Monthly Archive for Juli, 2009

Strandlektüre.

Drei gute Gründe für alle, die Sergio Olguíns “Die Traummannschaft” immer noch nicht gelesen haben: es ist Sommer (irgendwo ist ja immer grad Sommer), die Strände haben von früh bis spät geöffnet, das Büchlein über Maradonas ersten Fußball ist ebenso schmal wie schön, und Erik Wegener hat grad den Autor interviewt. Ich hab meins verliehen und nie zurück bekommen – wie jeder weiß, erkennt man daran die wirklich guten Bücher.

Und Familie?

Es ist spielfreie Zeit. Es gibt nichts Neues. Darum wird ein besonders altes Stück serviert. Als Redakteur der Schülerzeitung “Dreizeit” aus Berlin-Hellersdorf hatte ich im März 1994 zusammen mit einem Freund die Möglichkeit, den damaligen Trainer von Union Frank Pagelsdorf zu befragen. Das Ergebnis ist ein perfektes Zusammenspiel zwischen unseren kickeresken Fragen und seiner Maulfaulheit.

Dreizeit: Nennen sie uns bitte ihren Werdegang als Fußballspieler.
Pagelsdorf: Zuerst spielte ich von 1978 – 84 bei Bielefeld und wechselte danach nach Dortmund. Zuletzte spielte ich von 1990 bis 1991 bei Hannover 96 und mußte dort wegen einer Knieverletzung meine Karriere aufgeben.
Dreizeit: Union ist ihre erste Trainerstation. Welche Probleme hatten sie?
Pagelsdorf: Am Anfang gab es Probleme, weil es hier Vorurteile gegen sogenannte Westbürger gab. Die Spieler haben mich jedoch bald anerkannt, weil ich auch die Sprache der Spieler spreche.
Dreizeit: Jetzt gibt es hier ja auch einen Präsidenten aus dem Westen.
Pagelsdorf: Ja, der Präsident kommt auch aus der alten Bmdesrepublik. Ich glaube wir haben jetzt auch so eine Mischung gefunden, die
dem Verein gut tut.
Dreizeit: Hatten sie Probleme bei der Anerkennung beim Publikum?
Pagelsdorf: Schwierigkeiten in dem Sinne, daß wir gleich unser allererstes Spiel verloren haben. Da dachten die natürlich, jetzt kommt da so ein oller Wessi und gleich verlieren wir. Aber danach habenwir 15 Spiele in Folge gewonnen, so daß es da keine Probleme mehr gibt.
Dreizeit: Wie wichtig ist das Publikum?
Pagelsdorf
: Das Publikum ist ganz wichtig, denn es hat uns bei vielen schweren Spielen immer wieder angetrieben.
Dreizeit: Letztes Jahr waren sie in der Aufstiegsrunde Außenseiter, schafften jedoch den sportlichen Aufstieg. Dieses Jahr ist ihre Mannschaft Favorit. Haben sie Angst vor dieser Rolle?
Pagelsdorf: Sicherlich hat man mit dieser Rolle mehr Schwierigkeiten. In einer Aufstiegsrunde kam es jedoch jede Mannschaft schaffen. Außerdem haben wir uns dieeses Jahr spielerisch gesehen verstärkt.
Dreizeit: Welche Mannschaften wären ihre Lieblingsgegner?
Pagelsdorf: Jede Mannschaft die einmal dieses Ziel erreicht hat, will es dann natürlich auch schaffen. Damit sind alle Gegner, die dort auf einen warten schwer.
Dreizeit: Was glauben sie denn, welche Mannschaften in den anderen Staffeln Erste werden?
Pagelsdorf: Im Norden gibt es da noch einen harten Zweikampf zwischen Brandenburg und den Reinickendorfer Füchsen.
Dreizeit: Angenommen Sie steigen auf, welche Verbesserungen am Stadion wird es geben müssen?
Pagelsdorf: Es wird auf jeden Fall ein neuer Sanitärtrakt gebaut. Es wird auch sonst einiges geschehen.
Dreizeit: Wem sie nicht aufsteigen, werden Sie sich dann einen anderen Verein aussuchen?
Pagelsdorf:
Im Moment weiß ich das noch nicht, aber ich habe noch einen bindenden Vertrag, und ich gehe davon aus, daß ich den erfülle.
Dreizeit:
Welches ist die größte Schwäche Ihrer Mannschaft?
Pagelsdorf
: Die wohl größte Schwäche ist bei uns, daß es einfach an bundesligaerfahrenen Spielern mangelt.
Dreizeit: Welchen Spieler, falls machbar, hätten sie gern?
Pagelsdorf (ohne zu zögern): Matthäus, Olaf Thon, Chapuisat und Tony Yeboah.
Dreizeit: Sie haben eine hervorragende Jugendabteilung. Gibt es hoffnungsvolle Talente?
Pagelsdorf: Ja wir haben viele Talente, und wir wünschen uns auch, daß viele Jugendliche, auch aus Hellersdorf, sich entschließen, bei uns Fußball zu spielen.
Dreizeit: Wenn sie Bundestrainer wären, was würden sie ändern?
Pagelsdorf (lacht): Ich glaube doch, daß die Spieler, die jetzt vorhanden sind, in der Lage sindwieder Weltmeister zu werden. Der Berti
wird das schon richtig machen.
Dreizeit: Haben sie Hobbys?
Pagelsdorf: Ich spiele sehr gern Tennis.
Dreizeit: Und Familie?
Pagelsdorf: Nein. In diesem Beruf ist man einfach zu viel unterwegs. Da hatte ich noch keine Zeit für.
Dreizeit: Zu welchem Verein haben sie ein gutes Verhältnis?
Pagelsdorf: Borussia Dortmund.
Dreizeit: Aber sie schafften es ja auch die Bayern zu einem Freundschaftsspiel nach Berlin zu holen.
Pagelsdorf: Ja, und am 1 . Mai spielen wir gegen den 1. FC Köln, und da hoffe ich auch auf viele Fans.
Dreizeit: Wer wird Deutscher Meister?
Pagelsdorf: Bayern München!
Dreizeit: Ihre Mannschaft ist auch noch im Paul-Rusch-PokaI vertreten. Das ist ihre Chance, falls es mit dem Aufstieg nicht klappt, nächstes Jahr im DFB-Pokal für Sensationen zu sorgen.
Pagelsdorf: Ja, das stimmt. Wir spielen am 13. 4. 1994 gegen den FC Berlin.

