Monthly Archive for November, 2009

Union Berlin und FC St. Pauli: Manchmal ist Freiheit dreckig und natürlich ist Fußball auch Politik

Die schlechte Nachricht vorneweg: Wir. Werden. Nicht. In. Hamburg. Sein. Niemanden könnte das mehr schmerzen als uns, und leider gibts keinen, den man dafür zur Verantwortung oder an den Ohren ziehen könnte. Trotzdem ein Großteil des Millerntorstadions fehlt, gingen soviele Karten wie auch sonst üblich nach Berlin. Es waren angesichts des Publikumsinteresses zu wenige. Der Verein -also, der unsrige- hat sich bemüht, die zu wenigen Karten so gerecht als möglich zu verteilen. Union gegen St. Pauli ist eine dieser Partien, bei denen die Karten immer irgendwie zu wenige sein werden, selbst wenn man das Spiel auf Mittwoch früh um 6 in den Wald verlegte. “Wie kommt das?” haben wir uns gefragt. Und weil wir keine Zeit für die Planung und Durchführung einer Auswärtsfahrt verwenden mussten, sind wir statt dessen genau dieser Frage nachgegangen. Für alle, die auch zuhause bleiben müssen. Für alle, die dabei sein können.

Wir haben aus Praktikabilitätsgründen die eine große Frage in fünf kleinere zerbröselt und an Erik nach Hamburg geschickt. Erik kennen wir aus diesem Dorf namens Twitter. Er war am Montag zusammen mit Heiko zum Spiel gegen Kaiserslautern im Stadion An der Alten Försterei und schrieb hinterher mit einiger Begeisterung, es sei eine “millertorartige Stimmung” gewesen. Unverschämtheit, dachte ich. Aber ´ne nette Unverschämtheit. Und genau der richtige Mensch zum Befragen. Erik las unsere Fragen, stutzte, spruch: dis kann ich so nicht beantworten. In allen anderen Fällen wäre das der frühe Tod einer an sich guten Idee gewesen. Was aber macht der netzaffine Fan der Neuzeit? Er setzt auf Schwarmintelligenz und reicht die Frage weiter. An ungefähr alle Leute, die er kennt. Entstanden ist nicht “die Antwort”, sondern ein Antwortenfestival.

Wir freuen uns und sagen danke dafür!

20091128_union-stpauli

Wir dachten, St. Pauli sei im goldenen Westen, aber die Stadionfrage begleitet Euch ja mindestens genauso lange wie uns. Welche Probleme gab es und mit welchen Einschränkungen müsst ihr während des Umbaus leben? Gab es bei euch ebenfalls Überlegungen, die Fans am Bau zu beteiligen?

René Martens (Autor von “Niemand siegt am Millerntor. Die Geschichte des legendären St.-Pauli-Stadions“) antwortet:

Einige Teilaspekte von Frage 1 kann ich kurz anreißen. Da das Thema Stadion-um bzw. – neubau uns seit 1983 begleitet und es sich bei dem Modell, das sich jetzt in der Umsetzung befindet, um ungefähr das achte handelt (über die genaue Zahl lässt sich streiten, das hängt davon ab, ob man bestimmte Untervarianten als eigenständiges Modell betrachtet), lässt sich zu den Problemen nur so viel sagen: Es gab praktisch jedes Mal andere.

Zu den Problemen, die es beim Bau der Südtribüne gab, vielleicht so viel: Die Planung war in vielerlei Hinsicht unprofessionell, der externe Projektleiter agierte sehr oft sehr befremdlich (glücklicherweise mischt der Bursche beim weiteren Neubau nicht mehr mit). Außerdem wurden wesentliche Teile des Konzepts nicht umgesetzt. Unter dem Schlagwort „St. Pauli antik“ war angekündigt worden, den Charme des alten Stadions auf innenarchitektonischem Wege ins neue Bauwerk zu transferieren. Von diesen Ideen ist aber fast nichts übrig geblieben.

Ein Problem war sicherlich auch, dass es mit der Fanbeteiligung – um ein weiteres Stichwort aufzugreifen – nicht hingehauen hat: Ende August 2007 löste sich die so genannte Lenkungsgruppe auf, die aus Fanvertretern und Mitgliedern des Amateurvorstands bestand – und beim Stadionbau eigentlich als eine Art Beirat und Kontrollgremium für die operativ tätige Projektgruppe fungieren sollte. In einer Stellungnahme zur Auflösung heißt es: „Nach nun genau einem Jahr und zehn Treffen dieser Lenkungsgruppe“ sei „die Einbindung von FanvertreterInnen gescheitert“. Die gesamte Lenkungsgruppe sei „in diesem Jahr in keine der anfallenden Grundsatzentscheidungen eingebunden“ gewesen, „eine Überwachung der Projektgruppe konnte nicht stattfinden“.

Wer mehr lesen will: in dem Buch „Niemand siegt am Millerntor“ finden sich zwei Kapitel zu diesen Themen (‚À là recherche du temps perdu. Die Geschichte der nicht realisierten Neubauten“ und „Status quo vadis. Die lange Geschichte einer noch jungen Tribüne“ und in „Wunder gibt es immer wieder“ eines („Das lange Warten. Der beschwerliche Weg zu einem neuen Stadion“).

Einerseits sieht man eure Fanartikel bundesweit, Sachen von St. Pauli gelten als Street Wear chic, und man kann sie auch bundesweit kaufen. Andererseits gibt es mit dem selbstverwalteten Fanladen und Fanprojekten noch immer eine linke Kultur. Wie nimmt man als Fan diese Diskrepanz wahr und lebt mit ihr? Gibt es einen Weg, sich der Kommerzialisierung zu öffnen und damit die Perspektiven des Klubs zu erweitern und gleichzeitig die Klubidentität zu wahren?

Im Grunde genommen ist es alles eine Frage der Balance. St. Pauli verkauft sich so gut, weil es ein Image hat, das sich beänsgtigend nahtlos in den Zeitgeist einzufügen scheint. Piraten, Freibeuterei und Totenkopf-Motive finden sich derzeit ja auch bei Ed Hardy und echten Designern. Das aber als Grund für die guten Geschäfte mit der Marke St. Pauli auszumachen, wäre zu kurz gedacht. Und gefährlich.

Zunächst muss man festhalten, dass der FC St. Pauli an den Verkäufen von Merchandising-Artikeln mit Totenkopf oder Vereinsemblem nur minimal partizipert. Nach einem aus der Not geborenen Schweine-Deal, nennen es die einen, Nothilfe-Rendite sicher die anderen, verbleiben beim Verein nur 10% der Einnahmen aus Totenkopf-T-Shirts und Co. – und das auf Jahrzehnte, wenn ich das Hamburger Abendblatt und Corny Littmann recht verstehe.

