommen, die von den vergangenen Erfolgen wenig ahnen lassen.

Quelle: http://www.fussballdaten.de/zweiteliga/ewigetabelle

Spandauer SV

Viel bleibt dem Spandauer SV nicht. Aber den Titel der schlechtesten Mannschaft der zweiten Liga wird dem Verein niemand nehmen können. 1975 in die 2. Bundesliga Nord aufgestiegen, scheiterte die Mannschaft grandios und holte lediglich zwei Siege in 38 Partien. Ebenso wie Tasmania 1900 den Titel in der Bundesliga wohl für immer behalten wird, bleibt dieser auch beim SSV. Letzte Saison machte Spandau als Skandalnudel in der sechstklassigen Verbandsliga von sich reden, als der Verein wegen ausstehender Verbandsgebühren zeitweise vom Spielbetrieb suspendiert wurde oder im Ligaspiel aufgrund fehlender Spieler einfach der 56jährige Frank Marczewski eingesetzt, der 1976 noch mit dem SSV in der zweiten Bundesliga spielte. Mit zwei Siegen und sechs Punkten stand der Abstieg in die Landesliga fest.

Frank Marczewski mit dem Spandauer SV gegen den 1. FC Union II

SC Charlottenburg

Auch die große Zeit des SC Charlottenburg ist bereits Vergangenheit. Viel bekannter ist mittlerweile die Volleyballabteilung, die beständig mit Friedrichshafen um die Meisterschaft kämpft. Doch Ende der 70er Jahre stieg der SCC mit seiner Fußballmannschaft innerhalb von fünf Jahren vier Mal auf und stand in der Saison 83/84 in der 2. Bundesliga. Es folgte mit einem knappen Rückstand von zwei Punkten der sofortige Abstieg. Da tröstete auch eine positive Bilanz gegen Hertha (Sieg und Unentschieden) nicht. Andreas Köpke wechselte jedenfalls schnell den Verein und spielte ab der nächsten Saison bei Hertha BSC. Zweimal verpasste der SCC kurz darauf in der Aufstiegsrunde den Sprung in Liga zwei. Und ab Ende der 80er ging es bergab.

Heute spielt der SC Charlottenburg in der Landesliga. Einen Aufstieg in die zwei Klassen höhere Oberliga mag man ihm und seinen Anhängern allerdings angesichts solchen Liedgutes nicht wünschen. Die Polizei in Ostdeutschland ist da mittlerweile sehr sensibel:

Wir sind die Jungs vom SCC
wir sind ein stolzer Hieb
Und mancher der uns unterschätzt
schon auf der Strecke blieb

Refrain: “Schwarzes C” ist ok
“Schwarzes C” ist ok ja ja ja ja ja
“Schwarzes C” ist ok
wir sind ein stolzer Hieb

Quelle: www.scc-fussball.de

SC Wacker 04 Berlin

Vom Gründungsmitglied der zweiten Bundesliga ist nur noch ein Namensfragment geblieben. Der Verein wurde 1994 nach einem Konkurs aufgelöst und die Mitglieder traten dem Berliner FC Alemannia 90 bei, der seitdem als Berliner FC Alemannia 90 Wacker Fußball spielt. Nach der Gründung der zweiten Bundesliga spielte Wacker drei Spielzeiten in der neuen Spielklasse und gab letztmalig 1978/79 ein einjähriges Gastspiel. Diese Zeit ist identisch mit den Jahren, die Richard Golz in der dortigen Jugendabteilung verbrachte.

Heute geht es dem Verein um das Überleben in der 2. Abteilung der Landesliga, wo man dieses Jahr, Ironie der Geschichte, auf die ehemaligen Zweitligisten Spandauer SV und SC Charlottenburg trifft. Aus administrativer Sicht nicht unglücklich ist man darüber, dass Wacker 04 der Heimatverein von Bernd Schultz, dem derzeitigen Präsidenten des Berliner Fußballverbandes, ist.

SpVgg Blau-Weiß 1890 Berlin

Als sich der gesamte Westberliner Fußball Mitte der 80er Jahre dem Siechtum hingab, hielt Blau-Weiß 90 das Fähnchen hoch. Ab 1984 spielte der Verein im Profifußball. Als Tennis Borussia und Hertha BSC in die Amateurliga abstiegen, gelang dem Verein sogar der Aufstieg in die Bundesliga. Damit einher ging ein legendärer Auftritt im ZDF Sportstudio, als die Mannschaft mit dem Schlagersänger Bernhard Brink mitwippen durfte.