Nichts nennenswert Neues.

Medienpartnerwechselspiel. 11Freunde-Gewinnspiel. Bratwursttestspiel. Mein Fußballverein ist grad wie so´n zeitunglesender Ehemann. Uninteressant. Uninteressiert. Ich glaub, ich fahr weg. Mal sehen, ob er´s merkt.

Einmal Mond und zurück.

“Haben Sie noch ne FuWo für mich?”, frag ich die Frau im Kiosk im Kaufland. “Na klar, aber die finden Sie nicht so leicht, diese Woche”, entgegnet sie, “die is´nämlich außen rot und nicht grün.” – “Jaja”, sag ich. “Ich weiß, deswegen will ich die ja haben. Nächste Woche isse wieder grün.” Sie wundert sich. “Und das ist alles wegen Union?” – “Alsoalsoalso … na hör´n se ma … !”

Das Ballhaus ist fertig. Ohne, dass es mir wirklich bewusst war, hatte ich mich an das Projekt Baustelle gewöhnt. So sehr gewöhnt, dass mir bei allem Jubel, trotz meiner Vorfreude und entgegen aller Erwartungen schon jetzt etwas fehlt.

Andererseits:

Es regnet. Und das ist egal. Denn heute abend stehen wir unter einem Dach. Hach.

[@spielbeobachter]

Von der geleisteten Basisarbeit werden wir voraussichtlich eine ganze Weile zehren müssen, denn ein so großes Fanprojekt ist ohne so große Not nicht umsetzbar.

Ich bin gespannt auf mein neues, altes Zuhause. Ich freu mich auf heute abend. Und: Ich hoffe irgendwie, dass Enno Recht behält ;)

Ich tippe übrigens auf einen Sieg von Union. Schließlich haben die Herthaner Manieren und verhelfen dem Gastgeber zu einer stimmungsvollen Einweihungsfeier. Das Spiel endet 4:3.

[Enno, WeltHerthaLinke: Echtes Derby]

Die schönsten Pausen.

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Eberswalde. Heimat des mööp. Weltstadt. Waldstadt. Lieber Fußballgott, ich weiß ja nicht, was Du heute gemacht hast, während ich das hundertjährige Betriebsjubiläum von Motor Eberswalde gefeiert habe. Aber im Westendstadion warste sicherlich nicht, sonst hättest Du unsere Torwärter so nicht aus der Kabine gelassen.