Trotz und gerade deswegen gibt es eine sehr lebendige Fanszene, die sich ihre Klamotten auch schon mal selber machen, wie ich auch, oder die frustrierten Auswärtsfahrer von der RHOI-Hessenfront. Auch sind die T-Shirts mit dem Totenkopf sehr viel billiger als der Rest der Merchandising-Liga oder der chicen Accessoires mit Vereinslogo, wie Dir vielleicht schon aufgefallen ist. Das hängt damit zusammen, dass der Vermarkter sehr bewusst den Fans des FCSP etwas zurückgeben will, ihm ist nämlich sehr bewusst, dass das ganze Image, der ganze Hype auf etwas sehr realem fußt. Auf der Kultur im Stadtteil und im Verein, die allein die Fans in den letzten 25 Jahren mit Leben angefüllt haben, geerdet in einer gemeinsamen Überzeugung, die gemeinsam seine Liebe sucht, das Erlebnis Fußball und versucht das Leben drumherum auf gemeinsame Nenner zu bringen. Letztes Ergebnis dieses immer währenden Dialoges übrigens sind die Leitlinien des FC St. Pauli.

Dieses gemeinsame Verständnis von Lebenswürde und Liebe am Fußball und am Stadtteil, den Menschen darin und denen, die uns ähnlich sind, ist das Fundament dieses Vereines – und deswegen ist Deine Frage auch kein Widerspruch, sondern eine Betrachtung von Folgen.

Was übrigens auch zur Beantwortung Deiner dritten Frage führt – was Union und St. Pauli gemeinsam haben und was sie trennt. Auf jeden Fall die bewusste Genesis einer Kultur, die aus einem stinknormalen Buffer-Verein etwas besonderes und liebenswertes macht. Aber dazu später mehr.

… ach, und fast hätte ich vergessen zu erwähnen, wie sich meine kleine Theorie auch ästethisch diese Saison bahn bricht – in der neuen Kollektion des FC St. Pauli, das wesentliche Kulturmerkmale der USPler übernimmt, kopiert und in den “kollektiven Style”, so würde das wohl ein Werber ausdrücken, integriert. ;)

Eine der Sorgen bei Union war, dass Trainer Uwe Neuhaus durch die erfolgreiche Arbeit weggekauft werden könnte. Holger Stanislawski wird bei St. Pauli ebenso wie Neuhaus mit der aufgebauten Mannschaft und dem Erfolg der letzten drei jahre identifiziert. Habt ihr auch die Sorge, Stanislawski könnte mal weg sein? Und was zeichnet seine Arbeit aus?

Eigentlich freue ich mich über die Frage, auch wenn sie diffuse Ängste belebt, die jeden Fan am Millerntor irgendwie bewegen. Da geht es um eine merkwürdige Melange, den immer noch ungläubigen Blick auf die tollen Spiele und den famosen Fußball, der seit Stanis und Trullas Übernahme seit nun 3 Jahren am Millerntor gespielt wird. So recht trauen wir dem Braten ja immer noch nicht, und laufen so Gefahr, es nicht genießen zu können, bevor es mal vorbei sein wird.

Und das wird es. Ein professioneller Fußballtrainer, wie Holger Stanislawski, quält sich ja nicht zur Prüfung, um dann in zwei oder drei Jahren nicht in der 1. Bundesliga zu trainieren. Meiner bescheidenen Einschätzung nach, bleibt dem magischen FC dieses Gespann noch zwei weitere Jahre erhalten, in denen wir entweder in die Bundesliga aufsteigen oder auch nicht. Für mich eigentlich einerlei, ich sehe Spiele gegen Union genauso gerne, wie gegen Bochum.

Das zunächst auch von mir kritisch beäugte Wiederverpflichten von Helmut Schulte kann sich dann als Glücksgriff herausstellen. Dieser Mann ist nicht nur ein hervorragender Junioren-Trainer und Scout, er kann den Stil eines Stani auch mit Trulla gemeinsam weiterführen. Das macht mich also nicht bange.

Im Zuge der “Bluten für Union” Aktion und dem Benefizspiel von St. Pauli in Berlin gab es die Blutsbrüder T-Shirts. Viel ist von Verwandtschaft der beiden Klubs die Rede. Union besitzt im Gegensatz zu St. Pauli kein eindeutig politisches Profil und wurde zum Beispiel zwischenzeitlich von linker Seite sehr dafür kritisiert (Bsp: Jungle World 2007: Ende eines Missverständnisses). Wo siehst Du Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fankulturen der beiden Vereine? Und wie kommt es Deiner Meinung nach dazu, die mediale Wahrnehmung von St. Pauli und Union so ähnlich ist?

Ich hatte erst zweimal Berührung mit Union-Fans, einmal vor fünf Jahren und einmal am Montag. Man kann sagen, wir, der 1. FC Union und ich, sind auf einem guten Weg. Am vergangenen Montag in der Wuhlheide habe ich meinen Totenkopf drunter getragen, was zum einen dem Hamburger Wetter und zum anderen der Unsicherheit geschuldet war. “Bei Union kann es so oder so laufen, entweder sie freuen sich Dich zu sehen, oder sie hauen Dir eine rein”, hatte mir ein Freund mit auf den Weg gegeben. Das Problem sei, dass man die beiden Gesichter von Union nicht gleich auseinanderhalten kann.

Sebastian hatte mich nach kritischen Zitaten in meinem magischen social stream gefragt. Hier einige Zitate:

»Bin 2002 mal zu nem Spiel mit 6-7 Leuten mit der Strassenbahn da angereist. Beim Umsteigen am Bahnhof Köpenick sind wir von ner ganzen Horde solcher Idioten mit einem Flaschenhagel empfangen worden und waren froh, daß dort einige Polizisten rumstanden und uns vor schlimmerem bewahrten. Es gibt allerdings genau so viele nette Fans von Union, eine Handvoll davon kommen zu fast jedem St. Pauli Heimspiel nach Hamburg gereist.«

t. (dem Autoren bekannt ;)

»Sind “die guten” nicht alle zum Babelsberger SV abgewandert? Behaupten zumindest die, die zu Babelsberg abgewandert sind. Ich persönlich besitze da aber nur gefährliches Halbwissen. Solange Nina Hagen noch die Stadionhymne singt…»

A. via Facebook

Gemeinsamkeiten gibt es viele. Beispielsweise die fröhliche und energische Erkenntnis, dass die Fans diesen Verein ausmachen. Das wirkt eben vor allem in Zeiten der existentiellen Krise, wenn Menschen sich auf etwas gemeinsames konzentrieren, wie die alte Försterei zu renovieren oder die Retter-Aktion am Millerntor. Das ist dann Kult- und Kultur-stiftend. Das dreht dann die Magie zurück in Richtung Erde und wirkt lange nach. Die Stadion-Rettungs-Aktion in der Wuhlheide ist ja ein ureigenes Kulturstück des 1. FC Union. Eines, zu dem wir am Millerntor vielleicht gar nicht in der Lage wären.