Sportlich in der Abstiegsrunde 1991/92 gerettet, entzog der DFB dem Verein die Lizenz für die neue Spielzeit, was Konkurs und Auflösung des Vereins zur Folge hatte. Die Traditionslinie setzt seitdem der SV Blau-Weiß 90 fort, der derzeit in der Berzirksliga wieder höhere Ziele ausgibt.

Tennis Borussia Berlin

Im Jahr der Gründung der zweiten Bundesliga spielte Tennis Borussia eine Etage höher und lernte das sogenannte Unterhaus nur im Falle des Abstieges kennen. Als die zweite Bundesliga 1981 eingleisig wurde, war der Verein ein Opfer der Reform und seiner vorher schlechteren Plazierungen. Ab da wurde bis auf die Saison 85/86 nur noch drittklassig gespielt.

1993 steigt Tennis Borussia in die zweite Liga auf, obwohl der 1. FC Union den Erfolg sportlich sicher hatte. Union hatte die Lizenzunterlagen mit einer gefälschten Bankbürgschaft erhalten. Darum, auf welchem Wege und unter welchen Umständen diese Informationen zum damaligen Präsidenten von Tebe, Jack White, kamen, ranken sich verschiedene Legenden. Fakt ist, dass White dem DFB die gefälschte Bürgschaft meldete und Tebe anstatt Union in der zweiten Liga antrat. Der Beginn einer tiefen Abneigung der beiden Anhängerschaften. Daran änderte auch der sofortige Abstieg der Charlottenburger nichts.

Ein zweites Intermezzo gab es von 1998 bis 2000, das allerdings mit den finanziellen Ungereimtheiten um die Göttinger Gruppe mit dem Lizenzentzug endete. Seitdem versucht der Klub immer wieder auf die Beine zu kommen. Aber eine solide Finanzierung hat sich seitdem nicht wieder gefunden. Letzte Saison wartete man vergeblich auf von einem nicht näher bekannten “Sponsor” zugesagte Gelder, die bis zum Schluß nicht ankamen. Die kurzfristige Präsentation von Werner Lorant als Sportdirektor half ebenso wenig. Seit diesem Jahr spielt der Verein wieder in der fünftklassigen Oberliga.

Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin

Berlins aktuelle Zweitligisten. Die Rollen sind klar verteilt. Hertha besaß mit Theo Gries einen der erfolgreichsten Torschützen der 2. Liga (123 Tore). Union besitzt mit Theo Gries als Trainer der eigenen U23-Mannschaft einen der erfolgreichsten Torschützen der 2. Liga (123 Tore).

Hertha kann wohl auf das zuschauerreichste Zweitligaspiel verweisen (75.000), als 1997 der 1. FC Kaiserslautern im Olympiastadion gastierte. Dafür verweist Union gerne auf die zuschauerreichste Stadionsanierung (ca. 2.000).

Union ist einer der wenigen Zweitligisten, die im Europapokal spielten (2001/02). Dafür spielte die Hertha deutlich erfolgreicher im Europapokal.

Ansonsten ist zum Verhältnis beider Vereine wenig zu sagen, da diese in ihrer bisherigen Verfassung noch kein einziges Pflichtspiel gegeneinander ausgetragen haben. Das letzte Aufeinandertreffen muss in der Saison 1949/50 in der damals letztmalig ausgetragenen Gesamtberliner Stadtmeisterschaft stattgefunden haben. Kurz darauf wurden die beiden Ostberliner Vereine zurückgezogen und die von Hanne Sobeck trainierte Mannschaft aus Oberschöneweide verließ den Ostsektor.

Leipziger Allerlei

Auch einen Tag nach der Pokalniederlage gegen den Halleschen FC im Leipziger Zentralstadion ist Sprachlosigkeit und Frust allgegenwärtig. Auch wenn es im Nachhinein sicher niemand so sagt, wurde doch im Geiste bereits die zweite Runde geplant. Ein überzeugter Trainer gab vor dem Spiel aus: “Wir nehmen die uns zugeschriebene Favoritenrolle an, so selbstbewusst sind wir. Wichtig ist es, diese dann auf dem Feld auch entsprechend umzusetzen.“ Gegen einen Viertligisten gelang dies schlussendlich nicht wie vorgestellt.