Union gewinnt das Testspiel gegen Motor Eberswalde 1:0 durch einen Elfmeter von Torsten Mattuschka. Carsten Busch und Jan Glinker gebührt das Große Tim-Wiese-Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Ich werte das als Vorbereitung auf den DFB-Pokal und sehe dem Trikottausch vorfreudig entgegen. Erstmals in seinem Torwartleben würde der Wiese hinterher ein noch interessanterfarbenes Trikot haben als vorher …

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Bis dann mal wieder.

Das ***textilvergehen*** hat hohen Besuch. Nicht Steinmeier. Nicht Merkel. Viel besser: Milan nämlich, dem ich immerzu sage: schreib, und komm endlich aus den Kommentaren raus, die sind länger und besser als die meisten meiner Texte. Hat er gemacht. Hab ich mich gefreut. Ach was, ich strahle immer noch :) Danke, Milan!

Kennt jemand Monk? Mein Rekord ist 12 Folgen am Stück a 50 Minuten mit dem Detektiv, der alle psychischen Krankheiten der Welt hat und drei, die noch nicht entdeckt wurden. Er wohnt in San Francisco und hat neben seiner Angst vor Milch auch Angst vor Gletschern.

Seine Macken machen seinen Alltag zu einem abenteuerlichen Überlebenskampf, ich muss oft an ihn denken. Ich rühre z.B. kein Essen an, auf das Petersilie gestreut wurde. Versucht mal in Deutschland essen zu gehen mit Petersilienabscheu. Selbst die klare Ansage, ´bitte ohne Petersilie` hilft nicht gegen den Reflex des Kochs auf Pasta, Rumpsteak und Pommes eine Handvoll Petersilie zu werfen. Das ist eingebaut wie Atmen.

Meine Reflexe machen mir auch Sorgen, vor allem wenn sie im Widerspruch zur üblichen Gelassenheit stehen. Ich vertrage parteiübergreifend keine Fernsehpolitiker. Auf eine Analyse ihrer Zwänge, sich den Medien zu verkaufen, verzichte ich, es reicht hier die Feststellung, dass sie sich verkaufen. Nichts Schlimmes an sich, außer dass sie es nicht zugeben. Vielleicht versuchen sie ja zu Hause, eine ehrliche Haut zu sein, im Wahlkampf jedenfalls ist ihnen das strengstens verboten. Ich will diesem miserablen Theater nicht ausgeliefert sein.

Wenn ich so etwas im Fernsehen erlebe, bin ich mit meiner Neugier selbst Schuld, die Plakate auf der Straße ignorieren ist schon eine Leistung, zu der ich nicht im Stande bin.

Petersilie.

Ich will mich nicht beklagen, denn es gibt genügend Orte, die frei sind von solchen Belästigungen. Die Kneipe, ein Garten, der Wald, das Zuhause, mein Stadion … alles Orte, in denen Frank Walter Steinmeier nicht repräsentiert wird. Dachte ich, denn das Stadion muss ich nun streichen. Eben habe ich mich noch lustig gemacht über einen Verein, der Angela Merkel als Ehrenmitglied genommen hat und nun das. Petersilie.

Mein Verein, dessen Kontakte zur Wirtschaft lebenswichtig sind, hat es bis hierher ohne Politiker oder besser trotz solcher Politiker geschafft. Frank Walter ist ganz und gar unschuldig am Verein, am Stadion, an unseren Problemen und unseren Erfolgen und ich frage mich nun nach dem Sinn, ihn als Ehrengast zu präsentieren, wo es doch landläufig heißt ´Ehre, wem Ehre gebührt´. Und ich frage mich mit Monkscher Panik beim Anblick von Ratten, ob eine Ehrenmitgliedschaft für den Kanzlerkandidaten drin ist. Petersilie.

Gerne erinnere ich mich an einen Besuch von Eberhard Diepgen, der als Bürgermeister von Berlin vor Jahren die alte Försterei besuchte und vom Stadionsprecher begrüßt wurde. Gnadenlos ausgepfiffen und runtergebuht erzählte er am nächsten Tag dem Kurier, wie toll die Atmosphäre dort sei und wie gut ihm das alles gefallen hat. Ein echter Profi eben. Petersilie.

Gerade spiele ich mit dem Gedanken, ein Bund Petersilie zu zerkauen. Ich muss härter werden.