Wesentlicher Unterschied scheint mir zu sein, dass auf St. Pauli die Erkenntnis vorherrscht, dass Fußball sehr wohl eine politische Veranstaltung ist. Ist auch meine. Wenn 20.000 Menschen in einem Stadion und Tausende vor dem AFM-Webradio das Spiel verfolgen, in diesen zwei Stunden sich artikulieren und ja, auch medial inszenieren, dann ist das politisch. Da kann man sich gar nicht gegen wehren, man muss es aber auch zur Kenntnis nehmen.

Wenn ich den Artikel in der Jungle World und meine eigene Erfahrung da zusammennehme, dann scheint diese Diskussion beim 1. FC Union Berlin immer vermieden worden zu sein. Argumente, wie “das sind doch wenige” oder “das ist keine Politik, sondern Fußball” helfen da aber nicht weiter. Eines der wesentlichen Gründe, weswegen der FC St. Pauli in seiner heterogenen Streitkultur so einig erscheint, ist der Raum, auf den wir uns geeinigt haben. Wir bewegen uns nicht mit Rassisten, versuchen den Sexisten in uns zu zähmen (schwer genug ;) und uns eint, bei allem Streit, das Bekenntnis zu den Grundsätzen des Anstandes.

Nur deswegen können wir (der Präsident, Blogger und USPs) uns für diese Spacken in Rostsock entschuldigen. Eben weil es uns gegen den Strich geht. Ist man nicht soweit, muss man abwiegeln.

Findet ihr Astra eigentlich wirklich lecker oder gehört es einfach dazu?

Nein und Nein, wäre die kurze Antwort.

Die etwas längere: Spätestens seit dem Wegzug der Brauerei aus St. Pauli ist Astra nichts weiter als eine Biermarke. Durch nichts mehr, als den Vermarktungsvertrag mit dem magischen FC verbunden. Käme morgen ein Flensbuger Pilsener, ich würde jubeln. Astra schmeckt mir nämlich noch nicht einmal. Ich halte Astra für Fusel. Irgendwo in der persönlichen Rangliste knapp vor Aldis Hansa-Pils, wenn das noch jemand kennt – aber hinter Karlsquell. ;(

Eigentlich ist dieser dumme Hype um das Bier auch ein Warnsignal. Wenn ich in München oder Berlin in Kneipen bin, die dem Lebensgefühl des FC St. Pauli nahestehen, sehe ich viele Astra-Trinker. Das ist das einerseits entferntes Dabeisein, gut, aber auch eine Virtualität und Fetisch-sauferei, die mit meinem St. Pauli nicht mehr viel zu tun hat. Genausowenig wie die Carlsberg-Marke Astra mit dem Stadtteil. Im Gegenteil, Astra ist für mich Symbol der Gentrifizierung St. Paulis. Degradiert zur Ikone.

Irgendwelche Werber-Affen, die mittags Fritz-Cola und abends Astra trinken und meinen, damit täte sich was schönes in ihrer Seele, tun mir regelrecht leid.

Nüchtern betrachtet: Der 13. Spieltag

Die Überschrift ist Quark. Dieses Spiel am Montag Abend kann ich nicht nüchtern betrachten und deshalb gibt es ausnahmsweise die Ich-Perspektive. Heute morgen bin ich aufgewacht und summte die ganze Zeit die Melodie zu “Union ist der geilste Klub der Welt!”. Was war passiert?

Das Stadion an der Alten Försterei war zum ersten Mal in einem Zweitligaspiel mit voller Auslastung ausverkauft. Die Gäste kamen zum familienfreundlichen Montagabendtermin zahlreich mit 2.200 Anhängern. Da zahlt es sich auch mal aus, dass es eigentlich kaum echte Berliner gibt und dafür viele Zugereiste. Vor mir auf der Gegengeraden steht ein kleiner Junge um die acht Jahre. “Und wo steht Papa?” – “Dein Vater steht da drüben bei denen aus Kaiserslautern. Das wollte er unbedingt”, antwortet die Begleitung. Ein wenig musste ich mir auch einen grinsen als die Gäste mit einer großen Blockfahne grüßten und unsere Ultras dem nichts entgegenzusetzen hatten.

kaiserslautern_blockfahne

Zum Spiel: Uwe Neuhaus setzte wohl auf Konterspiel und ließ die beiden Oldies Gebhardt und Bemben draußen. Kaiserslautern war der erwartet starke Gegner, der ähnlich wie vorher Fürth oder Karlsruhe, mit Pressing unsere Mannschaft bereits beim Spielaufbau störte. Dieses Mal ging unsere Mannschaft allerdings von Anfang ebenfalls engagiert in die Zweikämpfe. Und so war die gesamte erste Halbzeit eine Abnutzungsschlacht. Wenn auch eine ansehnliche, da niemand vorher vermutet hätte, Union würde Kaiserslautern spielerisch besiegen wollen. Die in der Länderspielpause geführte Diskussion über unseren Torhüter und die Innenverteidigung hinterließ bei mir die Nachwirkung, dass ich mehr auf das Zusammenspiel geachtet habe. Und vor allem in der ersten Hälfte gab es den einen oder anderen Moment, in dem die Absprache zwischen Glinker und den Innenverteidigern nicht klappte. Aus Situationen, in denen der Torhüter herausläuft und der Innneverteidiger noch vor dem Stürmer an den Ball kommt, sind die schönsten Eigentore entstanden. Gestern ging es gut. Dafür sorgte dann aber ein Standard für das Gegentor. Das kann man trainieren.

In der zweiten Hälfte zog sich Kaiserslautern nach einer Druckphase weit zurück und überließ Union das Spiel. Gebhardt kam für Mattuschka und damit bessere Anspiele in die Spitze. Denn bei allem Kampf fehlte in Halbzeit eins die Präzision im Zuspiel nach vorne. Ärgerlich, dass es Sahin wieder mal mit einer Flugeinlage im Strafraum probierte. Dieses Mal gab es Gelb dafür. Ein nach meiner Sicht klarer Elfmeter wurde kurze Zeit später nicht gegeben sondern als Freistoß von der Strafraumlinie ausgeführt. Über Zusammenhänge zu Sahins Fallsucht, die er gar nicht nötig hat, darf spekuliert werden. Daran hat es aber auch nicht gelegen. Nach dem Konter zum 2:0 war die Gegenwehr unserer Mannschaft erlahmt.