Zwar gelang es, sich eine optische Feldüberlegenheit zu erarbeiten, doch konnte man damit wenig anfangen. Während viele Anhänger dem Auftritt mit einer Spitze die Schuld gaben und damit Neuhaus Ängstlichkeit vorwarfen, war doch auffällig, dass vor allem die Außenspieler den für diese Taktik notwendigen Druck nicht ausüben konnten. Schaut man sich die Linie Mattuschka, als offensive Sechs aufgeboten, Kolk, Mosquera an, fällt auf, dass deren Spiel durch die Mitte sehr leicht zu verteidigen ist. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob ein 4-4-2, wie es ab der 58. Minute durch die Hereinnahme von Benyamina praktiziert wurde, besser gegen Halle funktioniert hätte. Im Zweifelsfall hätten sich sowohl Mosquera als auch Benyamina in der Abwehr verfangen. Und genauso hätte der viel gescholtene Mosquera in der 23. Minute seinem Trainer auch Recht geben können, als er frei vor dem Keeper über das Tor drosch.

Als verhängnisvoll offenbarte sich das wenig flexible Angriffsspiel, das es nicht vermochte, die Abwehr von Halle auseinanderzuziehen. Einen Gegentreffer durch ein verlorenes Kopfballduell muss man einkalkulieren. Dies hatte eindrucksvoll St. Pauli am Vortag gezeigt.

Was bleibt von diesem Spiel? Ebenso wie im Vorjahr wurde die gute Vorbereitung durch eine Pleite im Pokal in Frage gestellt. Ob allerdings dieses Mal die Reservespieler in einem solchen Maße profitieren wie in der letzten Saison, darf bezweifelt werden. Kolk oder Madouni holt man nicht, um diese nach einem verlorenen Spiel auf die Bank zu setzen.

Neben dem Platz müssen sich die Anhänger des 1. FC Wundervoll fragen lassen, ob sie sich im Protest gegen die überbordenden Polizeimaßnahmen mit dem richtigen Partner verbündet haben. Gemeinsam erschienen die Anhänger aus Berlin und Halle in schwarz und boykottierten in den ersten 15 Minuten jede lautstarke Anfeuerung. Am Ende explodierten trotz scharfer Einlasskontrollen Knallkörper neben Unions Torhüter Jan Glinker. Dieser spielte sportlich fair weiter. Aber einen Rechtfertigungsdruck für ihre Maßnahmen wird die Leipziger Polizei nach der Partie nicht spüren. Und Halles Anhänger, bereits wegen rassistischer und antisemitischer Rufe verurteilt, werden weiter ihre Bühne nutzen. Denn durch das faire Verhalten von Glinker wird sicherlich nicht an der Wertung des Spiels gerüttelt werden.

“Ich mache jetzt drei Tage Urlaub in der Türkei”

Das Poststadion in Berlin-Moabit ist ein geschichtsträchtiger Ort. Schalke holte hier 1934 die Deutsche Meisterschaft und zwei Jahre später der 1. FC Nürnberg auch. Zwischendurch boxte Max Schmeling im weiten Rund. Von diesem Ruhm und Glanz zeugt heute vor allem die Außenfassade, die wiederhergestellt wurde und die Tribüne, obwohl dort ein Großteil der Sitze abmontiert ist. Die Anlage fasst heute noch 10.000 anstatt der früher möglichen 45.000 Zuschauer. Dort, wor früher die Tribünen waren, stehen heute Bäume.

In diesem Stadion empfing in der ersten Runde des DFB-Pokals der Oberligist Berliner Athletik-Klub 07 den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Verglichen mit den Sicherheitsdiskussionen anderer Spiele bestach die Organisation durch eine beinahe familiäre Atmosphäre. Am Haupteingang probierten sich ein paar Jungs im fröhlichen Wechsel der knappen Parkschilder. Auto fährt mit Parkschein auf das Stadiongelände, Parkschein kommt wieder zurück zum Haupteingang und so weiter. Kurze Zeit später riss aber einer Ordnerin der Geduldsfaden: “Das ist doch hier keine Familienfeier!” Und der Spuk war aus.

