Unter der Überschrift “Der Eisbrecher” gibt Philipp Lahm dem schwulen Männermagazin Front ein Interview und sieht dabei offenbar recht lecker aus, denn Ingo Moceks Artikel endet so:
“Als er Liegestütze macht, umhüllt silberner Schweiß den definierten Körper.”
Das Interview trägt zwar zum Thema (“Mal eine Lanze brechen für… “) nichts bei, und man kann auch sonst einiges daran aussetzen, übrig bleibt aber doch eine Botschaft, die ich ohne Einschränkung gut heiße: Ein deutscher Nationalspieler auf dem Titelblatt eines schwulen Magazins findet nicht, dass er sich dabei irgendwas vergibt.
Ich ärgere mich seit nunmehr fünf Tagen. Über die taz nämlich. Wenn man einen Integrationspreis dafür bekommen kann, dass sieben verschiedene Nationalitäten zusammen Fußball spielen, hätte Cottbus einen solchen Preis an jedem Spieltag, den der liebe Gott werden lässt, verdient. Wenn man bedenkt, dass dort halb Mittel- und Osteuropa spielt. Wenn man bedenkt, dass drum herum Brandenburg ist.
Ich kann nun nicht ausschließen, dass ich -jene Kreuzberger Mannschaft betreffend- durch eine besonders unangenehme Stadionerfahrung vorbelastet bin. Und wenn auch schon der achte Januar ist, beschließe ich hiermit feier- und öffentlich, mir mindestens ein Spiel von Türkiyemspor anzusehen, an dem WIR nicht beteiligt sind. Will einer mit mir hingehen?
Hab ich mir gedacht.
Ich kann allerdings ausschließen, dass ich der taz gegenüber vorbelastet bin. Und es ärgert, ärgert und ärgert mich, dass die Berliner Presse auf ihren Nicht-Sportseiten, also jenseits der Tabellen, über exakt drei Kategorien von Fußballvereinsdarstellungen verfügt: der multikulturelle Kreuzberger Karnevalsverein, der blaß-blauweiße Erstligist (ich sag ma: Herthafreundin) und die Ost-Nazis (die schlimmen und die nichtganzsoschlimmen, die in Ermangelung aktuellen Bildmaterials beide noch immer mit den Hauswald-Fotos aus den 80er Jahren illustriert werden). Angenehm einfach lässt sich damit Politik machen.
Ich wünsche mir gute Vorsätze für die anderen. Ich wünsche mir Journalismus.
Eben reingekommen, auf der ARD “Die besten Frauen der Welt” gesehen, nur die letzte halbe Stunde, leider. Deshalb “leider”, weil im Gegensatz zu Sönke Wortmanns unerträglichem Sommermärchen hier bis auf den Satz “man vergleicht ja auch nicht Frauenvolleyball mit Männertennis” viele kluge Wortbeiträge zu hören waren. Keine Poldi&Schweini-Cam. Auch, weil die Frauen eine verblüffende Bodenhaftung bewiesen. Recht freimütig zugeben, dass sie selber lieber Männerfußball kucken. Dass man blöd wird von “immer nur Fußball”. Zurückwollen in den Beruf. Und also Fußball gar nicht als ihren Beruf begreifen. (Ein Gedanke, den ich grad noch nicht zuende denken kann.)
Schön auch die Spielzusammenschnitte, nur mit Musik und O-Tönen verziert, ohne Kommentare. Die Herren Sammer und Löw als Blumenmädchen am Flughafen voller Neid auf Frau Neid gefielen sehr. Der Bundesinnenminister drängelt sich zwar auch mit auf´s Gruppenbild einer Gewinnermannschaft, es gelingt ihm aber noch weniger als der Kanzlerin im Jahr zuvor, dass irgendwelche Sympathien abfärben. Wie das bloß kommt …