Dafür ging es auf den Rängen erst richtig los. Das ganze Stadion singt, wie es respektvoll von den anderen Fans heißt “unser Lied”. Erpelpelle nennt der Berliner solche Gefühlswallungen. “FC Union!” Das Spiel bereits abgepfiffen. “Unsere Liebe!” Die Lauterer Spieler haben sich für ihre Tabellenführung feiern lassen und gehen in die Kabine. “Unsere Mannschaft!” Und kaum einer verlässt das Stadion. “Unser Stolz!” Aufmuntern, der Spieler, die etwas die Schultern hängen lassen, weil trotz des Aufwandes nicht herausgesprungen ist. “Unser Verein!” Kinder stehen wie gebannt am Zaun, obwohl die Mannschaft, bereits vorbeigelaufen ist. “Union Berlin!”

Noten sind mir persönlich dieses Mal egal, da es eine geschlossene Leistung der gesamten Mannschaft war. Deswegen dazu keine Worte.

Update: Wer ein kurzes Filmchen vom Gesang nach dem Spiel sehen möchte, schaue mal bei den Supporters von St. Pauli vorbei, die sich unser Wohnzimmer angesehen haben.

1. FC Union Berlin – 1. FC Kaiserslautern 0:2 (0:1)

0:1 Amedick (30. Min)
0:2 Jendrisek (78. Min)

Gelbe Karten: Sahin (4), Göhlert (3) – Jendrisek

Zuschauer: 19.000 (ausverkauft)

Noten_13b

Nüchtern betrachtet: Der 12. Spieltag

Wie war das nochmal? Karlsruhe. Das ist, der gefühlten Zeit nach, sehr lange her. Dazwischen lagen der medial sehr stark begleitete Freitod von Robert Enke, die Qualifikation Frankreichs zur Handball-WM und letztlich wieder einmal das Café King.

Trotzdem noch einmal der nüchterne Blick zurück auf das Spiel im Wildpark. Ein Spiel mit zwei Gesichtern der eisernen Mannschaft. Die zweite Halbzeit war jedenfalls kämpferisch und spielerisch richtig gut. Daran könnte die Mannschaft anknüpfen am Montag vor vermutlich ausverkauftem Haus gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Karlsruher SC – 1. FC Union Berlin 3:2 (3:0)

1:0 Blum (14.)
2:0 A. Fink (24.)
3:0 A. Fink (32.)
3:1 Mattuschka (49.)
3:2 Sahin (71.)

Gelbe Karten: A. Fink, Staffeldt – Dogan (4), Sahin (3)
Zuschauer: 17.235

Dogan könnte sich also eventuell im nächsten Spiel seine fünfte gelbe Karte abholen. Ansonsten zeigt die Notenvergabe, dass jegliche Diskussion um Jan Glinker ein Jammern auf hohem Niveau ist. Klar ist, vor allem im Hinblick auf seine momentanen kleinen Verletzungen, dass die Mannschaft hinter dem ersten Torhüter nicht adäquat besetzt ist und dazu weiterhin der dritte Torhüter Christoph Haker verletzungsbedingt fehlt.

Noten_12

Baustellen aufmachen, die keine sind

Auf der Mitgliederversammlung verkündete Präsident Dirk Zingler nicht nur erfreuliche Dinge, wie den positiven Bilanzabschluss mit über 400.000 € Gewinn. Er kündigte auch eine Verstärkung der Mannschaft an. Dies solle bereits im Winter geschehen mit Blick nicht nur auf die Rückrunde sondern auch die nächste Saison.
Nun wird der Trainer von der B.Z. wie folgt zitiert:

Neuhaus: „Wir haben eine Menge Gegentore kassiert, da muss man hinten schon überlegen.“ Gesucht werden laut Neuhaus „ein bis zwei Innenverteidiger und ein Torwart“.

Auch die Bild schreibt von Neuhaus ähnliches:

„Nach so vielen Gegentoren muss man sich Gedanken machen.“ [...] „Wir wollen Bundesligaspieler holen, die bezahlbar sind.“

Zwei verschiedene Reporter bringen das gleiche Thema. Und von Uwe Neuhaus wird man nicht behaupten können, dass ihm vor der Presse etwas herausrutscht, was er nicht sagen wollte. Er wird es also bewusst ausgesprochen haben. Nur was will uns der Trainer damit sagen?

Michael Kranz zieht auf seinem Blog “Union-Spion” bei der BZ jedenfalls folgende Schlüsse:

  • Union will die 1. Bundesliga angreifen
  • Glinker verliert seinen Status der Unantastbarkeit und könnte sich bald auf der Bank wiederfinden
  • Neuhaus möchte Druck auf seine Spieler aufbauen

Nichts dagegen, eine sich bietende Chance zu nutzen, aber wie kann ein Verein, der sich gerade strukturell wieder auf den Profifußball einstellt, auch nur ansatzweise mit einem Aufstieg liebäugeln. Das macht auch das Präsidium nicht. Am Saisonziel “Klassenerhalt” wurde nicht gerüttelt. Spricht man über dieses Wort “Durchmarsch”, kommt einem doch schnell das Stichwort Ulm in den Sinn. Der Prototyp eines Vereins, der schnell nach oben kommt und, weil er nicht organisch gewachsen ist, ebenso schnell wieder nach unten rauscht.

Union hat momentan einen Etat von etwas mehr als 11 Millionen Euro. Ganz oben in der 2. Liga tummeln sich Verein mit 21 Millionen Euro Jahresetat. Und so schön es ist, dass der 1. FC Wundervoll mit dem viertniedrigsten Etat sich momentan auf dem viertbesten Platz befindet, so unrealistisch ist es, dass man bestimmte Entwicklungen einfach überspringen könnte. So sprach Präsident Zingler auch während seines Vortrags auf der Mitgliederversammlung davon, dass der Gesamtetat ständig weiter erhöht werden müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zur Antastbarkeit von Jan Glinker. Es gibt derzeit keinen ernsthaften Konkurrenten auf der Torhüterposition bei Union, der einen gesunden Jan Glinker verdrängen könnte. Daran gibt es nichts zu deuteln. Der nominell zweite Torhüter Carsten Busch spielt in der zweiten Mannschaft und ist bereits 29 Jahre alt. Überzeugt hat dieser bei seinen Einsätzen bisher nicht. Christoph Haker als Nummer drei ist gerade 18 Jahre alt und vielleicht zu jung als Nummer zwei. Aber wieso eigentlich nicht? Wozu jemanden als Ersatz verpflichten, wenn es auf der Position nicht brennt. Und das im Winter, wo Spieler unnötig teuer sind. Das vermag auch Michael Kranz in seinem heutigen Artikel “Darum sucht Union einen neuen Keeper” nicht erklären. Seine Argumente sprechen nicht für ein Torhüterproblem. Nicht einmal im entferntesten.