Die gescheiterte Verschmelzung mit dem Club Italia Berlino war kein Thema mehr. Auf dessen Geld war man nach dem überaschenden Berliner Pokalsieg gegen den BFC Dynamo nicht mehr angewiesen. Allein für den Antritt in der ersten Runde erhielt der Verein vom DFB die für einen Fünftligisten sehr stolze Summe von 113.000 € (100.000 € Antrittsprämie plus 13.000 € vom Pay-TV für den Heimverein). Der Verein hat sich umorientiert. Die Kooperation mit Ankaraspor in der Türkei ist Vergangenheit und war an diesem Tag nur auf dem offiziellen Mannschaftsbogen als Berlin Ankaraspor Kulübü zu lesen. Erst in der nächsten Woche wird die Rückbenennung in Berliner Athletik-Klub 07 durch das Amtsgericht offiziell werden. Aber der neue alte Name und Emblem sind bereits überall sichtbar. Auch auf den Trikots der Spieler.

Zwar befindet man sich als Zuschauer nur knapp zehn Minuten Fußweg vom Berliner Hauptbahnhof entfernt. Aber trotzdem war die Berliner Mitte ganz weit weg. Den Ehrengästen wurde türkischer Kaffee gereicht und beleibte türkische Männer küssten sich und hielten lange die Hand. Es waren ganz andere kulturelle Codes, die wichtig waren. Über allem stand die Improvisation für einen Verein, der zu einem normalen Ligaspiel etwa 150 Zuschauer empfängt. Zur Pokalrunde waren es für Berliner Verhältnisse gute 1.120 Zuschauer. In jeder anderen Stadt eine beschämend niedrige Zahl.

Zum Anpfiff war jedoch allen das gleiche wichtig: Fußball. Ein einfaches Spiel, das in beinahe jedem kulturellen Kontext funktioniert. Mainz nahm in der schwülen Luft die vorbereitete Rolle des Favoriten an, der pomadig und behäbig das leicht zu hohe Gras beackerte, während der BAK die Räume geschickt verengte. Unterhalb der Hauptribüne standen auf Stehplätzen die Anhänger des BAK und eine kleine Gruppe sang und trommelte unentwegt. Kinder wurden von ihren Vätern auf die hüfthohe Absperrung gesetzt, während Ordner gelangweilt auf Plastikstühlen saßen.

Und dann in der 37. Minute die Einzelaktion von Lewis Holtby, der einfach mal aus 18 m zentral vor dem Tor abzieht. Vom BAK war bis dahin offensiv kein Schuss zu sehen gewesen, der auf das Tor kam. Plötzlich schien es einen Ruck zu geben und nur eine Minute später köpfte der junge Fardjad-Azad an die Latte und kurze Zeit später noch einmal am Tor vorbei. Mainz wusste sich nicht anders als mit einigen Fouls zu helfen, die vom Schiedsrichter nicht sofort mit Gelb geahndet wurden. Dies sorgte auf der Tribüne für Unmut und es entlud sich eine türkische Schimpfkanonade, die gut hörbar mit “Schirie, hast Du keine Mut oder was?” endete.

Torhüter Stillenmunkes testete in der zweiten Hälfte zweimal seine Dribbelkünste gegen die Mainzer Stürmer. Auf der Tribüne wurde geraunt, ob er unbedingt in die Sportschau kommen wolle. Nach dem Spiel löste Trainer Foroutan das Rätsel auf: “In der Kabine bin ich laut geworden, sogar sehr sehr laut. Und ich habe meinem Tormann angeordnet, wenn er den Ball bekommt, durch die Beine des gegnerischen Mittelstürmers zu spielen. Und wenn dabei ein Tor fällt, dann sei ich daran schuld und nicht er.” Der Rest des Spieles folgte der Dramaturgie eines üblichen Pokalspiels. Holtby erhöht auf 2:0. Und dann kämpft der unterklassige Gegner sich heran und macht mit Keser, der Noveski aussteigen lässt, in der 83. Minute den Anschlusstreffer. Der Rest war Kampf und bereits etwas Krampf bei den Gastgebern. Ohne den erhofften Ausgleich allerdings.

Nach dem Spiel feiert die Mannschaft des BAK vor der Tribüne. Sie gibt die Welle. Und dann stehen Torhüter Stillenmunkes, Torschütze Keser, der vor dem Tor glücklose Fardjad-Azad und der Trainer zusammen. Sie gestikulieren und diskutieren. Keser hadert mit seinen Chancen. Plötzlich zeigt der Torhüter auf die Gegentribüne und sagt: “Trainer, ich muss mal zu meinen Fans.” Und rennt los zu einer allein feiernden Gruppe von vielleicht sieben acht Leuten. Ibrahim Keser, der nach seinem Tor einen Jubel zeigte, für den auch der ehrwürdige Kicker das Prädikat “Internationale Klasse” vergeben hätte, trauerte der vergebenen Chance hinterher. Auf die Frage, ob er die Nacht schlecht schlafen würde, antwortete er: “Weiß ich nicht. Ich fliege jetzt erst einmal in die Türkei, drei Tage Urlaub machen”.