Den Druck auf die Mannschaft erhöhen. Das mag vielleicht sein. Aber wozu über die Medien? In einem Umfeld, wo sich der Verein so bemüht, seine Spieler von den Medien abzuschirmen, um deren Konzentration hochzuhalten.

Der Blick auf die wirtschaftliche Situation von Union ist ein positiver Ausblick in die Zukunft. Mehr noch nicht. Aber das ist eine enorme Leistung, wenn man sich die vergangenen Jahre vor Augen hält. Große Sprünge auf dem Transfermarkt sind damit trotzdem nicht zu machen. Schon gar nicht drei Spieler im Winter auf Positionen, wo es nicht brennt. Vielleicht hat die sportliche Leitung bereits einen Spieler nicht nur im Blick sondern bereits an der Angel, der bereits im Winter verfügbar sein könnte. Das wäre eine einfache Erklärung. Und alles andere nur eine Nebelbombe.

Mitgliederversammlung: Wünsch Dir was!

Mitgliederversammlungen von Fußballvereinen laufen prinzipiell nach einem bestimmten Ritus ab. Die zahlenden Mitglieder sind eingeladen, sich die Rechenschaft der Vereinsführung für das abgelaufene Jahr anzuhören. Um die Mitglieder gnädig zu stimmen, werden vorher gerne Bonbons verteilt. Letztes Jahr wurden beim 1. FC Union Berlin das Saisonziel korrigiert und eine Vertragsverlängerung bekanntgegeben. Matze Koch, freier Journalist unter anderem für Tagesspiegel, Bild, Kicker, etc., hat gestern auf seiner Seite eine Art Wunschliste veröffentlicht, die sich heute in der einen oder anderen Art auch in der Tagespresse wiederfindet.

Wichtige Punkte sind sicherlich:

- Ausbau der Haupttribüne
- Klärung, was mit dem Darlehen von Michael Kölmel (4,8 Mio €) geschieht, das nächstes Jahr fällig wird

Man benötigt wenig Phantasie, um beide Punkte miteinander verknüpfen zu können. Kölmel hätte mit einer wie auch immer gearteten Beteiligung an der Stadionbetreibergesellschaft einen Wert für sein Investment und hat mit Union auch einen seriöseren Partner als vielleicht mit dem FC Carl Zeiss Jena oder FC Sachsen Leipzig.

Andere Themen, wie die Trennung vom Investor ISP, die finanzielle Aufstellung des Verein und die Eingliederung des Nachwuchses in den Profibereich, können somit etwas ins Hintertreffen geraten. Soweit es geht, werden wir heute an dieser Stelle ab ca. 19 Uhr von der Mitgliederversammlung berichten. Kommentare können per Twitter mit dem Hashtag #unionmv auch live plaziert werden.

Texttonvergehen: Wir gegen Karlsruhe

Verloren. Na und. Wir sind doch Aufsteiger. Nein. Wir müssen drei Punkte holen. Und überhaupt. Unser Anspruch muss ein anderer sein. Welcher denn? Wir arbeiten Fußball. Da kann der Sahin doch nicht dauernd fallen. Schlitzohr. Aber das ist nicht unionesk. Und wie geht es der Tante? Die treffen wir nächste Saison in Liga zwo. Wollen wir aber nicht. Aber klar wollen wir Stadtderbys. Aber nicht in Liga zwo. Und was ist eigentlich mit unseren Schulden bei Michael Kölmel?

Das alles gibt es im Podcast zum Spiel in Karlsruhe. Als Gast dabei: Mathias Bunkus vom Berliner Kurier. Dazu noch Robert und Herr Mööp. Und die schönste Alliteration zu Union wird auch genannt: Schade Sahin – schöne Chance.

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[Update: 12.11.2009] Steffi hat ein wunderschönes Logo gebastelt, das jetzt iTunes und Eure MP3-Player verschönern wird.

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Nach drüben kucken

Gestern wurde soviel über den Mauerfall gesprochen und gezeigt. Und immer wieder Bilder, wie Leute aus der DDR raus wollten. Was die Teilung Deutschlands und Berlins für den Fußball in der Hauptstadt bedeutete, ist wenig beschrieben worden. Es gibt die Geschichten, die Günter Weise in der Fußballwoche unter der Rubrik “Vor 40 Jahren” zum Besten gibt. Die lassen das ungefähr erahnen

Die Geschichte von Union ist ja auch eine Geschichte der Teilung, wenn man daran denkt, dass die Mannschaft von Union Oberschöneweide 1950 nahezu komplett in den Westen übersiedelte. Eine andere Perspektive auf die Teilung bringt Enno vom Herthablog ein. Er bringt Gründe, warum Hertha unter der deutschen Teilung litt und eigentlich noch heute an den Folgen leidet. Aus der Sicht des 1. FC Wundervoll ist das vielleicht ein Leiden auf hohem Niveau. Und ich stimme auch nicht allen Analysen vorbehaltlos zu. Trotzdem lohnt der Blick vom Olympiastadion aus, um die eigene Position in der Stadt einordnen zu können.

Texttonvergehen: Wir gegen FSV Frankfurt

Freitag Abend aufgenommen und schon am Sonnabend online. Toll! Nun gut, es lag eine Woche dazwischen. Nichtsdestotrotz zur Einstimmung auf das morgige Spiel in Karlsruhe noch einmal die Rückblende auf die Begegnung mit dem FSV Frankfurt. Beim Gespräch dabei waren Steffi und Matze. Schwerpunkte neben dem Spielverlauf waren vor allem der erste Zweitligaauftritt von Christoph Menz und die Diskussion, wer denn der zukünftige Mannschaftskapitän werden könnte.

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Ballpod aus New York

Während ich mit dem Schnitt des bereits am letzten Freitag (!) aufgenommenen Podcasts nicht zu Potte komme, wurde der aktuelle Ballpod, anstatt wie gewohnt in Probeks Küche in München, von Jürgen Kalwa in New York aufgenommen. Dabei waren Jens Peters von Catenaccio, um über Leverkusen zu reden, und Florian Neumann von Nedsblog, der über den HSV Auskunft gab. Als Bonus gibt es ein Interview mit Trainer Baade, der sich erstmals zu dem Fall Jako vs. Baade äußert. Eine sehr schöne Produktion!

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Vorstellungsgespräch.

Ich kann mir unter vielen Berufen etwas vorstellen. Ich weiß, was ein Bäcker, ein Fleischer, ein Schlosser, ein Schweißer & eine Lehramtsanwärterin machen – über den Berufsalltag eines Pressesprechers weiß ich exakt genau: Nichts. Man soll aber fragen, wenn man was nicht weiß. (Hab ich, glaube ich, in der Sendung mit der Maus gelernt.)

Weder Sebastian noch ich verbanden ein konkretes Bild mit dem Begriff einer Medienpartnerschaft. Uns hat interessiert, wie die Maßgaben des Vereins zum Umgang mit den Medien aussehen, nachdem wir über die Beschwerden der Pressevertreter inzwischen ganz gut Bescheid wissen und selbst auch eine eher nörgelnde Haltung dazu vertreten haben. Aus höchst eigennützigen Motiven wollten wir schließlich etwas darüber erfahren, ob und inwieweit sich der 1.FC Union Berlin mit Fragen der Vermarktung in den Neuen Medien beschäftigt.

Lauter gute Gründe, beim Pressesprecher des Vereins, Christian Arbeit, zum Kaffeetrinken & Reden vorstellig zu werden. Ein Büro, in dem es zugeht wie in einem Taubenschlag, übrigens. Klippklapp. Tür auf, Tür zu. Kommst Du mal? Kannst Du mal? Hast Du mal? Weisst Du mal? Telefon. Trotzdem hat er sich Zeit und uns ernst genug genommen, alle unsere Fragen ausführlich zu beantworten. Wir schätzen das sehr und danken für das Gespräch!

Der erste und uns wichtigste Teil des Gesprächs wird dabei im vollständigen Wortlaut wiedergegeben. Darin gibt Christian Arbeit einen Einblick in die Arbeit der Presseabteilung und bezieht auch Stellung zum aktuellen Verhältnis des Vereins zur Presse. Die beiden anderen Fragen erscheinen zusammengefasst darunter.

*****

Was macht ein Pressesprecher eigentlich den ganzen Tag?

Zu dem Bild, das man benutzen muss: Im Grunde bin ich ein Dienstleister für verschiedene andere Abteilungen im Verein. Die Gewichtung ist unterschiedlich. Die empfindlichste Stelle ist der Bereich Sport, wo es von Seiten der sportlichen Leitung sehr konkrete Bedürfnisse gibt. Nämlich eine wirre Fülle verschiedenartigster Medienanfragen in irgendeiner Art zu kanalisieren und im Zweifelsfall in irgendeiner Form zu steuern. Oberstes Gebot, und da zitiere ich gerne den Kollegen Markus Hörwick vom FC Bayern, ist der Schutz der eigenen Mannschaft. Das ist die wichtigste Aufgabe. Denn ich bin ja der Pressesprecher des Vereins und nicht der oberste Redakteur der Berliner Sportberichterstattung. Insofern ist die Sichtweise natürlich klar geprägt von den Anforderungen, die bestimmte Abteilungen des Vereins stellen.

Zu den Aufgaben kommt, wenn man sich vom reinen Sportumfeld und der Nähe zur Mannschaft trennt, hier bei Union auch generell die Produktion von Nachrichten beziehungsweise die Überlegung, welche Informationen geben wir wann und in welchem Umfang raus. Wofür gibt es den geeigneten Zeitpunkt? Bearbeiten wir ein Thema eher offensiv oder defensiv? Solche Dinge zu besprechen, zur Entscheidung zu bringen und dann entsprechend umzusetzen: Das macht ein Pressesprecher den ganzen Tag.

Gibt es eine Policy der sportlichen Leitung zur Medienarbeit? Hat sie sich im Vergleich zur letzten Saison verändert und hattet Ihr einen Einfluss daruf? Und gibt es Vorgaben von der DFL zur Medienarbeit?

Man könnte sagen: Es gibt eine Policy. Aber die ist nicht in einen griffigen Satz gebracht. Die erklärt sich am ehesten aus der Geschichte der Mannschaft heraus. Wir haben eine Mannschaft, in der jeder einzelne Spieler immer wieder an das obere Limit seiner persönlichen Fähigkeiten gehen muss. Jeder, der sein eigenes Tun und Handeln reflektiert, weiß, dass so eine Art Konzentration immer anstrengend ist. Besonders, wenn man sie über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten muss. Außerdem erfordert sie, dass man Erholung, Regeneration und Freizeit sehr sorgfältig behandelt.

In dem Wissen, dass wir keine Mannschaft von gestandenen Nationalspielern haben, die über sagenhafte und herausragende individuelle Klasse verfügt, sondern über Spieler, die zum Teil vor drei Jahren noch viertklassig gespielt haben und jetzt im Vorderfeld der zweiten Bundesliga mitspielen. Da kann man sich vorstellen, dass das Bestreben, die Konzentrationsfähigkeit der einzelnen Spieler zu erhalten, sehr hoch ist. Man könnte sagen: Je weniger Ablenkung vom wesentlichen desto besser. So könnte man im Grunde die Policy auf den Punkt bringen.

In der Tat ist es so, dass im Grunde schon die dritte Liga im Vergleich zur Regionalliga einen deutlichen Sprung nach vorne erbracht hat, was die Medienberichterstattung anging. Die zweite Liga, oder generell der DFL-Bereich, bedeutet noch einmal einen Quantensprung. Sichtbarstes Zeichen in der zweiten Liga ist ja die Aufsplittung des Spieltages auf vier verschiedene Tage und vier verschiedene Anstoßzeiten. Da war es tatsächlich so, dass es eine Tagung der DFL mit den entsprechenden Pressesprechern vor der Saison gab. Dort wurden die Veränderungen aus dem neuen Fernsehvertrag dargelegt und von jedem Sender, der Rechte hält, das Sendekonzept erläutert. Hinterher haben sehr erfahrene Pressesprecher, zum Beispiel von Werder Bremen oder Bayern München, gesagt: Das sind jetzt völlig neue Herausforderungen an die Abwehrarbeit. Wie bekomme ich es hin, wenn ich drei TV-Stationen unmittelbar am Spielfeld habe und Spieler XY gerade Rot gesehen hat, weil er dem Gegenspieler eine runtergehauen hat, dass der sich erst einmal beruhigt. Und zwar bevor er etwas unbedachtes in die Kamera plaudert. Das heißt nicht, dass er niemals etwas sagen darf, sondern ich muss im Sinne des Vereins mich manchmal auch schützend vor Leute stellen, um Schaden vom Verein abzuwenden. Sonst sagt der etwas in die Kamera, noch einmal eine Unsportlichkeit und dann dauert die Strafe extra lange. Wunderbar. Dann hat man ja viel gekonnt. Anders sieht es aus, hat er zwei Stunden Zeit oder wir sagen „Geh erst einmal duschen und danach kannst Du noch einmal in die Mixed Zone!“ Das ist natürlich unpopulär, weil die schreibenden Journalisten alles schon verschickt haben wollen. Da müssen wir als Presseabteilung sagen: „Unsere Aufgabe ist es, die Interessen des Vereins wahrzunehmen. Wenn die in bestimmten Punkten, und die Punkte erreichen wir täglich, nicht in Übereinstimmung mit den Interessen der Medien zu bringen sind, dann setzen wir die Interessen des Vereins durch. Wenn es sich nicht vermitteln lässt.