Pressekonferenz mit den Trainern von BAK 07 und Mainz 05

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Bilder: Stefanie Lamm

Es gibt nur zwei Vereine an der Spree

In die Schwalbe im Prenzlauer Berg kamen zur ersten in dieser Saison vom Journalisten Thorsten Poppe organisierten Sportstunde der Präsident des Berliner Fußballverbandes, Bernd Schultz, und Christian Beeck, Sportdirektor des 1. FC Union Berlin. Das übergeordnete Thema lautete “Derbyzeit in Liga 2 – Chance für den Berliner Fußball?”.

Es wurden sämtliche Themen rund um das Zusammentreffen der beiden Vereine besprochen. Sei es die Stadionfrage, der Verweis auf eine ehemalige Fanfreundschaft während der Teilung Berlins, das unterschiedliche Image der Klubs oder der kleine Platzsturm beim Spiel Hertha gegen Nürnberg im Olympiastadion. Diese Themen und auch die Antworten waren rundum erwartbar und boten für den aufmerksamen Betrachter des Berliner Fußballs wenig Neues.

Dafür entführte Thorsten Poppe vor dem Gespräch die Zuschauer in eine Zeit, als im Berliner Fußball im Profibereich noch gegeneinander gespielt wurde. Bei Ereignissen wie den von ihm erwähnten Bundesligaduellen von Tennis Borussia gegen Hertha BSC stellte sich ein bißchen das Gefühl von “Opa erzählt vom Krieg” ein. So unwirklich und unvorstellbar klingt solch ein Aufeinandertreffen heute.

Die Chance für den Berliner Fußball selbst, der gerade gestern durch eine Gerichtsentscheidung wieder einmal zurückgeworfen wurde, konnte allerdings nicht herausgearbeitet werden. Natürlich betonten beide Gäste, dass sie auf eine gesunde Rivalität hofften. Bernd Schultz bat zusätzlich die Medien, keine Ost-West-Geschichten zu konstruieren. Ansonsten sah man, dass sowohl der Sportdirektor von Union als auch der Präsident des Berliner Verbandes sich gut verstanden. Es war insgesamt eine sehr kuschelige Atmosphäre. Unverständlich, dass es Hertha nicht möglich war, jemanden aus der Geschäftsstelle zu schicken, der den Gegenpart hätte geben können.

Der Berliner Fußball krankt aber nicht oben im Profibereich, auch wenn es verständlich ist, dass sich der Präsident einen Erstligisten als Aushängeschild wünscht. Im Nachgespräch machte Schultz auch deutlich, dass gerade die Regionalliga in ihrer bestehenden Form keine Zukunft haben wird. Alternative Modelle, die sowohl den Profibereich und dessen Wunsch nach Wettkampfpraxis seiner Nachwuchsmannschaften als auch die Sehnsucht nach einer attraktiven Liga durch die normalen Mannschaften befriedigen, seien allerdings bisher noch nicht gefunden. Fakt sei aber, dass zumindest die Anzahl der zweiten Mannschaften begrenzt werden müsse. Auch der Frauenfußball führe in Berlin ein stiefmütterliches Dasein. Dem stellte Schultz allerdings eine sehr gute Entwicklung im Mädchenbereich gegenüber.

Die nächste Sportstunde findet am 9. September um 21 h in der Schwalbe (Stargarder Straße 10, Prenzlauer Berg) statt. Als Gast wird Andreas Rettig (Geschäftsführer des FC Augsburg) vor Ort sein. Das Thema lautet: “Die Entwicklung der Bundesliga im wirtschaftlichen und sportlichen Vergleich mit den europäischen Top-Ligen”.

Mitschnitt des ersten Teils der Diskussion mit Schultz und Beeck (35 Min)

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Podcast in iTunes abonnieren

Podcast als RSS-Feed abonnieren

Download als MP3

Bemerkung: Leider ist der Akku im Aufnahmegerät leer gewesen, so dass der zweite Teil nicht gespeichert wurde.