So gesehen hat sich zur vergangenen Saison geändert, dass wir noch konsequenter bestimmte Dinge kontrollieren und reglementieren. Es nutzt einfach nichts, wenn ein durchschnittlich begabter Fußballer sich unvermittelt jeden zweiten Tag riesengroß in der Zeitung sieht. Das hilft ihm nicht.

Die Arbeit ist viel einfacher, als viele Journalisten glauben, da es viele Spieler gibt, die diese Funktion zu schätzen wissen und sie ganz aktiv wahrnehmen. Sie nutzen die Presseabteilung, und so haben wir es den Spielern vor der Saison angeboten, um Dinge von sich weg zu halten. Das ist schon deshalb wichtig, weil natürlich der Umfang der Medienarbeit mit den Spielern trotzdem viel größer ist als in der letzten Saison. Nur der Fokus, und da darf man sich nichts vormachen, liegt auf dem Fernsehen. Wenn die Fernsehrechte für Hunderte Millionen verkauft werden, dann ist auch klar, wer die größten Ansprüche stellt: Derjenige, der das gesamte System finanziert. Also sind natürlich nach jedem Spiel die Spieler und Trainer zunächst für die Fernsehstationen da, bevor dann die restliche Verwertungskette zum Schluss mit der Pressekonferenz für die schreibende Zunft endet.

Habt ihr trotz der Vorgaben von der DFL die Möglichkeit, die Fernsehanfragen nach Spielern abzulehnen?

Da hängt die DFL sich nicht rein. Das ist klar, denn der Spieler ist unser Angestellter und nicht Angestellter der DFL. Im Grunde läuft da aber die Zusammenarbeit tadellos. Nach jedem Spiel kommen die Vertreter von Sky und vom DSF auf uns zu und geben uns die Namen, die sie gerne hätten. Das ist selten besonders überraschend. Ich sehe das Spiel ja auch und kann eigentlich vorher sagen, wen sie haben wollen. Aber da kann man im Zweifelsfall sagen: „Pass mal auf, den lassen wir heute weg. Was haltet Ihr von dem und dem?“ Das funktioniert absolut entspannt und interessanterweise völlig konfliktfrei.

Es gibt ja diese Diskussion um eine schwierigere Zusammenarbeit zwischen Medien und Verein. Und da steht Matze Koch mit seiner Meinung nicht alleine. Auch andere Journalisten haben das angemerkt. Du hast diese Diskussion im Vorgespräch als „absurd“ bezeichnet. Weshalb?

Absurd, weil im Grunde unglaublich viel möglich ist. Und jeder, der es wahrnimmt, auch unheimlich viel bekommen kann. Allerdings in erster Linie zu dem Thema, mit dem wir uns hier in erster Linie befassen. Wir sind ein Fußballverein und wir haben Leute, die hier Fußball spielen. Jeder Journalist kann die Trainingszeiten einsehen. Nach jedem Training ist es möglich, hier mit Spielern zu sprechen. Im Prinzip eine Situation ähnlich der Mixed-Zone. Wenn man den Spieler allerdings eine halbe Stunde interviewen möchte, dann muss man schon allein deshalb Bescheid sagen, damit wir dafür die organisatorischen Voraussetzungen schaffen können. Wenn es drei Fragen sind, wie es im Normalfall ist, funktioniert das völlig problemlos.

Es gibt Leute, die jeden Tag hier sind. Interessanterweise kommt dann mitunter von den Leuten, die das allermeiste wahrnehmen und auch das allermeiste bekommen, der Vorwurf, sie würden hier nichts bekommen. Und das ist letztlich das Absurde daran. Der Name Mathias Koch fiel ja und wir müssen da kein Geheimnis daraus machen. Er ist im Grunde jeden Tag zu jeder Trainingseinheit hier. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Jedes erdenklich mögliche Foto, das unsere Spieler im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zeigt, hat er.

Und da kommen wir auf den Punkt, den ich vorhin angesprochen hatte: Regeneration, Konzentration, Freizeit. Wenn ein Spieler seine Freizeit nutzt, um mit seiner Familie einen Ausflug zu unternehmen. Wunderbar. Aber natürlich möchte das Trainerteam nicht, dass Journalisten das Freizeitprogramm unserer Spieler organisieren. Wenn Spieler XY gerne in den Tierpark gehen möchte. Gerne. Aber ich sehe überhaupt keinen Grund, einem Fotografen Bescheid zu sagen.

Wir hatten solche Situation schon gehabt, dass ein Journalist zu mir kam und sagte: „Ich möchte mit dem Spieler gerne mal auf den Müggelturm gehen.“ Und der Spieler steht daneben und kuckt groß und sagt: „Was soll ich denn auf dem Müggelturm?“ – „Ja, können wir auf einen anderen Turm gehen.“ – „Ich will überhaupt nicht mit Dir auf einen Turm gehen.“ Dann schaue ich den Journalisten an sage: „Noch Fragen?“

Es ist doch klar: Jede Begleitung in der Freizeit erfordert wieder irgendeine Form der Organisation. Der Spieler muss sich mit dem Journalisten verabreden, auseinandersetzen, treffen. Es ist anders. Es ist keine Erholung. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie sie eigentlich gewünscht ist.

Das ist in der Diskussion mal schön benannt worden: Was es nicht gibt, ist der Spieler am Giraffengehege.

Es sind ja vor allem Printjournalisten, die sich beschweren. Geht es ihnen nicht vor allem darum, dass ihr als Mittler auftretet und damit der direkte Kontakt zu den Spielern verloren geht? Die Spieler fragen die Journalisten, ob bestimmte Anfragen durch den Verein genehmigt sind, oder Informationen werden durch euch gefiltert.

Es ist wahrscheinlich in jedem Unternehmen so, wenn Du als Mitarbeiter zu Deinem Unternehmen befragt wirst, riskierst du einiges, wenn Du einfach so erzählst. Das ist ja nicht nur bei Fußballmannschaften so sondern überall. Im Gegensatz zu anderen Vereinen wie zum Beispiel Energie Cottbus oder Bayern München haben wir das an die Presse nicht explizit als Brief verschickt. Es gibt Vereine, die machen das. Die sagen: „Jedes Gespräch muss vorher angemeldet sein, sonst reagieren wir als Verein in irgendeiner Form.“ Das muss ja zwangsläufig mit einer Sanktionsandrohung verbunden sein. Wenn ich also weiß, dass Journalist XY aber doch, ohne vorher mit mir darüber zu sprechen, den Spieler angerufen, dann müsste ich reagieren und dem Journalisten die Akkreditierung für das nächste Spiel entziehen oder ähnliches. So könnte das laufen. So ist es bei uns aber nicht.

Es ist so, dass es Journalisten gibt, die Telefonnummern von Spielern besitzen. Das können wir auch gar nicht verhindern. Dann ist er natürlich in der Lage, den Spieler anzurufen. Und hier kommt im Prinzip das, was ich vorhin angesprochen habe, ins Spiel. Wir haben vor der Saison den Spielern die Mediensituation vor Augen geführt. Wir haben ihnen erklärt, was die besonderen Anforderungen und die Veränderung zur vergangenen Saison sind. Wir haben den Spielern  angeboten, ihnen dabei behilflich zu sein und uns als Dienstleister wahrzunehmen. Und das tun sie zum großen Teil. Das ist in der Intensität von Spieler zu Spieler verschieden. Es gibt Spieler, die kommen und sagen: „Jetzt war ich in den letzten drei Wochen fünf Mal bei irgendwelchen Geschichten dabei. Jetzt möchte ich mal ein bisschen Pause haben.“ Und es gibt Spieler, die jedes Zitat vorher gegenlesen wollen. All das gibt es. Das zeigt auch, dass vielen Spielern sehr wohl bewusst ist, wie intensiv diese Situation ist und wie wichtig ihnen Konzentration ist. Die wollen ihren Platz in der Mannschaft nicht aufs Spiel setzen. Und zwar nicht, weil sie sich um Kopf und Kragen reden, sondern weil sie merken, dass nur, wenn sie die tägliche Trainingsarbeit absolvieren und die Spiele hochkonzentriert angehen, sind sie ind er Lage das hohe Leistungsniveau zu erreichen, das sie jetzt gerade haben. Das ist ein gutes Zeichen.

Natürlich resultieren daraus Schwierigkeiten, bunte Geschichten zusammenzubekommen. Da kommt man an den Punkt, wo wir nicht helfen können. Wenn man es auf diesen Punkt bringt, müssen wir sagen: „Nein, das liefern wir nicht.“

Die Auseinandersetzung darum, welche Geschichten möglich sind und welche nicht, gehen nicht erst seit drei Wochen. Sie begleiten mich ja, seit ich hier angefangen habe. Trotzdem steht aber jeden Tag etwas in der Zeitung. Ich sehe im Grunde eigentlich keinen Grund zur Klage. Offenkundig ist es nur nicht so leicht, wie man es sich wünscht. Aber es ist ja nicht unmöglich über Union zu berichten

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Medienpartnerschaft. Zu Beginn dieser Saison wechselte der Verein seine Medienpartner. Im Printbereich ist die B.Z. an die Stelle des Berliner Verlag (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) getreten. Im Radio ging es von StarFM zu Radio Berlin. Die Gründe dafür waren einerseits, so Christian Arbeit, dass die bisherigen Verträge ausgelaufen waren, andererseits und wohl auch maßgeblich, dass andere Publikumsgruppen angesprochen werden sollten. Im Radio ist es dabei nur vorteilhaft, dass Union nun im reichweitenstärksten Radiosender in Berlin und Brandenburg häufiger Erwähnung findet. Es habe aber Interesse von allen großen Sendern der Region gegeben. Im Print sei die B.Z. ein geeigneter Partner, um ganz Berlin gleichermaßen zu erreichen.

Christian Arbeit betont zugleich, dass eine Medienpartnerschaft im Print nicht mit dem Erkaufen einer wohlmeinenden Berichterstattung verbunden sei. Vielmehr ist unter einer Medienpartnerschaft ein Vertrag zwischen der Sponsoringabteilung des Vereins und der Anzeigenabteilung des Verlags zur gegenseitigen Überlassung von Anzeigevolumen zu verstehen. Der vorherige Partner Berliner Verlag hatte sich entschieden, im Vereinsumfeld die Marke Berliner Kurier zu plazieren. Im Gegenzug bot man dem  Verein die Möglichkeit, Anzeigen sowohl in der Berliner Zeitung als auch im Berliner Kurier zu schalten.

Der Leiter der Anzeigenabteilung des neuen Partners B.Z., habe bereits direkt nachgefragt, ob Redakteure unter Hinweis auf die Medienpartnerschaft versuchten, an exklusive Informationen zu kommen. Das sei bisher nicht der Fall gewesen. Die Zeitung hätte, erklärt Christian Arbeit, natürlich ein Interesse daran, dass das nicht passiert, da man sich auch das Recht vorbehalten möchte, den Medienpartner Sportverein boulevardmäßig zu behandeln, oder, wie es Christian formuliert: draufzuhauen. Das Interview des Präsidenten Dirk Zingler zu den Forderungen an die ISP in der B.Z. sei von der Medienpartnerschaft unabhängig entstanden. Man überlege im Verein vorher, ob und wo man bestimmte Informationen exklusiv publiziert. Eine grundsätzliche Festlegung auf eine bestimmte Zeitung gäbe es dabei nicht.

Neue Medien. Die Entwicklungen, die stattfinden, werden sehr genau beobachtet. Allerdings sei es nicht so, dass zum Beispiel AFTV ein Vorbote eines bezahlpflichtigen Angebots sei. Dafür müsste entsprechendes Material exklusiv produziert werden und momentan sei dies nicht angedacht. Es sei eine Ergänzung auf der Website und für die Videowand im Stadion. Die Auseinandersetzung zwischen eyep.tv und fcbayern.tv um die Frage, ob die Pressekonferenz eine exklusive Geschichte des Vereins sei, wurde aber auch in der Presseabteilung beobachtet.